27.04.2018 - 13:32 Uhr
Deutschland & Welt

80. Geburtstag von Klaus Voormann Der ewige "Sideman"

Der 12. April hätte ein großer Tag für Klaus Voormann werden können. Immerhin würde der Grafiker, Bassist, Produzent und seit Jahrzehnten enger Freund der Beatles - eine Art "Gesamtkunstwerk"" fürderhin - am Abend einen "Echo" für sein Lebenswerk erhalten. Doch dann kam alles anders.

Klaus Voormann, der seit Jahrzehnten mit Gattin Christina am Starnberger See lebt, war von Beginn an völlig elektrisiert von der rohen Rock-'n'-Roll-Energie der Beatles. Es sollte der Beginn einer bis heute andauernden wunderbaren Freundschaft werden. Bild: Paul Crother
von Autor MFGProfil

So geschah es zunächst auch: Der am Starnberger See Ansässige nahm die wichtigste deutsche Musik-Prämie aus den Händen seines alten Kumpans Wolfgang Niedecken (BAP) samt Laudatio entgegen. "Es hat mich gefreut", erklärte Voormann wenige Tage später in einer öffentlichen Verlautbarung, "dass nicht die Verkaufszahlen, sondern meine künstlerische Leistung gewürdigt wurde." Im selben Schreiben kündigte der Altmeister, was zunächst wie ein großes Paradox erscheint, die Rückgabe seines Preises an. "Ich habe mir mit der Entscheidung bewusst Zeit gelassen", gab der angenehm skurrile Zeitgenosse der Öffentlichkeit bekannt. "Doch sie entpuppt sich im Nachhinein als große Enttäuschung."

"Echo" abgeschafft

Die Rapper Kollegah und Farid Bang wurden 2018 beim Musikpreis "Echo" für ihr Album "Jung, Brutal, Gutaussehend 3" ausgezeichnet - trotz einer Zeile über Auschwitz-Insassen. Die Kritik an dieser Entscheidung war massiv, den beiden Rappern wurde Gewaltverherrlichung und Judenhass vorgeworfen. Vor kurzem reagierte ihre Plattenfirma, die Bertelsmann-Tochter BMG, und startet als Reaktion eine Kampagne gegen Antisemitismus, gab den Rüpeln ihre Entlassungs-Papiere. Der "Echo" wurde inzwischen abgeschafft.

Tagelang meldeten sich im Anschluss immer mehr Künstler zu Wort, die ankündigten, ihre "Echos" zurückgeben zu wollen, darunter Westernhagen - und eben Voormann, auf so höfliche wie eindeutige Art und Weise. In seinem Statement geht dieser hart mit der Musikindustrie ins Gericht, weil sie nicht nur den Preis verliehen, sondern den Rappern auch noch, schreibt er, "eine martialische Performance" bei der Gala ermöglicht habe. "Meinen Laudator und Freund Wolfgang Niedecken und mich derart ins offene Messer laufen zu lassen, indem man uns beide und große Teile des Saalpublikums damit in Schockstarre versetzt hat - und das, obwohl wir nicht eine Textsilbe verstanden haben -, zeugt nicht für die Wertschätzung einer Lebenswerk-Auszeichnung", schreibt er. Und mit diesem Statement und der Rückgabe seines "Preises", der für Voormann "keine Bedeutung" hat, will es der immer noch zierlich wirkende Zeitgenosse auf sich beruhen lassen, was diese eher peinliche Fußnote in seiner vor kreativen Highlights nur so strotzenden Karriere betrifft.

Der nächste Höhepunkt ist übrigens rein privater Natur: Am Sonntag, 29. April, begeht der in Berlin geborene seinen 80. Geburtstag. "Ich freue mich darauf", lässt Voormann in gewohnt bescheidener Manier verlauten. "Allerdings werde ich das Ganze weitgehend unter Ausschluss der Öffentlichkeit feiern, vor allem mit meiner Frau und der Familie."

Voormann studiert mit Anfang 20 an der Hamburger "Meisterschule für Gestaltung". In dieser Phase seines Lebens, genauer gesagt anno 1960, lernt er im verruchten Hamburger Club "Kaiserkeller" die damals sehr jungen und am Beginn ihrer Karriere stehenden Beatles (damals noch The Silver Beatles) kennen, die sich dort ihre ersten Live-Sporen verdienen. Man trifft sich nach den wilden Gigs regelmäßig hinter der Bühne, rasch entwickelt sich eine enge Freundschaft, die bis heute anhält.

