16.09.2011 - 00:00 Uhr
Oberpfalz

Eine Wanderung auf den Bischofsmaiser Geißkopf Das verlassene Bergdorf Oberbreitenau

Auf der Geißkopf-Tour tun sich dem Wanderer immer wieder herrliche Ausblicke auf die Landschaft des Bayerischen Waldes auf. Beim Abstieg grüßt die Burgruine Weißenstein herüber.
von Thomas Schaller Kontakt Profil

Oberbreitenau ist der Name eines Bergbauerndorfes, das es schon lange nicht mehr gibt. Anschaulich führt es den Wandel vor Augen, den der Bayerische Wald in den vergangenen Jahrhunderten durchgemacht hat. Die Herren von Burg Weißenstein bei Regen hatten die Hochebene auf dem Geißkopf, dem Hausberg von Bischofsmais, im Jahre 1585 roden lassen, um acht arme Untertanen anzusiedeln. Bis ins 20. Jahrhundert fristeten die Bewohner des Dorfes in einer Heide- und Moorlandschaft ein kärgliches Dasein. Schließlich wurde die Oberbreitenau wegen Unwirtschaftlichkeit entsiedelt. Heute wuchert Unkraut über den letzten Mauerresten.

Haus für Wanderer

Nur der Greil-Hof überdauerte: Der Bayerische-Wald-Verein machte daraus eine Wandererunterkunft, der später eine Jugendherberge angegliedert wurde. Heute ist das "Landshuter Haus" eine beliebte Bergwirtschaft, in der sich der Wanderer auf der Geißkopf-Tour für den letzten Gipfelanstieg stärken und auch übernachten kann. Die Wanderung beginnt unten in Bischofsmais, wo sich der Parkplatz der Touristik-Information nahe dem Kurpark als Ausgangspunkt anbietet. An der Kreisstraße, die den Ort nach Westen verlässt, geht es 400 Meter entlang, bis links ein Feldweg abzweigt. Dieser führt direkt zur Wallfahrtsstätte Sankt Hermann. Alternativ kann man auch eine Schleife durch den Ort gehen, wo die Kapelle ausgeschildert ist.

Bildergalerie "Wandern in Bischofsmais" (Bilder: Thomas Schaller)

Im 14. Jahrhundert hatte ein Einsiedler zu Ehren seines Namenspatrons Hermann Josef außerhalb der Siedlung eine Kapelle errichtet. Die Bevölkerung schrieb ihm die Gabe des Wunderwirkens und der Weissagung zu, und so entwickelte sich bald eine Wallfahrtsstätte. In Hermanns Zelle, neben einer alten Holzkapelle, stapeln sich hunderte von hölzernen Gliedmaßen als Votivgaben für Heilungen. Daneben stehen der Kuppelbau der Brunnenkapelle und die vielbesuchte Wallfahrtskirche. Mehrere Totenbretter geleiten den Wanderer auf dem Böhmweg. Zuerst als Feldweg, hernach als wenig befahrene Teerstraße führt er bergan nach Hermannsried. Dort zweigt rechts der Wanderweg Nr. 10 ab in Richtung Oberbreitenau/"Landshuter Haus". Nach den letzten Gebäuden ist bald der Wald erreicht - und damit, eine Dreiviertelstunde nach dem Start der Tour, der Beginn des steilen Anstiegs.

Steiniger Pfad

Der steinige Pfad durch den Wespensteiner Wald wechselt sich ab mit breiten Forstwegen und Sumpflöchern, die von der Benutzung durch schwere Holzfahrzeuge künden. Nach einer weiteren Dreiviertelstunde zeigen mehrere Brückchen an, dass man das weitläufige Quellgebiet des Hermannsbaches durchschreitet. Kurze Zeit später öffnet sich die Hochfläche der Oberbreitenau. Ein breiter Fahrweg bringt uns zum "Landshuter Haus". Eine Informationstafel beschreibt die Geschichte des "verlassenen Dorfes" und ebenso die des Unterkunftshauses.

