04.09.2017 - 22:12 Uhr
Deutschland & Welt

Bronzezeit-Damen waren entscheidende Kulturträger Fortschritt dank Einwanderinnen

München. Vor rund 4000 Jahren waren Frauen in Deutschland extrem mobil und wanderten Hunderte Kilometer zu künftigen Ehemännern. Davon gehen Forscher mehrerer Institute aus. Über ihre Forschungsergebnisse schreiben sie in den "Proceedings" der US-nationalen Akademie der Wissenschaften (PNAS). Sie nahmen 84 Skelette aus dem bayerischen Lechtal unter die Lupe - beerdigt zwischen 2500 und 1700 vor Christus während des Übergangs von der Steinzeit zur Bronzezeit.

Skelett einer Bronzezeit-Frau im Augsburger Stadtteil Haunstetten. Bild: Stadtarchäologie Augsburg/dpa
von Agentur DPAProfil

"Nicht die Männer, sondern die Frauen hatten vermutlich eine wichtige, vielleicht entscheidende Rolle beim Austausch von Kenntnissen", sagt Projektleiter Philipp Stockhammer von der Ludwig-Maximilians-Universität München. Zwei Drittel der untersuchten Frauen kamen den Forschern zufolge in einem Alter von etwa 17 Jahren vermutlich aus der Gegend um Leipzig oder aus Böhmen auf Gehöfte ins Lechtal, um dort eine Familie zu gründen. "Alles deutet darauf hin, dass in der Bronzezeit Frauen extrem mobil waren. Wir haben keine vergleichbaren Belege bei Männern", sagte Stockhammer.

In der frühen Bronzezeit hatten die Bewohner der Gegend zwischen Elbe und Saale die Techniken zur Metallverarbeitung besonders weit entwickelt. "Die Frauen waren wandernde Wissens-Orte und haben wahrscheinlich dazu beigetragen, dass das Wissen weitergegeben wurde."

Rätsel gibt den Forschern auf, dass im Lechtal keine Nachkommen der zugewanderten Frauen gefunden wurden. Sie seien integriert gewesen. Unklar sei, wohin ihre Nachkommen gewandert sein könnten. "Es war vermutlich ein größeres System dahinter", sagt Stockhammer.

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