Märchenkönig Ludwig II. war ein früher Technik-Fan
Luxus-Karosse auf Kufen

Restaurierter "Kleiner Galawagen" von König Ludwig II: der Bayerische Monarch begeisterte sich auch für ausgetüftelte Technik.
Kultur BY
Bayern
29.03.2018
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Pferdegespann mit kostbarem Zierrat: die königlich-bayerischen Rösser trugen auch Pfauenfedern.

"Ein ewig Rätsel will ich bleiben, mir und anderen", umschrieb der Sagen umwobene Ludwig II. (1845-1886) seinen mysteriösen Lebensweg. Die poetische Prophezeiung von Bayerns Märchenkönig hat sich bewahrheitet

Von Gabriela Greess

Fasziniert steht der Besucher vor seiner restaurierten prunkvollen Edel-Karosse, mit der er vorwiegend nachts unterwegs war: meist in der Umgebung von Schloss Linderhof und Hohenschwangau. Sie gleicht einer Himmelskutsche. Zwischen all dem vergoldeten Zierrat des Prunk-Vehikels sticht ein großer Filzpantoffel ins Auge. Dieser signalisiert, dass hier ein ganz menschliches Wesen gegen kalte bayerische Winter ankämpfte.

Cordula Mauß, Pressesprecherin der Bayerischen Schlösserverwaltung, erzählt vom leidenschaftlichen Interesse Ludwigs II. an modernster Technik seiner Zeit. "Schauen Sie, hier unter dem Sitz war eine Art Elektro-Batterie deponiert; sie diente der Beleuchtung von zwei Laternen. Ein Bediensteter regelte die Lichtstärke mit einer Drehscheibe; und wenn sie die reich verzierte Schmuckfigur der Kutsche genau betrachten, entdecken Sie Elektrodrähte." Das einzige erhaltene Multifunktionsfahrzeug des Münchner Hofs, konstruiert mit mobilem Kutschen-Kasten, wurde je nach Anlass auf ein Wagen- oder Schlittengeschirr gehievt. Der Königliche Hofwagenfabrikant Johann Michael Mayer erhielt für den Prachtschlitten anno 1878 stolze 140 000 Mark; und für das Wagengestell nochmals rund 118 000 Mark. Die Gala-Geschirre kosteten zusätzlich etwa 66 000 Mark - für den Sechsspänner in roter oder blauer Ausstattung.


___ Lakaien in Samt
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Ein Gemälde im Marstallmuseum von Nymphenburg zeugt von der Magie, die von der royalen Kutsche ausging: ein reich geschmücktes Pferdegespann, das den menschenscheuen König durch die malerischen Landschaften Oberbayerns kutschierte. Ludwig II. soll an einer Art Sozialphobie gelitten haben, weswegen er am liebsten nach Einbruch der Dunkelheit unterwegs war. Bei den nächtlichen Ausfahrten Ludwigs II. sollten sich keine Gaffer blicken lassen. Im Schlosshof erschien der König. Er trug im Sommer manchmal sein blausamtenes Königsgewand. Ein märchenhafter Anblick: Auf den Pferden saßen Reitknechte, die wie die Vorreiter blaue oder rote Rokoko-Samtkostüme trugen; dazu weiße Zopfperücken und mächtige Stulpstiefel. Das Geschirr der Pferde bestand aus prunkvollen Schabracken, Sätteln und Zaumzeug, die Köpfe geschmückt mit Straußenfedern.

Bereits 2015 wurde der Wagen restauriert, im vergangenen Jahr folgte die Restaurierung des Schlitten. Die Kosten von 35 000 Euro wurden von der Meitinger Stiftung übernommen. Der Wittelsbacher König hat sich in der bayerischen Geschichte als passionierter Schlossbauherr unsterblich gemacht. Im Marstallmuseum kann man heute den dazu passenden royalen Fuhrpark bewundern, der weltweit einmalig sein soll.

Paradestücke sind die Sänfte der Kaisertochter Maria Antonia: ein rund 200 Kilo schweres Stück mit rotem Samt und glanzvollen Stickereien; sowie der Prunkwagen des Kurfürsten Karl Albrecht und die beiden Krönungswagen von König Maximilian I. Joseph. Daneben sieht man Alltagswagen, Galaberlinen, Jagdfahrzeuge und Kinderkutschen nebst einem Karussell.

Nicht entgehen lassen sollte man sich das für die Nachwelt präparierte Lieblingspferd des Märchenkönigs, das auf den Namen Cosa Rara hörte. Staunend stehe man vor der Porträtgalerie der "Leibreitpferde" des Märchenkönigs, die wie Götterboten auf Hufen erscheinen. Bevor man das spektakuläre Marstallmuseum verlässt, sollte man noch ein wenig vor dem Herkules-Rennschlitten des bayerischen Kurfürsten Max Emanuel verharren: Auch er liebte es, mit Pferdestärken der rasanten Art durch Bayerns verschneite Traumlandschaften zu gleiten.

ServiceSchloss Nymphenburg: Weltweit einzigartige Kutschensammlung mit über 40 Fahrzeugen aus drei Jahrhunderten: pompöse Karossen vom Märchenkönig Ludwig II. sowie Staats- und Galawagen der Wittelsbacher

Marstallmuseum: Eingang 1, 80638 München

Info-Telefon: 089/179080

Öffnungszeiten: April bis 15. Oktober: 9 bis 18 Uhr; 16. Oktober bis März: 10 bis 16 Uhr täglich geöffnet

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Weitere Informationen:

www.schloss-nymphenburg.de


Schauen Sie, hier unter dem Sitz war eine Art Elektro-Batterie deponiert; sie diente der Beleuchtung von zwei Laternen.Cordula Mauß, Pressesprecherin der Bayerischen Schlösserverwaltung
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