Nach der Brotzeit warten die Höhepunkte der Wanderung: An mehreren Totenbrettern vorbei führt ein bequemer Steig in den Zauberwald. Zwei Forstwirtschaftsmeister und ihre Auszubildenden sowie ein Hobbyschnitzer haben vor wenigen Jahren mit der Motorsäge kunstvolle Figuren aus der Fabelwelt geschaffen, und so haben vor allem Kinder ihren Spaß an Bär und Eichhörnchen, Storch und Adler, Schwammerl und Rübezahl.

Der sanfte Anstieg ist so kurzweilig, dass die halbe Stunde bis zum Aussichtsturm auf dem Geißkopf wie im Flug vergeht. Jetzt warten nur noch 82 Holzstufen vor einem sagenhaften Panoramarundblick über den gesamten Bayerischen Wald und hinunter ins Donautal. An klaren Frühlings- und Herbsttagen sind sogar die Alpen zu erkennen. Die Geißkopfhütte belohnt den Wanderer mit einer gemütlichen Aussichtsterrasse mit Blick auf die Nordflanke.

Und hier zeigt sich der Bischofsmaiser Hausberg buchstäblich von seiner anderen Seite: Nicht nur, dass Skiabfahrten und Liftschneisen den Geißkopf zerklüftet haben - jetzt finden auch Mountainbiker ein im Bayerischen Wald wohl einmaliges Revier vor, den Bikepark Geißkopf (www.bikepark.net) mit 9 Strecken und Parcours von insgesamt mehr als 7 Kilometern. Die Fleißigen radeln auf der Forststraße hoch, die Bequemen lassen sich vom Sessellift oder vom Schlepper nach oben bringen, bevor die wilde Jagd startet.

Zwei Routen zurück

Auf der Forststraße unterhalb der Geißkopfhütte verlässt der Wanderer das Gipfelplateau und freut sich, wenn er nach einer Rechtskehre den Weg wieder für sich hat, denn der Mountainbike-Trail biegt links ab ins unwegsame Gelände. Etwa eine Dreiviertelstunde braucht man hinunter zur Talstation der Geißkopfbahn, und jetzt gilt es, sich zu entscheiden: Wer noch Zeit und Laune hat, kann seine Wandertour über Habischried und das Naturdenkmal Teufelstisch ausdehnen. Die anderen kehren in einer weiteren Dreiviertelstunde auf einem bequemen Fußweg an der Kreisstraße entlang zum Ausgangspunkt zurück.

Tipps zur Route

Die Route in Zahlen:

  • Länge: 12 Kilometer
  • Anstieg: 430 Höhenmeter
  • Dauer: 3:45 Stunden
  • Einkehr: "Landshuter Haus", Geißkopfhütte
  • Höhepunkt: Aussichtsturm auf dem Geißkopf (1097 m)
Nützliche Adressen:

Touristik-Information Bischofsmais Hauptstraße 34
94253 Bischofsmais
Telefon: 09920/9404-44
Telefax: 09920/9404-40
E-Mail: info[at]bischofsmais[dot]de www.bischofsmais.de/touristinfo

Landshuter Haus Oberbreitenau 1
94253 Bischofsmais
Telefon: 09920/255
Fax: 09920/903418
E-Mail: landshuterhaus[at]bischofsmais[dot]com www.landshuterhaus.de

Geißkopfbahn Unterbreitenau 3
94253 Bischofsmais
Telefon: 09920/231
E-Mail: info[at]geisskopf[dot]de www.geisskopf.de

Bikepark Geißkopf Unterbreitenau 1
94253 Bischofsmais
Telefon: 09920/9031-35
Fax: 09920/9031-36
E-Mail: mtbzone[at]bikepark[dot]net www.bikepark.net

Freunde der Burganlage Weißenstein Hochreitweg 11
94209 Regen
Telefon: 09921/6748
E-Mail: info[at]burgverein-weissenstein[dot]de www.burgverein-weissenstein.de

Bayerischer-Wald-Verein 94227 Zwiesel
Am Stadtplatz 11
Telefon: 09922/9265
Fax: 09922/500673
www.bayerischer-wald-verein.de

Wichtiger Hinweis

Wie bei jeder Bergtour gelten auch am Geißkopf gewisse Regeln: Der Wanderer muss seine Route entsprechend der eigenen Ausdauer auswählen. Trittsicherheit und geeignete Wanderschuhe sind unabdingbar. In den Bergen ist Ausrüstung für plötzlichen Wetterumschwung nötig.

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