28.04.2016 - 02:00 Uhr
Deutschland & Welt

Hans Zimmer in München Der König der Olympiahalle

Keine Worte. Große Töne. Hans Zimmer kommt auf die Bühne, setzt sich ans Klavier und spielt. Großartig. Der Mann lebt Musik. Bei seinem Auftritt in München füllt er locker die Olympiahalle mit 11 000 Zuhörern.

Hans Zimmer gestaltet mit seinen großen Kinomelodien ein bombastisches Klangspektakel in einer außergewöhnlichen visuellen Inszenierung live auf der Bühne. Der Meister selbst präsentiert diese Werkschau (wie hier am 7. April in London), in welcher er verschiedene Instrumente wie die Gitarre, das Banjo oder das Keyboard spielt und seine Zuhörer auch selbst durch den Abend führt. Bild: dpa
von Christopher Dotzler Kontakt Profil

München. Zimmer lässt meist die Musik für sich sprechen. Ab und an streut er Anekdoten aus seiner Zusammenarbeit mit so großartigen Regisseuren wie Christopher Nolan und Ridley Scott ein. Und er lässt es sich nach den ersten Stücken nicht nehmen, ein herzliches Servus zu sagen: "Jetzt bin ich zu Hause. Ich habe euch vermisst." Das klingt beim 58-Jährigen etwas seltsam. Weil er seit Jahrzehnten in den USA lebt, hat er einen stark amerikanischen Akzent und muss manchmal kämpfen, das richtige deutsche Wort zu finden.

Wucht der Werke

Aber das ist völlig nebensächlich. Denn die Sprache, die Zimmer und seine 70 Musiker - Studio-Band, Orchester und Chor - sprechen, ist international. Sie intonieren die Filmmusiken "Sherlock Holmes", "Gladiator", "The Dark Knight" oder "Inception" und die Zuhörer verstehen die Wucht der Werke. Zimmer immer mittendrinn. Er spielt Gitarre, Klavier oder dirigiert - ein Multitalent.

Am markantesten ist aber Schlagzeuger Satnam Ramgotra. Nicht wegen seinem Spiel, das unbestritten gut ist. Vielmehr erinnert der lange Bart und das weiße Gewand stark an Gandalf, der bei einigen Liedern exzessiv auf sein Schlagzeug eindrischt. Die mehr als ein Dutzend Stücke kommen bei den Zuschauern an. Das zeigen sie, in dem sie kollektiv und unmittelbar nach dem letzten Ton aufstehen und minutenlang applaudieren. Das zeigt aber auch der Typ in der neunten Reihe, der so heftig zu "Crimson Tide" wippt, dass die Sitznachbarn befürchten, dass er sich gleich die Stirn blutig schlägt.

Umwerfende Musiken

Das Gesamtkonzept des Konzerts passt einfach. Ob es nun Kleinigkeiten sind wie das Piratenfähnchen, das am Instrument schwenkt, während die Musiker "Fluch der Karibik" spielen. Oder ob es der stimmgewaltige Lebo M ist, der Lieder aus "König der Löwen" singt. Hans Zimmer ist aber derjenige, der all diese umwerfenden Filmmusiken komponiert und solch ein Konzert erst ermöglicht hat. Er ist zweieinhalb Stunden der König der Olympiahalle.

Information

Die Filmmusiken, die der Deutsche Hans Zimmer komponiert hat, lesen sich wie eine einzige Erfolgsgeschichte: "Fluch der Karibik", "The Dark Knight", "König der Löwen", "Sherlock Holmes", "12 Years a Slave" und noch viele mehr. Zimmer hat einen Oscar und vier Grammys im Regal stehen.

Eine Tournee ist für den 58-Jährigen aber Neuland. Ein Festivalauftritt und zwei Konzerte hat er in seiner Vita stehen. Am 6. April hat er seine Europatournee in London (Wembley-Arena) gestartet. Sie endet am 5. Juni in Orange (Frankreich)

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Weitere Informationen:

www.hans-zimmer.com/

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