Ausstellung im Spielzeugmuseum Nürnberg
„Mit Pauken und Trompeten!

Zum Trommeln: Wegen ihrer ursprünglich auch militärischen Funktion spielten bis Mitte des 20. Jahrhunderts vor allem Jungs damit.
Kultur BY
Bayern
23.12.2016
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Musik zum Aufziehen: "The Sleeping Bears" sorgten mit coolen Rhythmen für wache Kids. Bilder: Kusch (6)

In der Ausstellung "Mit Pauken und Trompeten! Spielzeuginstrumente aus Nürnberg und der Welt" zeigt das Spielzeugmuseum Nürnberg bis 23. April 2017 eine Vielzahl unterschiedlichster - spielbarer wie nicht spielbarer - Spielzeuginstrumente aus der Zeit von 400 vor bis 2000 nach Christus.

Von Günter Kusch

Musik wird oft nicht schön gefunden, weil sie stets mit Geräusch verbunden", stellt Herr Knoll fest, als ihn ein Bettelmusikantenchor mit Blasmusik bei der Maulwurfsjagd stört. Die Bildergeschichte "Der Maulwurf" schrieb Wilhelm Busch im Jahr 1874. Der Satz wird mitunter auch heute noch zitiert, wenn Töne zu Misstönen werden - oder wenn der Nachwuchs lautstark sein musikalisches Talent unter Beweis stellt. Die Fachleute erklären: Ob Klang als "schön" empfunden wird, hängt von subjektiven, kulturellen und psychoakustischen Gewohnheiten und Erfahrungen ab. Klar ist: Die Hör-Wahrnehmungen von Kindern unterscheiden sich oft von denen der Erwachsenen.

Kinder sind vor allem eines: Laut! Und das sollen sie auch sein. Es beginnt direkt nach der Geburt mit dem ersten Schrei, setzt sich im Kleinkindalter mit herzerweichendem Weinen oder ansteckendem Kinderlachen fort und entwickelt sich weiter zur differenzierten Artikulation des Menschen: zum Sprechen, Singen und Musizieren. Musik wird im deutschen und mitteleuropäischen Kulturkreis als wesentlich für die emotionale Entwicklung von Kindern erachtet. Musik ist Gefühl und Ausdrucksform, Musik bedeutet Aufmerksamkeitssuche und Selbstwahrnehmung - mal wohlklingend, mal einfach nur laut.

Aktuelle Beispiele

Für Kinder wurden und werden in der Region Nürnberg wie auch weltweit spielbare und nicht spielbare Musikinstrumente als Spielzeug hergestellt. Die Ausstellung "Mit Pauken und Trompeten!" zeigt historische und aktuelle Beispiele für Banjos, Brummkreisel, Flöten, Geigen, Gitarren, Glockenspiele, Hörner, Klaviere, Pfeifen, Posaunen, Rasseln, Saxofone, Schlagzeuge, Tamburine, Tröten, Trompeten, Trommeln, Spieldosen, Xylofone, Ziehharmonikas und Zithern aus der Zeit von 400 vor bis 2000 nach Christus - teils kunterbunte Spielzeuginstrumente, die Kinder in Verzücken und Erwachsene manchmal in Verzweiflung versetzen können.

Erste Abbildungen von Spielzeuginstrumenten als kommerzielle Handelsware findet man um 1800 auf den Katalogtafeln des Nürnberger Galanteriewarenhändlers Georg Hieronimus Bestelmeier. Im Verlauf des 19. Jahrhunderts vermehrte sich das Warenangebot explosionsartig, wie beispielhaft Musterblätter von Spielwarenverlegern aus Nürnberg, Sonneberg und dem Erzgebirge zeigen. Musikspielwaren sind darunter ein fester Bestandteil und wurden in vielfältigen Größen und Qualitäten angeboten.

