26.01.2018 - 20:00 Uhr
Deutschland & Welt

Ehrgeiziges Projekt: Die City Blues Connection Liza hat den Blues

Es gibt kaum eine Antwort im Interview mit Norbert Egger, bei der nicht das Wort "Blues" fällt. Denn der Blues, diese archaische Urgewalt der zeitgenössischen Musik, ist für den Mann vom Bodensee Maß aller akustischen Dinge.

von Autor MFGProfil

Mein Stiefvater war leidenschaftlicher Volksmusiker", erzählt der heute 62-Jährige, "und weil ich ihn mochte, spielte ich als kleiner Steppke Klarinette im Dorf-Orchester. Aber ab 10 habe ich mich verweigert. Und bin kurze Zeit später dem Blues mit Haut und Haar verfallen." Egger wandte sich der Gitarre zu - bevorzugt deren Slide-Version - und rief 1979 die City Blues Connection ins Leben. Die existiert bis heute. Auch wenn Egger, der mittlerweile eine erfolgreiche Firma ins Leben gerufen hat, die mit Musik gar nichts am Hut hat, die "Connection" nicht mehr mit hundertprozentigem Einsatz betreut, macht der aufmerksam-sympathische Mann keine Gefangenen beim Sound.

Gerade ist "Anna Liza" (Aaa Culture) erschienen, eingespielt mit stolzen 21 Musikern, darunter fünf Lead-Sängerinnen. "Wir haben in drei unterschiedlichen Studios aufgenommen", erzählt Egger mit Glanz in den Augen, "insgesamt haben wir weit mehr als 300 Arbeitsstunden aufgewendet. Die Platte ist vermutlich die teuerste Blues Rock-Produktion aller Zeiten. Doch das Ergebnis ist es wert!"

Wurzeln im Chicago-Blues

Tatsächlich ist "Anna Liza" das Werk eines Orchesters, dessen Wurzeln laut Egger "auf Chicago-Blues basiert. Doch da schimmern immer wieder Elemente von Funk, Soul und stellenweise gar Hard Rock durch", freut sich der leidenschaftliche Entertainer. "Entscheidend ist, dass wir mit unseren Liedern Geschichten erzählen. So war das ja stets beim Blues."

Enorm wichtig ist gleichfalls, "dass wir dem Problem vieler Blues-Songs entgegentreten", diese Musik sei von tiefer Traurigkeit geprägt. "Wir hingegen versuchen uns an so was wie ,fröhlichem Blues'. Wir toben uns emotional aus, wollen wild sein, speziell auf der Bühne. Selbst wenn ich privat gerne Anzug und Krawatte trage, bin ich tief im Herzen ein bunter Hund."

"Anna Liza" wurde als Titel gewählt, weil Norbert Egger eine Frau gleichen Namens an seiner Seite weiß. Der erste Song trägt den Titel "This Angel", er ist eine leidenschaftliche Hommage an die Gattin, "die ich beinahe immer nur mit "Engel" anspreche", gesteht Egger. "Dann lacht sie und meint: "Setz einfach ein "B" davor, das trifft mein Naturell besser." Tja, in solchen Momenten lache ich auch - und weiß, warum ich genau diese Frau so verehre und ihr meine neue Scheibe gewidmet habe."

Norbert Egger beharrt auf seinem Orchester als "Instrument", wenngleich so eine Institution in der heutigen Zeit völlig anachronistisch wirkt. Wie er sich eine solche kostspielige Einrichtung leisten kann? "Ich habe keine Ahnung", grinst der "Blues Brother" vom Bodensee, "denn mit dieser Entscheidung haben wir auch keine Chance, in kleineren oder gar kleinen Clubs zu spielen. Dort findet sich schlicht kein Platz für so viele Menschen auf der Bühne. Eigentlich können wir nur bei Festivals auftreten. Und das tun wir in erster Linie. Ein bisschen Größenwahn muss sein, wenn einem nicht langweilig werden soll. Die Vision meines ureigenen Sounds wird nur dann erfüllt, wenn alles mächtig daher kommt."

Immer wieder verändert

Die City Blues Connection hat sich im Laufe ihrer jahrzehntelangen Existenz immer wieder verändert, zwischen 1990 und 2015 entstand lediglich ein Album, es gab nur sporadische Live-Auftritte. "Bei uns hat sich stets was getan", erklärt Egger. "Letztlich war es immer ich - und bin es bis heute -, der den Kreativ-Hühnerhaufen mit regelmäßig wechselnden Mitgliedern zusammen hält. Aber ich stehe zu diesem Projekt! Vor allem deshalb, weil es ungemein lebendig ist. Textlich gibt es romantische, gelegentlich politische Texte. Aktuell würde ich gerne ausschließlich über Politik schreiben. Weil das Weltgeschehen so verworren ist." Es ist nicht leicht, ein Orchester dauerhaft zu betreiben, das aus unterschiedlichsten Charakteren und Individuen besteht, atmet Norbert Egger hörbar durch beim Gespräch. "Es gibt immer wieder zwischenmenschliche Probleme bei so vielen Leuten, die an einer gemeinsamen Vision arbeiten, ganz klar", gesteht der stattliche Mann. "Wenn irgendwelches Gerangel ansteht, muss ich meine Autorität spielen lassen, wenn ich die Sache nicht verlieren möchte. Eigentlich habe ich dazu wenig Lust. Aber ich glaube an die "Connection". Deshalb muss ich, nicht allzu oft, schon mal laut werden."

Was sich am Ende auszahlt - für die Mitstreiter wie für Egger wie fürs Publikum. Denn, so der Charismatiker: "Mit rund zwei Dutzend Musikern kann man vor allem auf der Bühne so richtig die Sau raus lassen. Ein Show dauert bei uns im Normalfall drei Stunden, die Choreographie spielt eine entscheidende Rolle - und der Verlust von Schweiß, ob auf oder vor der Bühne. In der Regel bin ich nach jedem Auftritt mindestens ein Kilo leichter."

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Weitere Informationen:

www.cityblues.eu/de/Bild: City Blues Connection

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