Johnny Winter beim 22. Rother Bluesfestival - Fans feiern den Altmeister aus Texas
Blues-Geschichte hinterm Klangvorhang

Kultur BY
Bayern
16.04.2013
0
0
Die Legende lebt. Pünktlich um 20 Uhr schlurft der 69-jährige Texaner herein, beschirmt vom unvermeidlichen Cowboyhut, klapperdürr wie eh und je, mit immer noch schulterlangen, schneeweißen Haaren: Johnny Winter ist zurück, die Rock- und Blueslegende der 70er und 80er Jahre, lange Zeit verschollen im Drogensumpf, oft auferstanden, immer geliebt von den Fans, seit einigen Jahren weg vom Stoff und wieder auf dem aufsteigenden Ast.

In Grund und Boden

Jetzt steht er in Roth auf der Bühne, das legendäre Bluesfestival konnte ihn tatsächlich verpflichten. Zunächst allerdings hat die Begleitband mit Bassist Scott Spray und Drummer Tommy Curiale sowie Winters Produzent, Manager und Begleitgitarrist Paul Nelson das Sagen.

Nelson macht gleich klar, wo der Hammer hängt: Mit seinen beiden voll aufgedrehten Marshal-Amps spielt er alles in Grund und Boden - auch seinen Boss. Der nimmt derweilen Platz auf seinem Hocker, nippt am Mineralwasser und steigt dann mit ein. Dank der Mischtechnik ist Altmeister Johnny Winter aber leider kaum zu hören. Weder Gesang noch Gitarre dringen konstant durch den Lärmbrei, nur manchmal schafft es ein raues "Yeahhhhh" oder ein Lick aus der minimalistischen Erlwine-Lazer-Gitarre in den Saal. Der Sound ist hinten im Saal und oben auf der "Empore" leider auch nicht besser. Ist das vielleicht gewollt? Wird hier bewusst Klangkosmetik betrieben? Wir wissen es nicht. Wir hören nur Paul Nelson, der mit Hochgeschwindigkeit die ganze Palette an Blues-Riffs aus seiner Stratocaster jagt. Sogar die Rhythmus-Akkorde dominieren den ganzen Sound. Der Stimmung im proppenvollen Saal der Kulturfabrik tut das keinen Abbruch. Gestandenes bis spätes Mittelalter herrscht bei den Fans vor. Sie sind glücklich, Johnny Winter einmal live zu erleben, den Mann, der von Woodstock bis Muddy Waters den Blues geprägt hat wie kein anderer. Schade, dass er akustisch fast untergeht, dass seine Soli kaum zu beurteilen sind. "Got my Mojo workin'", "Bonie Moronie", "Jumpin' Jack Flash", all die alten Perlen versacken so in Routine.

Alte Klasse

Das ändert sich erst gegen Ende des gut einstündigen Auftritts: Bei der Zugabe hängt er sich die alte Gibson Firebird um, klassisch-jaulende Slide-Fahrten lassen kurzzeitig die alte Klasse des Bluesers erahnen. Dann verlässt die Legende die Bühne, gestützt vom Manager, zurück in den Mahlstrom seiner Welttournee.

Drei Konzerte pro Woche spielt er noch. Hoffentlich erholt er sich weiter, damit wir ihn so erleben können, wie wir ihn aus unserer Jugend kennen: Raue Stimme, dominierende Gitarre, yeaaahhhhh! Und hoffentlich lässt man ihn uns dann auch hören.
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.