Barocke Bühnentechnik in Bayreuth
Wettergetöse ohne Strom

Effektmaschinen sollen künftig Besuchern des Markgräflichen Opernhauses in Bayreuth zeigen, wie einst bei Opernaufführungen Regen, Donner und Wind simuliert wurden. Hier bedient Ingo Berens eine nach barockem Vorbild nachgebaute Regenmaschine. Bild: Armin Weigel/dpa
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Bayern
25.03.2018
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Es donnert und stürmt auf der Theaterbühne - jedoch ganz ohne Strom. Wie Wettergetöse bei einer Opernaufführung zur Barockzeit entstand, zeigt künftig eine Ausstellung in Bayreuth.

Bayreuth. Sturm, Donnergrollen und prasselnder Regen - auch in vorelektronischen Zeiten gab es Wettergeräusche auf Opernbühnen. Die kamen nur eben nicht aus dem Lautsprecher. Im Markgräflichen Opernhaus in Bayreuth können Besucher künftig hören, wie einst akustische Effekte erzeugt wurden. Der frisch sanierte Prachtbau bekommt seine barocke Bühnentechnik zurück - als originalgetreue Nachbauten. Nach der Wiedereröffnung Mitte April kommen sie bei einer Konzertreihe zum Einsatz. Anschließend sollen sie in einer Ausstellung zu erleben sein, wie Ingo Berens von der bayerischen Schlösserverwaltung sagte.

In der Werkstatt von Schloss Eremitage in Bayreuth haben die Schreiner gesägt, geschraubt und vor allem gelauscht, um Wind-, Regen- und Donnermaschinen zu fertigen. Das Regengeräusch entsteht durch Erbsen, die über Blechplatten in einen zwei Meter tiefen Holzschacht rieseln. Für Wind und Sturm sorgt ein Segeltuch, das über einen hohlen, sich drehenden Holzzylinder gespannt ist. Das Donnergrollen erzeugen Holzkugeln, die durch einen auf- und abwippenden Kasten aus Eichenholz poltern. Bauherrin Markgräfin Wilhelmine von Bayreuth (1709-1758) hatte das Opernhaus anlässlich der Hochzeit ihrer Tochter 1748 einweihen lassen. Die Lieblingsschwester Friedrichs des Großen war preußischen Prunk gewöhnt und brachte diesen in das ihrer Ansicht nach zu provinzielle Bayreuth. Bis heute ist das Opernhaus eines der größten und besterhaltenen seiner Art in Europa. "Von der Bühnenmaßen her steht es auf einer Stufe mit der Bühne von Schloss Versailles", sagt Klaus-Dieter Reus. Der Theaterexperte forscht seit 25 Jahren zur barocken Bühnentechnik und hat die Handwerker beraten.

Für die Schreiner, die in der Regel für Sitzbänke, Pflanzkübel und andere Gartenanlagen im Schloss Eremitage zuständig sind, sei das ein besonderes Projekt gewesen, sagte Berens. Im Grunde hätten sie ja keine Maschinen gebaut, sondern Instrumente. Deswegen sei es wichtig gewesen, den besten Klang zu erreichen. Das habe sich bei der Bespannung der Windmaschine, der Wahl der "Regentropfen" und der Holzkugeln für den Donner gezeigt. "Das war eine große Tüftelei." Das Markgräfliche Opernhaus gehört seit 2012 zum Unesco-Weltkulturerbe und ist für rund 30 Millionen Euro vom Freistaat saniert worden. Im benachbarten Redoutenhaus entsteht ein Opernhausmuseum, in dem dann auch die Bühnenmaschinerie präsentiert werden soll.
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