Dokumentationszentrum zeigt bis 26. Juni Zeichnungen von Vittore Bocchetta über seine Zeit im ...
Kein Name, nur noch eine Nummer

Die Zeichnung "Grünwinkel" des ehemaligen KZ-Häftlings und italienischen Widerstandskämpfers Vittore Bocchetta is im Dokumentationszentrum Reichsparteitagsgelände in Nürnberg in einer Sonderausstellung zu sehen. Die Ausstellung entstand in Zusammenarbeit mit der KZ-Gedenkstätte Flossenbürg, wo Bocchetta einst gefangen war. Bild: dpa
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Bayern
27.01.2011
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Das Grauen seiner Gefangenschaft im KZ Flossenbürg und im Außenlager Hersbruck hat der ehemalige italienische Widerstandskämpfer mit Zeichnungen festgehalten. Eine Auswahl seiner Werke ist nun an historischer Stätte in Nürnberg zu sehen.

Der Mann hat keinen Namen mehr. Nur noch eine Nummer. Sein Gesicht ist eingefallen. Seine Augen aber sind weit aufgerissen, sie blicken fragend, irritiert, verständnislos. Vittore Bocchetta gehörte dem italienischen Widerstand im Faschismus an, 1944 kam er ins Konzentrationslager Flossenbürg in die Oberpfalz, dann ins Außenlager Hersbruck. 1945 gelang ihm die Flucht.

Unmenschliches Grauen

Jahrzehnte später zeichnete er Szenen aus dem KZ. Bocchetta hatte inzwischen Sprachwissenschaften in Chicago gelehrt, er hatte Skulpturen und Ölbilder geschaffen und es zu einem angesehenen Wissenschaftler und Künstler gebracht. Eine Auswahl seiner Werke ist etwa fünf Monate lang im Dokumentationszentrum am einstigen Reichsparteitagsgelände in Nürnberg zu sehen. Eröffnet wird die Sonderschau am 27. Januar, dem Holocaust-Gedenktag.
Flüchtig wirken die Zeichnungen. Bocchetta hat unkonventionell gearbeitet, mal mit dem Bleistift gezeichnet, mal mit dem Kugelschreiber. Und trotzdem haben die Zeichnungen das unmenschliche Grauen voller Intensität festgehalten. Häftlinge müssen bei der Hinrichtung von Mitgefangenen zuschauen. Gefangene, die neu ankommen, werden in den Duschen verprügelt. KZ-Insassen müssen die Latrinen leeren.

Würdigung eines Künstlers

Das künstlerische Wirken Bocchettas, der heute, inzwischen 92 Jahre alt, in Verona lebt, wollen die Ausstellungsmacher vom Doku-Zentrum, vom Neuen Museum Nürnberg und von der KZ-Gedenkstätte Flossenbürg in den Mittelpunkt rücken. "Es ist die Würdigung eines Künstlers", sagt Matthias Henkel, Chef der Museen der Stadt Nürnberg. "Wir wollen Bocchetta als Künstler zeigen - und nicht nur als ehemaligen KZ-Häftling", ergänzt Alexander Schmidt vom Doku-Zentrum.

Gerade wegen seiner künstlerischen und wissenschaftlichen Tätigkeit solle Bocchetta nicht nur als Zeitzeuge betrachtet werden, sondern als "besondere Figur", sagt Jörg Skribeleit, Leiter der Flossenbürger Gedenkstätte. Man dürfe Bocchettas Werk nicht eindimensional nur auf die Zeichnungen zur KZ-Zeit reduzieren, betont Schmidt. Deshalb sind auch Ölgemälde zu sehen, die auf den ersten Blick recht farbenfroh und freundlich wirken. Doch bei näherer Betrachtung stellt sich heraus: Die Menschen, die Bocchetta hier zeigt, haben meist keine Gesichter. Auch sie sind namenlose Gestalten.

Weitere Informationen im Internet:

http://www.museen.nuernberg.de/dokuzentrum
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