Das Ensemble des Theaters Hof bringt Erich Wolfgang Korngolds Oper "Die tote Stadt" in Bayreuth ...
Brügge sehen und sterben: Wahn in vier Wänden

Kultur BY
Bayern
18.04.2013
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. Ein düsteres Zimmer, in der Mitte ein alter Stuhl und das Bildnis einer schönen Frau, an der linken Wand ein überdimensionales Auge. In der Mitte steht Paul und schwelgt in wehmütiger Erinnerung an seine verstorbene Frau Marie.

Ja, die Kulisse für Erich Wolfgang Korngolds Oper "Die tote Stadt", die das Theater Hof am Sonntag in der Bayreuther Stadthalle auf die Bühne brachte, spiegelt in manchmal unheimlicher Weise den zerrissenen Seelenzustand des Protagonisten Paul (Daniel Kirch) wider. Seine Trauer scheint zu verschmelzen mit der einst blühenden Handelsstadt Brügge, die nun im Dornröschenschlaf liegt. "Brügge war seine Tote. Und die Tote war Brügge. Ein gleiches Schicksal vereinigte beide", so schrieb es Georges Rodenbach in seinem Roman "Das tote Brügge", der als eine der Grundlagen für die Oper diente.

Die tote Frau: überall

Im düsteren Zimmer schildert Haushälterin Brigitta (Stefanie Rhaue) Frank (Birger Radde), dem zu Besuch gekommenen Freund, Pauls Seelenzustand. In der Tänzerin Marietta (Jennifer Maines) schließlich meint Paul, seine tote Frau wiederzuerkennen. Er ist hin- und hergerissen zwischen der Begierde zu der Tänzerin und der Treue zu Marie.

Grenzen verschwimmen

Dann verschwimmen die Grenzen zwischen Realität und Scheinwelt immer mehr: Paul begegnet zunächst seiner Haushälterin als Nonne, sticht auf seinen vermeintlichen Nebenbuhler Frank mit einem Messer ein und verbringt mit Marietta eine gemeinsame Nacht. Doch Paul erdrosselt die Tänzerin mit einem Haarzopf seiner verstorbenen Frau. Alles nur ein Traum?

Es sind vor allem die eindrückliche Inszenierung und die Bühnenbilder, mit denen Jens Pesel und Siegfried E. Mayer jene zerrissene Stimmung schaffen, die nicht nur den Seelenzustand Pauls widerspiegelt, sondern auch die äußerst dichte Musik Korngolds. Die Hofer Symphoniker tragen das Ihrige dazu bei und musizieren ausdrucksstark und souverän, bestens geführt von Arn Goerke. Auch die Sänger überzeugen mit ihren wunderbaren Stimmen und einem enormen schauspielerischen Talent, wenngleich die Textverständlichkeit, vor allem bei Jennifer Maines, auf weiten Strecken zu wünschen übrig lässt.
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