Im Laufe der Zeit wird im Zusammenhang mit dem "Stillen Wasser" (Lennon über Voormann) immer öfter vom "fünften Beatle" neben John Lennon, Paul McCartney, George Harrison und Ringo Starr geredet. Ende 1961 kauft Voormann dem Ur-Beatle Stuart Sutcliffe dessen Bassgitarre ab, weil jener sich aus dem Musikgeschäft zurückziehen will. Und erobert sich - neben seiner eigentlichen beruflichen Laufbahn als grafischer Designer und Illustrator - dieses Instrument. Mit der Konsequenz, in nur wenigen Jahren zu einem der innovativsten und gefragtesten Bassisten der Welt zu avancieren.

"Revolver" als Durchbruch

1964 reist er seinen inzwischen berühmten Freunden nach London hinterher, um dort in seinem angestammten Beruf zu arbeiten als auch seine erste mäßig erfolgreiche Beat-Band "The Eyes" zu gründen, aus der bald "Paddy, Klaus And Gibson" werden. Auch dieses Trio bekommt keinen sonderlich großen Zuspruch.

1966 sollte das Jahr werden, welches den öffentlichen Status von Klaus Voormann für immer verändern würde. Dass die Beatles mit ihrem im August 1966 erschienenen siebten Studioalbum "Revolver" eine musikalische Zeitenwende einläuteten, ihrer Karriere damit einen geradezu monströsen Kreativ-Schub nach vorne bescherten, war sämtlichen Beteiligten rasch klar. Doch nicht nur die aufregend-visionäre Musik der Platte, gespeist aus psychedelischen und experimentellen Motiven, machte "Revolver" zu einem künstlerischen wie kommerziellen Mega-Erfolg, sondern auch das gerade in seiner - auf den ersten Blick - Unaufgeregtheit daher kommende Schwarzweiß-Cover.

Im Frühjahr 1966, Voormann arbeitete parallel als Grafiker und Bassist etwa für die Band von Manfred Mann, bekommt der Berliner einen Anruf von einem gewissen "John". Rasch stellt sich heraus, dass es sich um Lennon handelt, der in seiner berüchtigt-brüsken Art fragt, ob der introvertierte Schlaks aus Deutschland Cover-Ideen hätte für die nächste Platte. Voormann hat, macht sich ans Werk, überzeugt mit seiner Arbeit zunächst die "Fab Four" sowie deren Management, später die Fans und gleich darauf auch die Kommission, welche für die Verleihung des wichtigsten Musik-Preises der Welt, den "Grammy", verantwortlich ist. Das nahezu Unfassbare geschieht am 2. März 1967: Er erhält die begehrte Trophäe in der Kategorie "Bestes Album-Cover".

Im Anschluss gestaltet Voormann die Hüllen für zwei Bee-Gees-Alben, und ist häufig musikalisch für die unterschiedlichsten Konstellationen seiner Kumpels als Musiker tätig. So zupfteer den Bass etwa bei der Plastic Ono Band. Auch bei "Imagine" (Lennon), "Ringo" (Starr) oder "All Things Must Pass" (Harrison) und einigen anderen Platten war er an Bord. Als Studiobassist bedient er über die Jahre gleichfalls Koryphäen wie Lou Reed, Carly Simon, Harry Nilsson oder B. B. King mit seinen Beiträgen.

1979 kehrt Voormann nach Deutschland zurück. "Ich hatte mir vorgenommen", sagt er rückblickend in einigen Interviews, "Musikproduzent zu werden." Gleich sein erster Auftrag wird zum Monstererfolg: Er nimmt die damals völlig unbekannte Band Trio unter seine Fittiche. Lohn des Risikos: Deren Single "Da Da Da" ist etliche Wochen lang Nummer 1 in den Charts und wird zu einem prägenden Aushängeschilder der "Neuen Deutschen Welle". Im Anschluss steht er auf der Gehaltsliste etwa von Nena, Heinz-Rudolf Kunze oder Marius Müller-Westernhagen.

Was für ein ungeheuer aufregendes Leben! Während dem die Beatles immer wieder - und bis heute - seinen Weg kreuzten und kreuzen. Ob der alte Buddy Paul McCartney bei seiner Geburtstagssause am Sonntag aufkreuzen wird, hat man Voormann vor kurzem gefragt. "Ich würde mich sehr über diesen Besuch freuen", gibt der Berliner charmant zurück. "Der Starnberger See ist ja immer eine Reise wert."

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