31.08.2017 - 20:00 Uhr
Deutschland & Welt

Münchner Stadtmuseum widmet sich Kurt Eisner Ministerpräsident und Revolutionär

Kurt Eisner, erster Ministerpräsident des Freistaates Bayern, baute ab 1917 in München die Unabhängige Sozialdemokratische Partei Deutschlands (USPD) auf. Er war von der deutschen Kriegsschuld überzeugt und in Bayern zur Integrationsfigur des Widerstands gegen den Krieg geworden.

Frau Eisner, Kurt Eisner und Minister Hans Unterleitner (von links) auf dem Weg zur Rücktrittserklärung. Bilder: Münchner Stadtmuseum (2)
von Externer BeitragProfil

München. Ein Idealist und Utopist, der von Politik nichts verstand, ein Bohemien und politischer Abenteurer, so klingen manche Urteile über Kurt Eisner - zumindest bis in die 1990er Jahre. Die biografische Ausstellung anlässlich seines 150. Geburtstags im Münchner Stadtmuseum präsentiert den ganzen Lebensweg Eisners - einschließlich seiner etwa 105 Tage an der Spitze des Volksstaates Bayern. Eisners Leben und Werk und die politischen Wirrnisse der Zeit sind an die Wände des Museums gebaut. Das bemerkenswert umfangreiche Material macht jedem Besucher deutlich: Kurt Eisner war ein engagierter Journalist, Autor und umsichtiger Politiker, der vom "Gefühlssozialisten" zur prägenden Persönlichkeit der Novemberrevolution 1918 wurde.

Der Mord an Eisner am 21. Februar 1919 durch Anton Graf von Arco auf Valley, einem Leutnant und Jurastudenten, löste allgemeine Betroffenheit aus. Eisner war auf dem Weg zum Bayerischen Landtag, um wegen der verlorenen Landtagswahl seinen Rücktritt zu erklären. Das Attentat wurde von der Arbeiterschaft mit Entsetzen aufgenommen, Hunderttausende säumten beim Staatsbegräbnis die Straßen. Die zentrale Frage "repräsentativer Parlamentarismus oder Räterepublik" blieb offen.

Antisemitische Angriffe

Als Jude war Kurt Eisner heftigsten antisemitischen Angriffen ausgesetzt: In München wurde über ihn zeitweise nur als "Kosmanowsky", einem angeblichen ostjüdischen Agenten geschrieben, seine vorgeblichen Sympathien für den Bolschewismus wurden beschworen. Der Schöpfer des "Freistaates", der landfremde Jude, der Bayern ins Unglück gestürzt hat, ist bis heute eine Reizfigur geblieben. Eine Gedenktafel am Ort seiner Ermordung wurde erst im Jahr 1989 errichtet. Der Schriftsteller Heinrich Mann feiert Eisner in seiner Rede anlässlich der Trauerfeier: "Die Hundert Jahre der Regierung Eisner haben mehr Ideen, mehr Freude der Vernunft, mehr Belebung der Geister gebracht, als die fünfzig Jahre vorher. Sein Glaube an die Kraft des Gedankens, sich in Wirklichkeit zu verwandeln, ergriff selbst Ungläubige."

Wie hängen die Revolution und die Gründung der Bayerischen Räterepublik mit Kurt Eisner und seinem Kampf für Frieden und Revolution zusammen? Auf diese Fragen gibt die Ausstellung im Münchner Stadtmuseum, die bewusst bereits zwei Jahre vor dem Jahrestag der Revolution beginnt, Antworten.

Kurt Eisner, geboren in Berlin am 14. Mai 1867 als Sohn einer bürgerlich-jüdischen Kaufmannsfamilie, studierte Geschichts- und Literaturwissenschaften sowie Politik. Aus finanziellen Gründen begann er eine journalistische Laufbahn: Zuerst beim Depeschenbüro "Herold", dann bei der "Frankfurter Zeitung" in Marburg und schließlich in der "Hessischen Landesleitung". Eisner beschäftigte sich intensiv mit der sogenannten Sozialen Frage, dem neuen Industrieproletariat und den sozialen Spannungen im Kaiserreich. Seine Bilanz der Jahre seit Gründung des Deutschen Kaiserreichs und der Wiederzulassung der SPD 1890 fällt dabei sehr kritisch aus. Bereits ab 1888 kehrte sich Eisner vom Liberalismus ab und wendete sich zur Sozialdemokratie, wenn auch mit Einschränkungen. Wilhelm Liebknecht, der Chefredakteur von "Vorwärts", holte Eisner schließlich nach Berlin. Am 1. Dezember 1898 trat dieser in die SPD ein. Als Redakteur des "Vorwärts" geriet er zunehmend in Widerspruch zu SPD-Vorstellungen und musste 1905 das Zentralorgan verlassen.

Als Redakteur der "Fränkischen Tagespost" verstärkte sich bei Eisner das Interesse an der praktischen politischen Bildungsarbeit, gleichzeitig überwand er seine Scheu vor öffentlichen Auftritten. Nach München kam der Journalist 1910 als freier Mitarbeiter für das Ressort Feuilleton der "Münchner Post". Parallel dazu gab er das "Arbeiterfeuilleton", eine Nachrichtenkorrespondenz, in Privatinitiative heraus. Ende Januar 1918 konnte Eisner die Rüstungsarbeiter für einen Massenstreik mobilisieren. Er wurde verhaftet und kam erst im Oktober wieder frei. Ausgehend von der Meuterei der Marine in Wilhelmshaven und dem Kieler Matrosenaufstand vom 4. November, sprang der Funke auf das ganze Deutsche Reich über.

Ausrufung des Freistaates

In München stürmten am 7. November Eisner und seine Mitstreiter die Garnisonen, zuvor sprach er auf der Theresienwiese vor Arbeitern und Soldaten. Man forderte sofortigen Waffenstillstand, die Abdankung des deutschen Kaisers, uneingeschränkte Redefreiheit und Demokratie, aber auch die Einführung einer Arbeitslosenversicherung und des Achtstundentages. Die Herrschaft der Wittelsbacher wurde abgesetzt und der Freistaat Bayern ausgerufen. Mit der SPD bildete Eisner ein Kabinett, das zusammen mit den in Selbstverwaltung tagenden Arbeiter-, Bauern und Soldatenräten regierte.

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Die Ausstellung im Münchner Stadtmuseum läuft noch bis 8. Oktober. Geöffnet Dienstag bis Sonntag von 10 bis18 Uhr.

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