König-Ludwig-Brücke in Kempten wird saniert
Brücke mal kurz abgebaut

Vor dem Abbruch: Ein Baugerät auf der König-Ludwig-Brücke über der Iller in Kempten. Bild: Hildenbrand/dpa
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Bayern
04.09.2017
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Die König-Ludwig-Brücke in Kempten gilt als einzigartiges Ingenieur-Denkmal. Bald wird sie verschwunden sein - vorübergehend. Für Sanierungsarbeiten wird das tonnenschwere Bauwerk hoch über der Iller mit einem spektakulären Verfahren abgebaut.

Kempten. Seit mehr als 160 Jahren fließt die Iller in Kempten unter der König-Ludwig-Brücke hindurch. Vor vier Jahren wurde das historisch bedeutende Holzbauwerk gesperrt. "Die Standsicherheit war für die öffentliche Nutzung nicht mehr ausreichend", sagt Kemptens Tiefbauamtsleiter Markus Wiedemann. Am Dienstag und Mittwoch soll sie abgebaut werden, um sie anschließend zu sanieren. "Das wird ein Riesenspektakel", sagt Wiedemann.

Weltweit einzigartig

Die gut 120 Meter lange Brücke mit Holzgitterträgern wurde von 1847 bis 1851 errichtet. Sie gilt als einzigartiges Denkmal des frühen Eisenbahnzeitalters und als Zeugnis der Eisenbahnerschließung Bayerns. Die Fachwerk-Bauweise wurde von dem amerikanischen Ingenieur William Howe entwickelt - das einzig verbliebene Beispiel der Howe-Träger-Brücken in Deutschland. Wiedemann geht noch weiter: "In dieser Größe ist die König-Ludwig-Brücke die weltweit einzige erhaltene Holz-Fachwerk-Brücke."

Auch Stefan Winter von der TU München spricht von einem "großartigen Ingenieur-Denkmal". Winter ist Professor am Lehrstuhl für Holzbau und Baukonstruktion und als Prüfingenieur an der Sanierung beteiligt: "Sie steht relativ exponiert und bekommt viel Schlagregen ab. Dadurch verrotten die Anschlüsse."

Zunächst hatte das Amt für Denkmalpflege darauf bestanden, dass die historisch wertvolle Brücke an Ort und Stelle saniert wird. Dies erwies sich jedoch als zu riskant und teuer. "Wir hätten ein riesiges Traggerüst in der Iller aufbauen müssen", sagt Wiedemann. Dadurch wären Kosten von sechs bis acht Millionen Euro entstanden. "Also kam Plan B ins Spiel."

Die Brücke wird nun in drei Felder geschnitten, die von der parallel verlaufenden Autobrücke aus von zwei Schwerlastkränen ausgehoben werden. Tieflader bringen die bis zu 100 Tonnen schweren und 57 Meter langen Brückenteile auf eine Feld-Werkstatt - den Parkplatz der Berufsschule. Dort wird die Brücke saniert.

Spektakuläre Aktion

"Das Ganze wird sehr spektakulär. Die beiden Kräne sind so groß, dass sie alle vier Fahrspuren der Straße ausfüllen", sagt Wiedemann. Ab Dienstagmorgen soll der Aushub erfolgen. Der Einbau der Brücke ist für Ostern 2018 geplant, die Fertigstellung für Ende 2018. Die Kosten für das Großprojekt belaufen sich laut Tiefbauamt auf 5,2 Millionen Euro.

Nach der Instandsetzung soll die Brücke für Fußgänger und Radfahrer freigegeben und "erlebbar" gemacht werden, wie Wiedemann sagt. Dazu sei eine Neugestaltung des Umfeldes mit barrierefreiem Zugang, Aussichtsplattformen und Informationstafeln geplant. Bei Stadtführungen soll Besuchern künftig ermöglicht werden, einen Blick in das begehbare Brückeninnere zu werfen.
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