30.04.2016 - 02:00 Uhr
Deutschland & Welt

Große Landesausstellung Bayern, Bier und das Reinheitsgebot

Bier ist in Bayern das fünfte Element. In diesem Jahr hat sich der Erlass des Reinheitsgebots zum 500. Mal gejährt. Der Freistaat feiert das Jubiläum mit einer Landesausstellung.

von Agentur DPAProfil

Es war eine geniale Marketingstrategie der Münchner Großbrauer, die das Bier aus Bayern weltbekannt machte. Sie besuchten im 19. Jahrhundert Weltausstellungen und schafften ein bis heute im Ausland weit verbreitetes Bayernbild. "Es gab Bauerntheater, Schuhplattler und Sänger, die zwar aus Tirol kamen, aber wen interessierte das schon", erläutert der Direktor des Hauses der Bayerischen Geschichte, Richard Loibl. Das Bayernbild wurde entworfen und machte eine Siegeszug um die Welt. Am Donnerstag öffnete die Landesausstellung "Bier in Bayern" in Aldersbach (Landkreis Passau). Diese zeigt bis zum 30. Oktober die Entwicklung Bayerns zum Bierland.

Nach etwas mehr als Stunde hat der Besucher der Ausstellung auf etwa 1500 Quadratmetern fast alles über den Triumphzug des bayerischen Bieres erfahren. Dabei war es der Brauern zu verdanken, dass der Gerstensaft aus dem Freistaat weltweit bekannt wurde. "Sie haben sich Ende des 19. Jahrhunderts auf der Weltausstellung präsentiert. Sie zeigten die Kombination aus Gemütlichkeit der Gaststuben und dem Klischee der heilen Welt vor dem Alpenpanorama auf", erläuterte Loibl. Plötzlich seien bayerisches Bier und die gemütlichen Gaststuben in ganz Deutschland, in Europa und in den USA kopiert worden. "Bayern, Bier und das Reinheitsgebot - ein fast heiliger Dreiklang", nennt es der Direktor des Hauses der Bayerischen Geschichte.

Aldersbach im Landkreis Passau hatte sich gegen zwölf Bewerber aus dem Freistaat durchgesetzt. Darunter waren Ingolstadt, Weihenstephan mit der nach eigenen Angaben ältesten Brauerei der Welt, Ettal mit der dortigen Klosterbrauerei, die oberfränkische Bierstadt Kulmbach sowie Amberg in der Oberpfalz. "Die Vergabe galt als umstritten, aber Aldersbach wurde einstimmig gewählt und ist die perfekte Wahl, weil hier die Bierherstellung im authentischen Rahmen gezeigt werden kann", betonte Loibl. Nur hier gebe es eine historische und eine moderne Brauerei im Original. Hinzu kommt das Klosterambiente mit einer der schönsten Barockkirchen Bayerns.

___ Wasser, Gerste, Hopfen
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Die historische Brauerei wurde renoviert, das originale Sudhaus aus der Zeit um 1900 sowie eine Malzmühle hergerichtet und alte Geräte wie der Rechenwender zeigen die Industrialisierung in der Braukunst. Zudem werden neben den Hauptzutaten des Bieres (Wasser, Gerste und Hopfen) noch früher zugefügte Kräuter gezeigt. "Diese Beigaben haben zu einem noch höheren Rausch und zahlreichen Todesfällen geführt. Auch dies war ein Grund für das Reinheitsgebot", bekräftigte Loibl.

Aber auch die vielen Urkunden und Erlasse zur Herstellung des Bieres sind ausgestellt. So auch jene des Bamberger Fürstbischof Heinrich III. vom 12. Oktober 1489, der für Bamberg und das Umland ein Bier-Reinheitsgebot bestimmte oder aus Nürnberg aus dem Jahr 1305. Noch heute schäumen die Franken, dass die eigentliche Wiege des Bier-Reinheitsgebots bei ihnen liegt. Der Widerstand hat aber nichts gebracht: Durchgesetzt hat sich das Datum 23. April 1516, als Bayerns Herzog Wilhelm IV. und sein Bruder Herzog Ludwig X. auf dem Landständetag in Landshut bestimmten, "dass forthin allenthalben in unseren Städten und Märkten und auf dem Lande zu keinem Bier mehr Stücke als allein Gersten, Hopfen und Wasser verwendet und gebraucht werden sollen."

___ Pforten- und Konventbier
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Einer der Höhepunkte der Ausstellung ist sicherlich der Auftritt der als Mama Bavaria vom Nockherberg bekannten Kabarettistin Luise Kinseher. Sie schlüpfte in die Rolle einer Kellnerin aus dem Jahr 1900 und erzählt in vier filmischen Episoden vom 16-Stunden-Arbeitstag, der geringen Bezahlung und der sexuellen Belästigung in dem von Männern dominierten Wirtshaus.

Zudem erwartet die Besucher zwei extra zur Landesaustellung auf Grundlage historisch glaubhafter Rezepturen gebraute Biere. Neben dem Pfortenbier, das früher von Bediensteten und Besuchern an der Pforte getrunken wurde, auch ein Konventbier, das einst Mönchen und wichtigen Gästen vorbehalten war.

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