Ausstellung in München
Kunst aus Spaniens goldener Zeit

Gregorio Fernández & Pedro de la Cuadra, Kreuztragung Christi, 1610-1615. Bild: Javier Muñoz/Paz Pastor
Kultur BY
Bayern
27.12.2016
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Eine Madonna schwebt in den Himmel. Märtyrer lächeln noch im Moment der Demütigung beseelt. Könige erstrahlen im Glanz ihrer Hofmaler. Diese Arbeiten sind in der Ausstellung "Spaniens goldene Zeit" in Gemälden und Skulpturen des Barocks in der Münchner Hypo-Kulturstiftung zu sehen.

München. Spaniens "Siglo del Oro", Goldenes Zeitalter des 17. Jahrhunderts, entwickelte, politisch bereits im Untergang begriffen, während der Regierungszeiten König Philipp III., IV. und Karl II. seine größte künstlerische Entfaltung. El Greco, Diego Velázquez, Francisco de Zurbarán und Bartolomé Esteban Murillo wurden zu Spaniens Image-Malern.

Mit der Ausstellung "Spaniens goldene Zeit" gelingt eine ausgesprochen facettenreiche Präsentation von rund 100 Gemälden und Skulpturen aus international renommierten Museen - darunter bislang kaum bekannte Künstler -, darüber hinaus eine äußerst kritische Hinterfragung der Darstellungen im Rahmen des gesellschaftlichen Kontexts.

Mit der historisch chronologisch angeordneten Schau taucht der Besucher in die katholisch geprägte Welt Spaniens ein. Eine wandfüllende Weltkarte und historische Übersicht vermitteln die geografische Größe und politische Macht des Königreichs Spanien im Dienst des Glaubens, als Vorwand für die Ausbeutung, kann man ergänzen.

Gigantische Werke

Noch sind Maler unter Philipp III. nur Handwerker. Sie müssen Umsatzsteuern zahlen, dürfen keine Ämter bei Hof übernehmen. Der König bevorzugt italienische und niederländische Hofmaler. Als Auftragsmaler für die Kirche können die spanischen Maler und Bildhauer nur überleben, indem sie die klerikal manipulierenden Botschaften als real darstellen. El Greco malt gigantische Werke in strahlenden Farben wie Mariens "Unbefleckte Empfängnis" von Engeln umreiht, aus der Froschperspektive manieristisch gesteckt von beeindruckender Bombastik. Ästhetisiert mit einem wunderbar muskulösen Körper, die Wunden kaum sichtbar, lächelnd, so hängt El Grecos Jesus am Kreuz.

Zeitgenosse Pacheco malt bereits kleine Händlerszenen mit typischen Stilllebenelementen und fordert die Anerkennung der Maler als Künstler. Sein Schüler Velázquez gelingt es dann, Hofmaler zu werden. Gefördert von Edelmann Guzman, den er entsprechend imposant malt, prägt Velázquez 40 Jahre durch seine Bilder das Image des Königs und des spanischen Hochadels. Auf die berühmten Bilder der königlichen Familie wird nur im Begleitfilm eingegangen, doch genügen die kleinen Porträts in der Ausstellung, um Velázquez' ironische Malweise der Seele zu erfassen. Natürlich liebenswürdig malt er ein "Porträt eines jungen Mädchens". Eitelkeit funkelt aus den Augen der "Dame".

Der große Ausstellungsraum eröffnet den Blick auf "Martyrien und Visionen", trotz der großen Willkür stets ästhetisiert. Die mordenden Frauen Judith und Jaete erscheinen wie Engel, wenn es gilt, den Feind zu töten.

Eine echte Entdeckung ist Zubaráns "Der Heilige Franziskus von Assisi nach der Vision von Papst Nikolaus V.". Ein Auge verschattet, das andere kristallklar nach oben blickend, wird hier Vision erlebbar, wirkt klassische Malerei surreal entfremdet. Mit das kleinste Bild der Ausstellung, ein Gemälde von Alonso Cano, erstaunt maltechnisch und inhaltlich: "Die Beschneidung Christi" grau in grau.

Großartig sind in den beiden Kabinetten die Holzskulpturen von Gregorio Fernández. So realistisch, wie er den toten Jesus mit den ausblutenden Wunden und letzten Tränen darstellt, berührt er zutiefst. Seine Figuren, vielfach reproduziert, wurden bei den großen Osterprozessionen durch die Städte getragen, ein Brauch, den Spanien immer noch pflegt.

Noch immer gegenwärtig

Fernández' Figuren vor einem Breitwandfilm inquisitional vermummter Statuenträgern im touristisch beleuchteten Stadtszenarium mit Trommelwirbeln und Trompetenfanfaren, das zeigt einmal mehr die Unterdrückungsmechanismen der Kirche. Claudio Coellos farbenfröhliches Gemälde mit einer lächelnden Kaiserin mit Schwert und Friedens-Palmwedel geleitet den Besucher dann aus der Welt des spanischen Hochbarocks in die Gegenwart.

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Zu sehen ist "Spaniens goldente Zeit" bis 26. März in der Münchner Hypo Kulturstiftung. Zur Ausstellung ist ein Katalog im Hirmer-Verlag erschienen.
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