Erzählkunst-Festival in Nürnberg
Treffen der Wortzauberer

Kultur BY
Bayern
04.01.2017
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Nürnberg. "Erzählkunst ist etwas anderes als das Erzählen, das wir ohnehin alle können", erklärt Festival-Organisator Michl Zirk. Nicht die Story von der Kollegin interessiert den Vorsitzenden des Verbands der Erzählerinnen und Erzähler und das Publikum, sondern traditionelle Geschichten und Märchen oder experimentelles Erzählen. Das bringen vom 5. bis 8. Januar in Nürnberg zum achten Mal Erzähler beim Festival "ZauberWort" auf die Bühne.

"Die viel beschworene Zeit, in der die Alten erzählen und die Jungen hören, gibt es nicht mehr", sagt Zirk. Vermutlich auch deshalb hören alljährlich beim Erzähler-Meeting rund 2 000 Zuhörer die Geschichten aus aller Herren Länder. Beim bevorstehenden Festival werden es Märchen und Sagen aus der Türkei, aus Gambia, aus Norwegen oder Nomadenmärchen aus Algerien sein. Ganz klassisch mit den Anfangsworten "Es war einmal..." erzählt diese Nomadenüberlieferungen, Rätsel und Weisheiten Charles Aceval, geboren in Algerien und seit langem in der deutschen Sprache zu Hause. Selma Scheele aus Köln hat kurdische, persische und türkische Geschichten in ihren beiden Muttersprachen Deutsch und Türkisch im Repertoire.

Licht und Pantomime

Gabi Altenbach und Ines Honsel (München) berichten von den Abenteuern der Argonauten. Ragnhild A. Mörch, Leiterin der Erzählerausbildung an der Universität der Künste (UbK) in Berlin, setzt pantomimische Techniken ein, Norbert Götz (Bamberg), Gründer des "Theater ohne Schatten" arbeitet mit Licht. Der Darmstädter Richard Martin erzählt in englischer Sprache, was aber für keinen Zuhörer eine Hürde darstellt.

"Das freie mündliche Erzählen ist eine der ältesten Kulturtechniken der Menschen überhaupt", erklärt Zirk, der auch Präsident des Verbands deutscher Erzähler ist. Dennoch tue sich das seit 2001 alle zwei Jahre stattfindende Festival schwer, Sponsoren zu finden. Die Konkurrenz anderer Kultur-Veranstalter, die um Gelder bitten, sei groß.

Poetryslam-Abend

Währenddessen reiten die Poetryslammer, laut Zirk "die kleinen Brüder der Erzähler", seit Jahren auf einer Erfolgswelle. Die Poetryslammer könnten in geschliffenen Redewendungen eine Performance von sieben Minuten abliefern, erklärt Zirk den Unterschied zu seiner Zunft.

Die Geschichtenerzähler dagegen erzählten frei, nur mit einer Grundstruktur der Geschichten im Kopf. Die beiden Genres könnten sich aber gegenseitig befruchten, räumt er ein. Daher haben die Poetryslammer alljährlich an einem Abend beim "ZauberWort"-Festival die Bühne: Die "Three Kings and one Queen of Poetry Slam"-Gala wird am 6. Januar um 20 Uhr im Festsaal des Künstlerhauses stattfinden.

Das FestivalDas "ZauberWort"-Festival findet vom 5. bis 8. Januar in der Tafelhalle (Äußere Sulzbacher Straße 62), im Künstlerhaus im KunstKulturQuartier (Königstraße 93), im Krakauer Haus (Hintere Insel Schütt 34) und in der Kulturwerkstatt Auf AEG (Fürther Straße 244d) statt.

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Weitere Informationen:

www.zauberwort.info
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