22.05.2013 - 00:00 Uhr
Deutschland & Welt

Nachruf auf Ray Manzarek, den Keyboarder der Doors: "Der Tod ist Frieden"

von Agentur DPAProfil

Ob The-Doors-Frontmann Jim Morrison Gott oder Kasper, Schamane oder Scharlatan, Magier oder Maniker war - diese Fragen sind längst beantwortet. Fakt ist, dass der Kult um Morrisons Person ungebrochen floriert, seit der Mann 27-jährig im Jahr 1971 das Zeitliche segnete. Morrison war allerdings kein Solo-Interpret, sondern Sänger einer Band, bestehend aus vier Individuen: Gitarrist Robby Krieger, Schlagzeuger John Densmore und Keyboarder Ray Manzarek.

Besonders Manzarek war neben Morrison das charismatische Aushängeschild des Quartetts aus Kalifornien. Nicht nur prägte Manzarek, Jahrgang 1939, den Sound der Band mit seinen mal wuchtigen, mal schwermütigen Orgelklängen - er hatte die Live-Auftritte der Doors im Griff, wenn sich der Frontmann auf der Bühne mal wieder exzessiv daneben benahm, zugedröhnt mit Alkohol oder psychedelischen Drogen.

Verwalter des Erbes

Manzarek war es auch, der die Doors-Erbengemeinschaft nach dem Tod des Sängers kommerziell höchst erfolgreich durch Graben in den Archiven und die Veröffentlichung "neuer" Aufnahmen am Leben erhielt. Auch live ließ der agile Sohn polnischstämmiger Einwanderer aus Chicago bis vor kurzem die Doors nicht ruhen: Noch im vergangenen Jahr traten er und Krieger als "Ray Manzarek and Robby Krieger of The Doors" auf. Mit dem dritten Gründungsmitglied John Densmore steckten sie seit Jahren im Rechtsstreit. Der verklagte das Duo wegen Vertragsbruchs, um die Nutzung des alten Namens The Doors zu verbieten.
Manzarek, der Jahrzehnte lang in der Bay Area von San Francisco daheim war, kümmerte jener Konflikt wenig. Er trug bevorzugt Batikhemden und indische Pumphosen, gab liebend gerne esoterische Weisheiten von sich. "Ich glaube nicht, dass sich am Stellenwert unserer Band irgendetwas geändert hat", meinte er 2004 im Interview. "Doors-Stücke lebten damals wie heute von einem äußerst merkwürdigen inneren Frieden, von einer Vision, von diesem 'break on through to the other side'."

"Paradies auf Erden"

"Das lag sicher in erster Linie in der Person Jim Morrisons begründet", gab Manzarek zu. "Für mich war er ein Magier, ein revolutionärer Künstler durch und durch. Um auf die 'other side', die andere Seite, zurückzukommen: Der Tod ist nicht das Ende, und der Tod ist schon gar nicht grauenvoll. Der Tod ist gleichbedeutend mit Frieden, mit der Loslösung von sämtlichen Verpflichtungen in der Gesellschaft, mit der absoluten Ruhe. Auch das habe ich gelernt, als ich mir immer wieder Doors-Songs anhörte - und ich denke, diese friedliche Botschaft ist ungebrochen und so aktuell wie eh und je."
Bleibt für Ray Manzarek zu hoffen, dass er einen friedvollen Tod gefunden hat: Er verschied am späten Abend des Pfingstmontags in einer Spezialklinik in Rosenheim am seltenen Gallengangkrebs, an dem er seit einigen Jahren litt. Er war bis zu seinem Ende der festen Überzeugung: "Wären alle Menschen Künstler und hätten Lust darauf, sich selbst künstlerisch auszudrücken, würden wir so etwas wie das Paradies auf Erden vorfinden. Wer weiß, vielleicht kommt das ja noch ..." Ja, wer weiß? Eine schöne Illusion ist das allemal.

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