17.06.2014 - 00:00 Uhr
Deutschland & Welt

Blech und Messing musikalisch vergoldet: Wiener Ensemble "Mnozil Brass" gibt Gastspiel auf der ... Mehr als nur den Marsch geblasen

von Autor LYProfil

"Oberfranken ist ein Land der Posaunenchöre." Zu dieser Schlussfolgerung kam jedenfalls Michael Lerchenberg, als sich in den nahezu ausverkauften Rängen fast die Hälfte der Zuschauer auf seine Frage meldete, wer denn ein Blechblasinstrument spiele.

Als "Urväter des subversiven und anarchischen Blasmusik" stellte der Luisenburg-Intendant das Ensemble Mnozil Brass am Sonntagabend vor. Noch bevor die sieben Musiker auch nur einen Ton aus den Instrumenten erklingen ließen, brandete ein stürmischer Applaus auf: Die Fans wussten einfach, auf was sie sich einließen, und dass sie etwas Grandioses erwartete.

Kein Respekt vor Noten

Mnozil Brass, das sind Thomas Gansch, Robert Rother und Roman Rindberger (Trompete), Leonhard Paul, Gerhard Füssl und Zoltan Kiss (Posaune) sowie Wilfried Brandstötter (Tuba). Die sieben Musiker spielten auf der Luisenburg also vor Fachpublikum, und das war von der ersten bis zur letzten Note - und die war noch dazu sehr hoch - begeistert.

Die Bezeichnung "Kultband", die mit den Österreichern gern in Verbindung gebracht wird, ist noch untertrieben - aber leider gibt es keine Steigerung dazu. Das Septett spielt, als hätte es im ganzen Leben noch nichts anders getan, die Musiker erzählen pantomimisch und musikalisch ganzen Geschichten - oder die olympischen Spiele. Die sieben haben keinen Respekt vor fast unspielbar aneinandergereihte Noten, sondern hauchen ihnen noch eine weitere Dimension ein.

Harte Strafen

Dabei sind sie untereinander knallhart: Wer etwa seine Flöte vergessen hat, muss in der Ecke, oder besser gesagt: auf dem Felsen stehen. Die Männer nehmen die ganze Felsenbühne mit ihren Aufgängen und natürlichen Gegebenheiten derart ein, dass man sie sich gar nicht mehr in einem "normalen" Konzertsaal vorstellen kann.

So, wie sie selbst auch aus allen Stilrichtungen wie Volksmusik, Klassik oder Jazz kommen, ist auch ihre Musik ein gelungenes Cross-over, angereichert mit Rock und Pop in allen Facetten. Wenn den Musikern die Aerophone nicht mehr ausreichen, dann nehmen sie die eben die Mundstücke als Finger-Zimbale oder als Percussioninstrument her - oder singen a cappella wie in "I can't give you anything but Love". Herausragend ist auch ihr kabarettistisches Talent: Unter den Klängen der unterschiedlichen Hymnen stellen sie Hürdenlauf, Boxen, rhythmische Gymnastik, Gewichtheben, Speerwerfen bis hin zum Synchronschwimmen dar, ohne einen Gag auszulassen - bis das Publikum sich vor Lachen biegt und vor Begeisterung grölt.

Jackson, Queen, Sinatra

Das Lied "Ich hatt' einen Kameraden" wird vom "Scheintoten" Leonhard Paul gespielt, selbst aufgebahrt auf den Schultern seiner Kollegen. Ein anderes Mal werden zwei Trompeten und zwei Posaunen von ihm simultan gespielt, während ihn die restlichen Musiker tragen und die Instrumente stützen. Dass bei der Ein-Mann-Show kein Ton daneben geht, versteht sich von allein.

Nach einer musikalischen und pantomimischen Interpretation von Michael Jacksons "Thriller" ist mit Sinatras "My Way" schon fast das pathetische Ende erreicht, das durch die "Bohemian Rhapsody" von Queen scheinbar mühelos zu einem furiosen Finale gesteigert wird - stehende Ovationen und Zugaben inbegriffen.

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Weitere Informationen im Internet:

http://www.mnozilbrass.at

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