04.07.2017 - 20:00 Uhr
Deutschland & Welt

Martin Sturm präsentiert die von Dlabal & Mettler restaurierte Hepp-Orgel Hepp, Hepp hurra!

Velburg. Amberger Werkstätten versorgen im 18. und 19. Jahrhundert die gesamte mittlere Oberpfalz mit Orgeln. Zu nennen sind Johann Baptist Funtsch (1674-1743) und sein Sohn Johann Conrad (1710-1792), dessen größtes erhaltenes Werk auf dem Habsberg bei Velburg (Kreis Neumarkt) sich auch nach genau 250 Jahren in bester Verfassung präsentiert.

Die 1803 gebaute Orgel des Wilhelm Hepp aus Amberg, ist prachtvoll in Weiß und Gold gefasst. Der Spieltisch ist in die Brüstung eingelassen, der Blick des Spielers geht zum Altar. Bild: Donhauser
von Peter K. DonhauserProfil

Vor kurzem erlebte ein weiteres Denkmal Oberpfälzer Handwerkskunst seine Auferweckung: Die Orgel des Wilhelm Hepp (1803) auf dem Herz-Jesu-Berg in Velburg. Bei Conrad lernt Wilhelm Hepp (1764-1832), 1797 erwirbt er das kurfürstliche Orgelbauerpatent. Von ihm sind drei Instrumente erhalten: Hausen (1816), Rechberg (1823) und als größtes Velburg mit zwölf Registern auf einem Manual und Pedal. Ein Glücksfall: Bedingt durch die abseitige Lage der Kirche sind acht Register vollständig, drei teilweise und die gesamte Spielanlage original erhalten. Nur das Principal 4' muss rekonstruiert werden, die Zinnpfeifen waren 1917 zu Kriegszwecken einkassiert worden.

Exzellenter Orgelbau

Als Sachverständige sind Martin Bernreuther (Bistum Eichstätt) und Nikolaus Könner (Landesamt für Denkmalpflege) eingebunden. Die Arbeiten wurden der Firma Dlabal & Mettler aus Bilsko (Tschechien) anvertraut. Der in Bor geborene Mettler kennt die böhmische Orgellandschaft aus dem Effeff. Wir wissen heute, dass sie klanglich eine der engsten Verwandten der Oberpfälzer Orgellandschaft ist.

Das Resultat ist überwältigend: Es legt das beeindruckende Können von Wilhelm Hepp an den Tag. Die böhmischen Spezialisten haben seinen Klangideen akribisch, mit historischen Materialien und Methoden nachgespürt. Intonateur Zdenek Henych hat die ursprüngliche differenzierte Ansprache und Klangfarbe herausentwickelt: Bei nur 60 Millimeter Winddruck erhaben klar und warm das neue Principal, füllig aber nicht schreiend die Mixtur, rund und weich die Flöten, samtig die Streicher. Die Orgel spielt sich unglaublich leicht, hochsensibel und elegant. Eine so einfühlsam restaurierte historische Orgel sucht in der Region ihresgleichen. Sie setzt Maßstäbe.

Exquisite Improvisationen

Adäquat gelingt die Vorstellung des Instruments durch den Velburger Martin Sturm, der an der Musikhochschule Würzburg studiert hat. Er improvisiert ein 50-Minuten-Konzert mit einem Rückblick auf Bach (Präludium und Fuge), ferner im empfindsamen Stil und mit Formen der Zeit um 1800, als da sind Toccata, Versetten, Variationen und eine Passacaglia. Auch zwei Exkursionen zur Klangsprache des Jahres 2017 fehlen nicht. Mutig, stilistisch gekonnt, "seelisch bewegt", mit Geist und Witz, das etwas andere, erfrischende Orgelweihprogramm. Begeisterung!

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