Neuer Film mit Tobias Moretti beleuchtet Leben und Wirken von Luis Trenker und Leni Riefenstahl
"Der schmale Grat der Wahrheit"

Arndt Schwering-Sohnrey (von links) als Joseph Goebbels, Tobias Moretti als Luis Trenker und Brigitte Hobmeier als Leni Riefenstahl stehen derzeit für die BR-Koproduktion "Der schmale Grat der Wahrheit" in der Münchner Musikhochschule vor der Kamera. Bild: Kunz
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Bayern
31.07.2014
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Im ehemaligen "Führerbau", Nähe Königsplatz, im selben Gebäude, wo 1938 das Münchner Abkommen unterzeichnet wurde und sich heute die Musikhochschule befindet, treffen sich im Juli 2014 Luis Trenker, Leni Riefenstahl und Joseph Goebbels. Dargestellt von Tobias Moretti, Brigitte Hobmeier und Arndt Schwering-Sohnrey.

Das Trio ist zusammengekommen, weil man sich gemeinsam in Goebbels Privatkino Trenkers jüngsten Film "Der Rebell" ansehen will. Die Handlung spielt allerdings nicht in der bayerischen Landeshauptstadt, sondern in Berlin, in den Räumen des Reichspropagandaministeriums. Hintergrund ist die BR-Koproduktion "Luis Trenker - Der schmale Grat der Wahrheit". Regisseur Wolfgang Murnberger hat sich für die Musikhochschule als Kulisse entschieden, weil das Gebäude authentische Züge aufweist.

Lebendes Faszinosum

Bei der Vorstellung des Projekts kommt Moretti auf den Südtiroler Bergsteiger und Geschichtenerzähler zu sprechen: "Trenker war ein lebendes Faszinosum. Nicht im Sinne eines Filmemachers oder Schauspielers. Er war eine schillernde Persönlichkeit." Wochenlang habe er sich auf seine Rolle vorbereitet und sich alle seine Filme angeschaut.

Obwohl er anfangs kritisch und mit äußerster Vorsicht an Trenker herangegangen sei, habe er die Rolle liebgewonnen: "Das wird eher ein ,Großer Gatsby' als ein Bergfilm." Ihm sei Trenkers Nähe zum Nationalsozialismus bewusst gewesen, auch dass der große Kletterer ein Opportunist war. Anfangs habe er deshalb seine Entscheidung mitzuspielen, hinausgezögert. Wie Moretti erklärt, gab es während der Planungsphase die Zielvorgabe, eine positive Person in einer Bergwelt darzustellen.

"Ich hatte eine große Angst vor der Figur, weil sie immer an der Grenze zur Peinlichkeit war. Man muss die Hybris dieser Figur erkennen, die so faszinierend ist," erklärt der Schauspieler. Moretti sieht in Trenker trotz aller Vorbehalte heute eine faszinierende Persönlichkeit, einen großen Geschichtenerzähler: "Er war der Macher einer Generation, die ihre ersten Schritte gemacht hat, die noch prototypisch war für so viel. Beseelt von der Hybris dieser Zeit, dass man die Welt erobern kann. Das war auch sein Ding." Als Bergsteiger sei Trenker wesentlich besser gewesen, als in der Rolle des Schauspielers und Regisseurs: "Er war ein unglaublicher Entertainer."

Die Schauspielerin Brigitte Hobmeier tut sich etwas schwerer, ihre Rolle als Leni Riefenstahl zu definieren. Schließlich war die Filmemacherin noch näher an Adolf Hitler dran. "Ich bin richtig hineingefallen in die Riefenstahl. Vorbereitung, Recherche, Lesen von Biographien faszinieren mich." Vor allem Riefenstahls Autobiographie. "Das, was sie preis gibt von sich, so wie sie sich selber sieht, ihre Lügen. Das ist für eine Schauspielerin, die sich mit einer historischen Figur befasst, schon sehr spannend."

"Sie ist in ihrer Ungreifbarkeit ein kreatürlicher Humus für mich, aus dem ich mir meine Ideen ziehe. Allerdings: Wir machen hier keine Dokumentation, wir machen hier einen Film. Das heißt: Die Fiktion in unserer Interpretation darf und muss auch einen Raum haben", betont Hobmeier.

Ausstrahlung 2015

In "Luis Trenker - Der schmale Grat der Wahrheit" reist die Bergsteigerlegende 1948 zu den Filmfestspielen nach Venedig, wo er die Tagebücher von Eva Braun, die sie ihm angeblich in den letzten Kriegstagen in Kitzbühel anvertraut hat, einem amerikanischen Hollywood-Agenten zur Verfilmung anbietet. Das Münchner Landgericht zweifelt die Echtheit an.

Regisseurin Riefenstahl fühlt sich durch darin enthaltene Andeutungen, Hitlers Geliebte gewesen zu sein, verunglimpft, tritt als Nebenklägerin auf. In Rückblenden wird die Geschichte zweier Opportunisten erzählt, die sich, besessen vom Willen nach künstlerischem Erfolg, von den Nazis instrumentalisieren ließen. Gedreht wurde in Venedig, Südtirol, München und Berlin. Die Ausstrahlung des Films ist für 2015 geplant.
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