10.07.2017 - 20:00 Uhr
Deutschland & Welt

Lieder auf Banz geben sich politisch und poetisch Immer noch die "Zeit der Deppen"

Bad Staffelstein. Manche Dingen ändern sich nie - für die einen gilt "Gott sei Dank", für die anderen "leider". Das große Liedermacher-Festival auf der Wiese von Kloster Banz gibt es auch in diesem Jahr, zwar unter neuem Namen und neuer Organisation, aber trotzdem bewährt. Und es gibt Lieder und Texte, die sind auch nach bis zu 20 Jahren noch aktuell und leider nicht von der Realität überholt worden. An zwei Abenden mit demselben Programm begeistern am vergangenen Wochenende 13 Künstler und Gruppen der Kategorie Liedermacher jeweils sechs Stunden lang die gut 8000 Zuhörer.

von Holger Stiegler (STG)Profil

Wer mit offenen Augen durch die Welt geht - oder am Wochenende nur nach Hamburg schaut - erkennt schnell: Es ist die Zeit der Liedermacher. Jener Sänger, die eine Botschaft politischer und gesellschaftlicher Art im Gepäck haben. Die sich aktiv einmischen oder allein nur mit ihren Texten und Liedern wirken.

Mit klarer Kante

"Banz"-Urgestein Konstantin Wecker ist natürlich so einer, auch wenn er erst gegen 0.30 Uhr die Bühne betritt. Frisch, dynamisch und immer noch ein "Revoluzzer" zeigt er klare Kante gegen Rassismus und für Gerechtigkeit. Der Poet, Wutbürger und Idealist ist auch im 71. Lebensjahr nicht ruhiger geworden, er bleibt der Mann der großen Gesten und scharf formulierten Worte.

Ein ganz anderer Typ ist der Österreicher Gert Steinbäcker, "das erste S von STS". Mit neuer Band liefert er einen kraftvollen Auftritt auf, lässt mit großen Hits in Erinnerungen schwelgen und transportiert dabei klare Botschaften. "Zum Zuhör'n und Versteh'n is ma net mehr sehr bereit, die Leut' hab'n Angst vorm Fremden und a voreinand, heißt es im Titellied "Ja eh" des neuen Albums. Und er holt den "Großvater" zurück auf die Bühne und mit ihm die Zeit, in der es noch eine klare Reihenfolge gibt: "Z'erst überleg'n, a Meinung hab'n, dahinterstehn, niemals Gewalt, alles bereden, aber auch ka Angst vor irgendwem". Viel Applaus gibt es auch für den nicht weniger politischen STS-Klassiker "Kalt und kälter".

Von seiner politischen Seite zeigt sich auch Werner Schmidbauer, im Gepäck ein über 15 Jahre altes Lied, das er angesichts der aktuellen Weltlage neu arrangiert hat: "Zeit der Deppen" stimmt er mit seinem Sohn Valentin an, die passenden Adressaten kann er in Hamburg ausmachen - Trump, Putin, Erdogan, aber auch gewalttätige Chaoten, die dem vernünftigen und sinnvollen Protest einen Bärendienst erweisen. Die "Zeit der Deppen" habe sich nach George W. Bush und Silvio Berlusconi schon verändert, wie Schmidbauer einräumt - aber sie sei schlimmer geworden, mit ihr die Werte der Welt ins Taumeln geraten.

Bewährtes Konzept

Das Konzept der "Lieder auf Banz" bewährt sich auch in diesem Jahr: Jeder Künstler steht etwa 20 Minuten auf der Bühne - und allesamt passen äußerst gut zum Liedermacher-Festival. Da sind der politisch denkende Udo-Lindenberg-Fan Sebastian Krumbiegel ("Die Prinzen"), der lyrisch-einfühlsame Schauspieler und Sänger Stefan Jürgens, die grandiose Stimme von Helen Schneider und der immer noch jugendlich wirkende Purple Schulz, der mit einem Neuarrangement seiner 80er-Hymne "Sehnsucht" begeistert. Ebenfalls auf der Bühne stehen Willy Astor, Viva Voce (die durch den Abend führen) sowie die drei Nachwuchspreisträger der Hanns-Seidel- Stiftung Fee Badenius, Marcel Brell und Tonträger.

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Einen Zusammenschnitt der "Lieder auf Banz" zeigt das Bayerische Fernsehen am Montag, 14. August (22.45 Uhr).

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