Die Katalogtafeln und Musterblätter dienten ursprünglich der Werbung und waren Grundlage für Bestellungen unter Handelspartnern. Heute geben die grafisch aufwendig gestalteten Sortimentsdarstellungen einen Einblick in die frühen Manufakturspielwaren bis hin zu den industriellen Massenerzeugnissen. Die Musterblätter werden in Originalgröße als Repliken in der Ausstellung gezeigt. Etwa mit Beginn des 20. Jahrhunderts wurden die Druck- und Reproduktionstechniken besser und preiswerter. Nun konnten sich auch kleinere Hersteller eigene Kataloge für ihre Produkte leisten. Dominierend blieben die Musikspielzeugklassiker wie Rasseln, Flöten, Geigen, Gitarren, Trommeln oder Trompeten.

In den 1970er Jahren erlebte die global agierende Spielzeugbranche große Umwälzungen. Die Konkurrenz aus Fernost nahm stark zu. Elektronische Spielzeuginstrumente kamen auf den Markt. Zum Ende des 20. Jahrhunderts scheint das Interesse an Spielzeuginstrumenten abzunehmen. Die "Klassiker" der Spielzeuginstrumente sind jedoch nach wie vor im Trend und in allen Preislagen und Qualitäten im Angebot.

"Ich übe viel!"

Aus der Sammlung des Spielzeugmuseums zeigt die Ausstellung unter anderem aufziehbare Schuco-Figuren, kombiniert mit Spielsachen des 20. und beginnenden 21. Jahrhunderts sowie Literatur und auch einige Noten zum Thema. Ein Orchester im Vorraum zur Ausstellung - angekündigt mit klassischen Konzertgeräuschen - besteht aus Schuco-Tanzfiguren der 1930er bis 1950er Jahre, aus einer Schlümpfe-Big-Band der 1980er Jahre, aus der Überraschungsei-Serie "Aristocats" von 1989, einem Lego-Drummer, Alf als Quietsch-Spielzeug, der Diddl-Maus sowie Blechfiguren der Nürnberger Blechwarenmanufaktur Tucher & Walter.

Im Ausstellungsraum finden Kinder "Little Amadeus" aus der gleichnamigen Kinderfernseh-Serie als kleine Aufstellfigur und "Das große Peanuts-Buch" mit dem vielleicht berühmtesten Spielzeug-Pianisten der Welt: Schroeder. Schroeder spielt - laut einem Comicstrip von Charles M. Schultz - perfekt Beethoven und wird von Charly Brown gefragt, wie er das mache, wo doch die schwarzen Tasten auf seinem Klavier nur aufgemalt seien. Schroeders Antwort darauf lautet: "Ich übe viel!" Bei Herrn Knoll aus der Geschichte von Wilhelm Busch hätte es übrigens auch nichts genutzt, wenn der Chor der Bettelmusikanten vorher geübt hätte. Kundige Gärtner wissen: Maulwürfe kann man unter anderem ganz gut vertreiben - mit Musik!

ServiceAusstellung: "Mit Pauken und Trompeten! Spielzeuginstrumente aus Nürnberg und der Welt". Bis 23. April 2017.

Ort: Spielzeugmuseum (Museum Lydia Bayer), Karlstraße 13-15, 90403 Nürnberg.

Öffnungszeiten: Dienstag bis Freitag 10 bis 18 Uhr; Samstag/ Sonntag 10 bis 17 Uhr; 26. Dezember (2. Weihnachtsfeiertag) 10 bis 18 Uhr; 31. Dezember (Silvester) 10 bis 18 Uhr; 1. Januar (Neujahr): 13 bis 18 Uhr; 6. Januar (Dreikönig) 10 bis 18 Uhr .

Kontakt: Telefon 0911/2313164; per E-Mail unter: spielzeugmuseum@stadt.nuernberg.de

Parkmöglichkeit: Parkhaus Hauptmarkt, Augustinerstraße 4.

Weitere Informationen: www.museen.nuernberg.de/spielzeugmuseum/
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