11.10.2017 - 19:08 Uhr
Deutschland & Welt

Kinostart von "Schumanns Bargespräche" Mit Charles hinter den Tresen der Welt

Das Dead Rabbit in New York, die Hemingway Bar in Paris oder die Tender Bar in Tokio - Charles Schumann hat sie alle besucht. Im Kinofilm "Schumanns Bargespräche" gibt er Einblicke in die Welt zwischen Gimlet und Daiquiri.

Am Donnerstag startet eine Dokumentation über den Münchener Gastronom Charles Schumann in den Kinos. Bild: Felix Hörhager/dpa
von Agentur DPAProfil

München. "It's bartime, it's my time" - wenn Charles Schumann das sagt, klingt das einleuchtend. Denn der 75-Jährige ist für viele der Inbegriff eines Barkeepers. 1982 hatte er in München sein erstes Lokal eröffnet. Bald wurde die "Schumann's American Bar" zum Stammlokal für Prominente, Künstler, Filmschaffende und der Mann hinterm Tresen zur Berühmtheit. Im Kinofilm "Schumanns Bargespräche" gibt er Einblicke in die schummrige Welt zwischen Shaker, Eis und Cocktailglas - und wird selbst gefeiert. In aller Welt hat Schumann mit Regisseurin Marieke Schröder Kollegen hinterm Tresen besucht: In der Hemingway Bar in Paris, im Würgeengel in Berlin, auf Kuba oder in Tokio. Auch in der New Yorker Szene war der Münchener unterwegs, etwa im Employees Only oder im Dead Rabbit, 2016 zur weltbesten Bar gekürt. Sie empfangen ihn interessiert und ehrfürchtig - Schumann hat sich über München hinaus einen Namen gemacht.

Untermalt von Jazzmusik ist die Kamera dabei, wenn Barkeeper ihre Lieblingscocktails mixen, Berufsgeheimnisse verraten oder fachsimpeln: über das richtige Mischungsverhältnis, das Ambiente, die angenehmsten Gäste. Auch die Angestellten seiner Münchener Bars loben ihn in höchsten Tönen, was angesichts der sonst angenehm zurückhaltenden Stimmung des Films ein wenig dick aufgetragen wirkt. Eigentlich steht Schumann in dem Film nicht im Mittelpunkt. Von ihm selbst erfährt man kaum etwas.

Wenn er sich mit seinen Gesprächspartnern trifft, hält er sich zurück und lässt sich nicht aus der Reserve locken. Einer, der lieber zuhört, als redet. Der bei aller Freundlichkeit Distanz wahrt und die Menschen zum Sprechen bringt. "Der Barmann ist mehr als ein exzellenter Mixer", heißt es im Film. "Er muss für die angenehmen Gäste ein Gastgeber sein, für die schwierigen ein Dompteur und für die traurigen ein Therapeut. Es klingt simpel, ist aber am schwersten zu erlernen, das Gespür, welcher Drink wann, für wen und zu welchem Anlass passt."

___

Der Film "Schumanns Bargespräche" läuft in den Kinos der Region nicht. Weder das Cineplanet Tirschenreuth, noch das Schwandorfer Union-Kino, das Neue-Welt-Kino in Weiden, das Cineplex Amberg und das Ostentor-Kino in Regensburg zeigen den Streifen. In München flimmert die Doku im Gloria-Palast über die Leinwand.

Zur Person

Für den BR-Dokumentarfilm "Charles Schumann - Von Kirchenthumbach in die Welt" sollte Schumann - geboren in Kirchenthumbach (Kreis Neustadt/WN) - 2016 in seinen Heimatort zurückkehren. Doch er wollte nicht - tat es dann aber trotzdem. Im Interview mit dem "Neuen Tag" vom September 2016 sagt er auf die Frage nach seinen Wurzeln, dass ihm die "überhaupt nicht" wichtig seien. Es habe es für ihn schwer gemacht, in den Heimatort zu fahren, weil er so lange weg sei. "Ich fand es blöd, mit einem Filmteam aufzutauchen. Das wirkt so, als käme der berühmte Sohn, nur um zu filmen." (tsa)

Klicken Sie hier für mehr Artikel zum Thema:

Kommentare

Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich anmelden.

Bitte beachten Sie unsere Nutzungsregeln.

Nachrichten per WhatsApp