Heiner Geißler in Marktredwitz
Zwischen Klartext und Pointen

Heiner Geißler zog die Zuhörer in Marktredwitz in seinen Bann: Charmant, pointiert und immer mit einer klaren Meinung. Bild: Stiegler
Kultur BY
Bayern
05.12.2016
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Marktredwitz. Priester und Missionar wollte er werden, der Jesuitenschüler Heiner Geißler. Dass er nicht bei den Jesuiten blieb, hätte ein Stück weit mit den drei Ordensgelübden Armut, Enthaltsamkeit und Gehorsam zu tun gehabt, erzählt Geißler am Freitagabend in der Buchhandlung Rupprecht in Marktredwitz. Zwei dieser Gelübde habe er nämlich nicht einhalten können. "Und die Armut war nicht dabei", stellt der ehemalige CDU-Generalsekretär pointiert und charmant fest.

Die Zuschauer bekommen viele Bonmots, viele Pointen, aber auch viel Klartext serviert. "Was müsste Luther heute sagen?", heißt das aktuelle Buch des 86-Jährigen. Es liegt pro forma vor ihm, benötigen wird er es in den folgenden zwei Stunden nicht. Geißler ist ein Erzähler, der Anekdoten aus der eigenen persönlichen und politischen Biografie mit einer Beschreibung der Gesellschaft und der Kirchen verbindet.

Die Zuhörer erfahren viel über die Konfessionen und deren Bedeutung innerhalb der CDU, aber auch über die Unterschiede innerhalb der Evangelischen Kirche. Durchaus sportlich - der passionierte Bergsteiger und Gleitschirmflieger lässt grüßen - ist Geißlers Ansatz, die Geschichte Luthers und der Reformation in seinem Vortrag kurz und kompakt darzustellen. Das ist an manchen Stellen vielleicht etwas unscharf, aber unterhaltsam.

Seelenheil durch Gnade

Die Zuhörer erfahren, dass Luther schon immer gegen den Ablass angeschrieben habe ("Von dieser Versicherung gegen die Hölle hielt er nichts!"), dass er erkannt habe, dass das Seelenheil nur durch die Gnade Gottes erreicht werden könne und, dass Glaube nicht davon abhängig gemacht werden dürfe, was man verdiene. "Luther machte eine Tempelreinigung", stellt Geißler fest.

Mit der Vorstellung, dass Frauen Aufgaben in der Kirche übernehmen sollen, habe Luther eine "Bresche geschlagen in die kirchliche Macho-Gesellschaft". Jesus sei kein "Frauenfeind" gewesen. Kritik äußert Geißler an den Frauenbildern von Augustinus und Thomas von Aquin ("Hier müsste man ihnen den Titel des Kirchenlehrers entziehen"), aber auch von Paulus. Die Männer seien die ersten gewesen, die Jesus im Stich gelassen hatten. "Die Frauen aus Galiläa sind geblieben", betont Geißler. Dass Frauen heute in der katholischen Kirche von Weiheämtern ausgeschlossen seien, stehe im Widerspruch zur barmherzigen Lehre Jesu.

Spaltung überwinden

Die Nächstenliebe steht bei Geißler an erster Stelle: "Jesus hat klar gesagt: Wir sind die Nächsten für jene, die in Not sind." Das müsste und würde auch Martin Luther heute deutlich sagen in einer Welt, die eben nicht von christlichen Werten beherrscht wird, sondern von Geiz, Gier und Geld. Es sei deswegen endlich an der Zeit, die Kirchenspaltung zu überwinden und zu einer Einheit zu kommen. Gemeinsam müsse man sich eingestehen, dass bei bestimmten Fragen auch die Kirchen keine Antwort haben, sagt Geißler mit Blick auf das Elend in der Welt, den Terror und die Katastrophen. "Aber das müssen sie den Menschen auch sagen", fordert er
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