16.08.2014 - 00:00 Uhr
Deutschland & Welt

Radtourismus im Altmühltal eine Erfolgsgeschichte - E-Bikes werden immer beliebter Imposante Kalkfelsen, alte Mühlen und Burgruinen

"Nein, leider. Wir haben kein Zimmer mehr frei." Eigentlich war es nicht anders zu erwarten bei den vielen Rädern, die vor dem Gasthof stehen und den vielen Menschen, die in bunter Radlerkleidung auf der Terrasse hinter dem Haus am Fluss sitzen.

von Autor NTZProfil

Damit ist mein Vorhaben, in Dollnstein an der Altmühl zu übernachten, gescheitert. Was tun? Es ist erst 14 Uhr - also noch genügend Zeit, wieder aufs Rad zu steigen. Noch mal 20 Kilometer weiter bis nach Pappenheim. Eine gute Entscheidung! In der Hauptstraße des kleinen ehemaligen Residenzstädtchen, berühmt geworden durch den Ausspruch Wallensteins während des 30-jährigen Krieges: "Ich kenne meine Pappenheimer", sind Cafés und Restaurants geöffnet. Gasthöfe bieten Zimmer an.

250 Kilometer lang

Der 250 Kilometer lange Altmühlradweg, der von Kelheim an der Donau über Gunzenhausen, dem Zentrum des Fränkischen Seenlandes, bis nach Rothenburg ob der Tauber verläuft, gehört zu den gefragtesten Radwegen Deutschlands. Die wenigsten nehmen allerdings die gesamte Strecke unter die Räder; die meisten Radtouristen beschränken sich auf spezielle Abschnitte. Zu den beliebtesten zählen die rund 20 Kilometer zwischen Dollnstein und Eichstätt. "Da ist täglich viel los," weiß Heike Baumgärtner vom Informationszentrum Naturpark Altmühltal in Eichstätt. "Mittlerweile zählen wir im Jahr 100 000 Radtouristen. Und die Zahl steigt, vor allem wegen der immer mehr in Mode kommenden E-Bikes. Wir schätzen, dass mittlerweile ein Viertel der Radtouristen mit dem E-Bike unterwegs ist."

E-Bikes einfach mieten

E-Bikes können mittlerweile an mehr als 30 Stationen im Altmühltal recht einfach gemietet werden, und zwar über die Service-Organisation Stromtreter (www.stromtreter.de). Das Rad kostet dort pro Tag zwischen 23 und 25 Euro. Mit dem E-Bike trauen sich offensichtlich auch weniger sportliche Radfahrer mehr zu. Viele wagen sich über Eichstätt hinaus ins rund 50 Kilometer entfernte Beilngries. Es lohnt sich. Hinter der Bischofsstadt Eichstätt beginnt einer der landschaftlich reizvollsten Teile des Radwegs. Die Altmühl schlängelt sich durch ehemaliges Stromgebiet der Urdonau vorbei an imposanten Kalkfelsen des Fränkischen Jura, an alten Mühlen und Burgruinen.

Wer noch genügend Reserven hat, sollte in Beilngries hinaufradeln zum Schloss Hirschberg, das einen prächtigen Ausblick auf das Tal bietet. Die ursprüngliche Burg ließen sich die Eichstätter Fürstbischöfe vor mehr als 600 Jahren zu ihrem Sommersitz ausbauen. Beilngries zählt zu den "Radhochburgen": Wer am späten Nachmittag ohne fest gebuchtes Quartier ankommt, der muss damit rechnen, in dem geschichtsträchtigen Städtchen kein Zimmer mehr zu bekommen.

In Gunzenhausen, das zur Römerzeit eine wichtige Verteidigungsanlage am Limes war, lohnt eine Pause: Man sollte zumindest einmal über den alten Marktplatz bummeln, die historische Spitalkirche besichtigen und den Färberturm aus dem 14. Jahrhundert besteigen, der eine herrliche Aussicht auf das fränkische Seenland bietet. Dazu zählt der Altmühlsee, ein von der Altmühl gespeister Stausee, an dessen Ufer sich der Radweg nun rund vier Kilometer entlang schlängelt. Ein Bad im kühlen Wasser tut gut bei den sommerlichen Temperaturen von rund 30 Grad.

Hinter Muhr am See verlässt der Radweg den See; es wird Zeit für eine Mittagspause. Doch ein offenes Gasthaus gibt es weit und breit nicht. Der Italiener, auf den ein Schild hinweist, hat zu. Nach längerer Suchfahrt lande ich in der Sportgaststätte des 1. FC Altenmuhr, dem griechischen Lokal "Limni", wo ich von der Familie Dionysis Tatsaridi vorzüglich bedient werde .

Schlecht beschildert

Nun beginnt der weniger befahrene Teil des Altmühlradwegs. Oft wechselt er, weit weg von der Altmühl, auf allerdings wenig befahrene Straßen. Radfahrer begegnen mir immer seltener. Die Wegweisung wird lückenhaft. Der Weg nach Herrieden, dem nächsten Ziel, am Altmühlsee noch unübersehbar beschildert, ist nur mit indianischem Spürsinn zu finden.

Vor Leutershausen, rund 15 Kilometer weiter, fallen grüne Wegweiser ins Auge­ - sie weisen auf die örtliche Triathlonrunde hin. Wie zur Bestätigung preschen zwei junge Rennradfahrer in atemberaubenden Tempo vorbei; sie wissen, wohin sie müssen. Touristen sind allein gelassen. Am sichersten scheint es, der Straßenbeschilderung zu folgen: Rothenburg ob der Tauber: 25 Kilometer. Kürzer wird der Radweg auch nicht sein. So lerne ich, wie mir später die Tourismusinformation im Internet verrät, nicht die sehenswerte historische Altstadt von Leutershausen kennen und auch nicht die zahlreichen Gaststätten mit Biergärten, die zur Rast einladen.

Ich komme nicht nach Hornau, dem Quellgebiet der Altmühl, und habe keine Chance, die Burg Colmberg zu bestaunen, eine eindrucksvolle Befestigungsanlage aus dem Mittelalter. Dafür bin ich sicher, mein Ziel ohne Umwege zu erreichen, was bei der Hitze von mehr als 30 Grad an diesem Tag bestimmt nicht schlecht ist. Und nach Rothenburg, wo ich mich bereits in einem schattigen Biergarten sitzen sehe, sind es jetzt nur mehr 15 Kilometer.

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