02.06.2017 - 20:00 Uhr
Deutschland & Welt

Bei Denkendorf ist viel Platz für Dinosaurier aus grauer Vorzeit Die Rückkehr der Giganten

Was haben Dinosaurier in Bayerns Mitte zu suchen? Gute Frage. Irgendwann in grauer Vorzeit stapften und flogen sie wohl auch durch unsere Gegend. So wie der legendäre Archaeopteryx im Altmühltal. Genau dort ist nun ein Freilandmuseum entstanden, dem weltweit ein Alleinstellungsmerkmal zukommt.

Da stapft er über die Felsbrocken: Ein Plateosaurus Engelhardti, den der Paläontologe als Langhals-Dinosaurier kennt. Bild: Dinosaurier-Freiluftmuseum
von Autor HOUProfil

Von Wolfgang Houschka

Das dolchartige Ding hat eine Oberfläche wie stabiles Leder. Es wird aus dem Tresor geholt, herumgereicht und bestaunt. Ein Relikt aus grauer Vorzeit. Millionen von Jahren alt. Keine Nachbildung und auch nicht aus dem Jurassic Park. Der Zahn eines Tyrannosaurus Rex. Innen hohl und damit der Hinweis darauf, dass dieser tonnenschwere Geselle mit Karies schrill brüllend durchs Gehölz stapfte.

Die Dinosaurier haben Einzug gehalten. An der Grenze zwischen Nieder- und Oberbayern. Genauer gesagt am Ortsrand von Denkendorf und damit im Altmühltal, wo mit Blick auf die Paläontologie schon so mancher spektakuläre Fund in den Steinbrüchen gemacht wurde. Zum Beispiel Urvogel Archaeopteryx, der einst von elementaren Naturgewalten erfasst und ins Nirwana der Zeit gespült wurde.

Das menschliche Gehirn ist nicht in der Lage, die sich vor Abermillionen von Jahren abspielende Geschichte einer faszinierenden Tierwelt konkret zu realisieren. Kolosse schwirrten und dröhnten durch die üppig wachsende Natur. Nichts störte ihre Kreise. Am allerwenigsten der Jäger. Denn den gab es noch nicht. Wenn Michael Völker davon erzählt, dann wird spürbar, wie sehr er sich dem Gang durch die weit zurückliegende Erdgeschichte verbunden fühlt.

Kein Disneyworld

Wer ist Völker? Er stammt aus Hannover, hat längere Zeit in Berlin gelebt und arbeitet nun als Geschäftsführer des im August letzten Jahres eröffneten Dinosaurier-Freiluftmuseums bei Denkendorf im Kreis Eichstätt. 11,5 Hektar groß und keineswegs eine Nachbildung der subtropischen Kulisse des Steven-Spielberg-Films. Auch keine Neuauflage von Disneyworld. Bei Völker bekommen die Dinos ein liebevoll mit Details angereichertes Denkmal gesetzt. In einer Form, die neben Erwachsenen auch Kinder verstehen. Die rücken an und haben viele Fragen. Zum Beispiel: "Was wog denn dieser T-Rex?" Und: "Haben die sich gegenseitig aufgefressen?"

Mann mit Ahnung

Einer, der das weiß, ist Paläontologe Dr. Frederik Spindler. Ihn hat sich Michael Völker als wissenschaftlichen Leiter geholt. Wenn Spindler seine Besucher über die eineinhalb Kilometer langen Wege durch den seit jeher feuchten Forst führt, wird deutlich: Der Mann hat Ahnung. Er kennt Lebensweisen, kann Abläufe der Urzeit-Wesen genau erklären und weiß auch, dass sie das Irdische nach überschaubaren Lebensphasen wieder segneten. Allein er ist eine Exkursion wert.

Plötzlich sind sie dann da. Der Mastodonsaurus, der Flugsaurier Pterodactylus oder der gigantische Tyrannosaurus Rex. 70 Kolosse in Lebensgröße, gegossen aus Kunstzharz. Furchterregend teilweise, liebenswert aber mitunter auch wie die mannsgroße Libelle und das Mammut. Man sieht, wie die Giganten verendeten und wird auch gewahr, welche Mühen es bis heute kostet, die Skelette zu bergen. Denn irgendwann vor 65 Millionen Jahren über Trias und Jura bis hin zur Kreidezeit war Schluss mit ihnen. Weshalb das so geschah, muss man Frederik Spindler oder die anderen fragen, die duch das Dino-Museum führen.

Michael Völker und seine Mitarbeiter haben ihr Werk mit einem Aufwand von sechs Millionen Euro zielstrebig zu einem ersten Abschluss gebracht. 70 000 Besucher bisher. Heuer wird mit 200 000 gerechnet. 365 Tage im Jahr geöffnet. Will heißen: Keine Pause. Die haben sich ja auch die Dinosaurier nicht gegönnt. Obwohl ihre Spuren im Schnee nur schwer vorstellbar sind. Apropos Pause: "Schliefen die im Stehen?" Paläontologe Spindler weiß es.

Busse fahren vor. Aus ihnen quellen Scharen von Schulkindern aus Neuses und Rothenburg ob der Tauber. Die Dinos, so zeigt sich, haben unterdessen breite Spuren bei solchen hinterlassen, die ihre Geschichte einmal näher kennenlernen wollen. Das wird demnächst noch in erweiterter Form möglich sein. Denn gleich neben dem Eingang entsteht eine neun Meter hohe Halle. Wenn das Gebäude errichtet ist, wird ein neues Kapitel im Museum aufgeschlagen. Denn dann kommen die Skelette echter Dinosaurier. Per Schiffsfracht in Holzkisten aus den Vereinigten Staaten und überlassen von einem Gönner als Dauerleihgabe. Knochen für Knochen Unikate. Unbezahlbar und in ihrer Gesamtheit weltweit nirgends so vorhanden.

Service

Ort: Dinosaurier Park Altmühltal, Dinopark 1, 85095 Denkendorf

Öffnungszeiten: 365 Tage im Jahr geöffnet, von 9 bis 18 Uhr.

Kontakt: 08466/9046813.

Anfahrt: Der Dinosaurier-Park ist nur knapp zwei Kilometer von der Autobahn A 9 entfernt. Es gibt ausreichend Parkmöglichkeiten für Pkw und Busse.

Information: Auf den 1,5 Kilometer langen Wegen durch ein Waldgelände gibt es 70 Exponate zu sehen. Für Kinder ist ein großer Spielplatz vorhanden. Hunde dürfen an der Leine mitgeführt werden. (hou)

Weitere Informationen: www.dinopark-bayern.de

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