Luisenburg-Festspiele landen mit Monty-Python-Musical "Spamalot" einen Volltreffer - Mit Liebe ...
Britischer Blödsinn - ungefiltert

Scharfe Zähne, rote Augen und einen gemeinen, blutrünstigen Charakter: Um das gefährliche Kaninchen zu besiegen, brauchen die tapferen Ritter schon eine Handgranate. Bild: Luisenburg-Festspiele/ sff fotodesign
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Bayern
01.07.2013
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Ist es einfacher, aus Katzen ein Gebüsch zu basteln oder eine mächtige Eiche mit einem Hering zu fällen? Das Musical "Spamalot" beantwortet diese Frage nicht und auch keine andere. Nicht einmal die nach dem eigenen Sinn. Kunststück - es gibt ja keinen. Es ist halt Spam - allerlei herrlich gequirlter, augenzwinkernder Blödsinn.

Mit dem Musical der Kultkomiker von Monty Python gingen die Macher der Luisenburg-Festspiele ein gewisses Risiko ein. Während der "normale" Fan am - ganz nach Art des Hauses - opulent ausgestatteten Gewusel sicher seinen Spaß hat, sind treu ergebene Anhänger solcher Stoffe gewöhnlich weitaus kritischer.

Mit Regisseur Christoph Zauner ist hier aber jemand zugange, der den einzigartigen Humor der Pythons liebt, ihn aber zumindest verstanden hat. Nahe am zugrundeliegenden Film "Die Ritter der Kokusnuss" orientiert, sorgt die rundum stimmige Inszenierung mit vielen kleinen stilistischen Referenzen an Graham Chapman und Co. für ein authentisch pythoneskes Erlebnis. Politisch unkorrekt, fäkal, skurril, aber immer im hehren Kleid und in der Pseudo-Hochsprache des edlen Rittertums. Mit trockenem Witz - "very british".

Helden, die keiner braucht

So genießen selbst Hardcore-Pythonfans die Premiere des verqueren Heldenepos am Freitag, das aufdeckt, was es in der berühmten Sage von Artus' Suche nach dem heiligen Gral an dichterischen Freiheiten gab und was aus gutem Grund verschwiegen wurde. Denn die Tafelrunde besteht nur aus Chaoten und Vollpfosten.

Der tapfere, aber nicht besonders helle Sir Lancelot (stark: Matthias Lehmann) will seinen Vater auf dem Pest-Karren entsorgen, obwohl der noch nicht tot ist. Der nicht ganz so tapfere Sir Robin (William Danne) nässt ständig seine Rüstung ein und über die anderen schweigt man besser ganz. Ein Lichtblick wäre da die "Fee aus dem See"- April Hailer mit wunderbar divenhafter Attitüde und starker Stimme -, doch die hadert mit sich und der Welt. Herrlich parodiert ihr "Lied, das jeder liebt" die theatralischen Herz-Schmerz-Zutaten für erfolgreiche Musicalsongs.

Neben Hailer ragt der großartige Michael Kargus aus einer überzeugenden Darsteller-Riege heraus. Der Darsteller aus dem deutschen "Original Cast" verwirrt als "jungfräulicher" Prinz Herbert Lancelot, singt ein demotivierendes Heldenlied für Robin und initiiert als Noch-Nicht-Toter eine urkomische tanzende Zombie-Apokalypse mit Pestleichen. Finnische Volkstänze im Kaurismäki-Stil, reizende Revue-Girls aus dem sündigen Camelot und König Artus (Hardy Rudolz) im Gangnam-Style sorgen ebenfalls für viel Applaus. Das Highlight des Abends - der Mega-Hit "Always Look on the Bright Side of Life" - ist aber Artus' frustriertem Knappen (Michael Kamp) vorbehalten.

Da fliegt die Kuh

Der dünne rote Faden schlingt sich indes um jeden Kalauer herum, der auf der steinigen Gralssuche auftaucht. Aberwitzige Klischees über Engländer, Franzosen, Homosexuelle, religiöse Erleuchtungen, das düstere Mittelalter und die Musicalindustrie werden liebevoll gedroschen. Besonders Klassiker wie die "heilige Handgranate von Antiochien" oder die Hexenjagd ("Wenn sie aus Holz ist, ist sie eine Hexe") ernten Lacher.

Oder die exquisiten Beschimpfungen französischer Soldaten, die nur Deutsch "mit blödem Accent" sprechen, und mit einer Kuh nach den Rittern werfen. Die witzigen "Special Effects" wie die Mörderkaninchen-Handpuppe oder der schwarze Ritter, der im Kampf alle Gliedmaßen verliert und als Torso ein Unentschieden reklamiert, sind zum Schießen.

Übrigens, den Gral haben sie schließlich auch noch gefunden: bei einem Zuschauer, der prompt zum Ritter geschlagen wird. Was kein ethisches Problem ist, denn die Messlatte für Ritterehre liegt nach dem seltsamen zweieinhalbstündigen Treiben ja nicht mehr besonders hoch.
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