25.08.2014 - 00:00 Uhr
Deutschland & Welt

Mozarts "Hochzeit des Figaro" soff am Samstag zwar nicht ab, ging aber trotzdem baden "Singing in the Rain" auf der Luisenburg

von Redaktion onetzProfil

Es begann verheißungsvoll. Graf Almaviva stürmte mitten hinein in die Naturbühne der Luisenburg und über Treppen und Felsen hinauf auf eine Art Kommandobrücke, von der er per Fernbedienung das Orchester und damit die Ouvertüre in Gang setzte. Die Botschaft war klar: Zwar sind ausnahmslos alle Figuren in Mozarts "Figaro" vom Trieb, dem Geschlechtstrieb nämlich, na ja: getrieben halt. Aber der Herr Graf mit seinem Faible für Susanna und der erkalteten Leidenschaft gegenüber seiner Gräfin bestimmt dann doch das Geschehen.

Dumm nur, dass das turbulente Treiben am Samstag auf der Luisenburg beim Gastspiel der "Landesbühne Sachsen" alsbald baden ging. Noch während der zweiten Arie Figaros unterbrach Dirigent Jan Michael Horstmann nämlich mit Verweis auf die Gesundheit der Sänger die Vorstellung. Der nicht enden wollende Regen hatte die Bühne zu einem gefährlichen Pflaster gemacht. Schon zuvor mussten von fleißigen Helfern immer mal wieder Pfützen beseitigt und Requisiten in Sicherheit gebracht werden. Es ging fortan weitgehend konzertant weiter.

Witzige Variation

Schade. Die Inszenierung von Anja Sündermann und das irgendwie galaktisch, auf jeden Fall ziemlich spacig anmutende Bühnenbild von Olga von Wahl hatten bis dahin einen "Figaro" versprochen, der das übliche Tür-auf-Tür-zu-Spiel ebenso angenehm wie witzig variierte. Aber so ist das nunmal unter freiem Himmel - man weiß nie, ob der auch dicht hält. Die Frage, ob Oper "open Air" überhaupt Sinn macht, wollen wir lieber gar nicht erst stellen.

Gut unterhalten

Immerhin gelang dann doch noch ein durchaus unterhaltsamer, wenn auch musikalisch nicht unbedingt glanzvoller Konzertabend. Statt der üblichen Rezitative erzählte Dirigent Horstmann einfach das Geschehen nach und sparte dabei nicht mit ironischen Bemerkungen. Dazwischen all die wunderbaren Nummern des Figaro, auf die sich das Ensemble mit viel Laune und begleitet von der reichlich brav musizierenden "Elbland Philharmonie" einließ.

Vor allem Paul Gukhoe Song in der Titelrolle konnte mit seinem gut sitzenden Bassbariton überzeugen, während Bryan Rothfuss als Almaviva dann stimmlich doch etwas die Durchschlagskraft fehlte. Esther Hilsberg gelang eine sängerisch handfeste Susanna, der freilich der Glanz und die Leichtigkeit fehlten. Ulrike Staude als Gräfin wiederum schien am meisten unter den widrigen Umständen zu leiden; ihre Stimme wirkte schlicht angeschlagen. Dafür sorgte Patrizia Häusermann mit ihrem üppigen Mezzosopran als Cherubino für reichlich Wohlklang. Und auch der Rest des Ensembles sowie der gut eingestellte Chor waren ordentlich mit dabei.

Am Ende blieb vor allem großer Respekt davor, dass sich die Truppe aus Sachsen trotz der katastrophalen Bedingungen verdammt professionell aus der Affäre gezogen hat. Wie immer galt: "The Show must go on" - auch wenn es aus Kübeln schüttet!

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