28.07.2014 - 00:00 Uhr
Deutschland & Welt

Niemand glaubt hier an eine Handlung: Premiere für die Groteske "Mörd!" bei den ... "Das war gestern irgendwie besser"

von Redaktion OnetzProfil

Der Gummerer liegt tot auf dem Küchentisch. "Das geht ja saugut los", sagt der kleinere Mann, der gerade noch mit dem Gummerer zünftig gerauft hat. "Das geht ja wahnsinnig gut los." Eine Frau kommt dazu. "Klappt was nicht, Hansi?" Den Leblosen nimmt sie eher stoisch zur Kenntnis. "Der ist doch immer tot am Anfang." Ob der Gummerer wirklich tot ist und ob der Gummerer wirklich der Gummerer ist oder nicht bloß einer, der sich als Gummerer ausgibt - all das wird man an diesem Abend nicht erfahren. "Immer diese Fragen, immer diese Antworten", wundert sich eine Erzählerstimme aus dem Off.

Kultiger Dauerbrenner

Die Comedy-Groteske "Mörd!", die am Freitag im Rahmenprogramm der Luisenburg-Festspiele im Innenhof des Fichtelgebirgsmuseums Premiere hatte, gilt als Kult. 1994 von der oberbayerischen Kabarettgruppe Valtorta uraufgeführt, entpuppte sich das von Alexander Liegl geschriebene Ding schnell als Dauerbrenner - bis die Gruppe sich 2001 auflöste. Mit den Luisenburg-Nachwuchspreisträgern Stefan Murr und Sebastian M. Winkler sowie den Festspiel-Akteuren Katharina Schwägerl ("Die kleine Hexe") und Ferdinand Schmidt-Modrow ("Pumuckl") wurde "Mörd!" unter der Regie von Matthias Kiefersauer jetzt reanimiert.

"Mörd!" funktioniert als Parodie auf das Boulevardtheater, macht sich ansonsten aber einen Spaß daraus, dem Publikum nichts, aber auch wirklich gar nichts an die Hand zu geben, was einem roten Faden entfernt ähneln könnte. "Glaubst du immer noch an eine Handlung?", fragt Katharina Schwägerl gegen Ende und bringt es damit auf den Punkt. Als Zuschauer weiß man da schon längst nicht mehr, wen sie eigentlich spielt, es ist auch egal - die Herren finden nur, dass sie ein paar Pfündchen zugenommen hätte "seit dem letzten Mal". Wie alle anderen Schauspieler wechselt sie zwischen Figuren und Erzählebenen hin und her.

Der Gummerer (Winkler), der vielleicht auch der Gullinger sein könnte, lebt zwischendurch natürlich wieder, sitzt auf dem Küchenstuhl und erzählt davon, wie er "im Traum immer tote Katzl zählt", aber bei 624 stets hängenbleibt. Sein Kumpel (Schmidt-Modrow) schwadroniert von seinem Vorhang, dem er seit frühester Jugend all seine Sorgen anvertraut habe, bloß war dem das alles wurscht. "Jetzt hab' ich eine Jalousie." Und dann ist da noch der Typ mit dem goldbeknöpften Zweireiher (Murr), der irgendwann die Geduld verliert: "Das ist doch kein Theater! Das ist Boulevard!"

Bestleistung des Ensembles

"Mörd!" lässt sich unmöglich beschreiben - man muss es gesehen haben. Und das ist keine euphorische Übertreibung, sondern faktische Notwendigkeit. Das Ensemble, das voller Spielfreude und Körpereinsatz sowie mit einem unglaublich guten Timing durch das wunderbar geschriebene Text-Chaos tänzelt, bringt eine Spitzenleistung. Am Ende bleibt man amüsiert von so viel Spielfreude zurück, aber auch ein bisschen ratlos, weil man ein Theaterstück vorgegaukelt bekommt, das auf keinen Fall eines sein will. Wer sich auf solche Spielchen einlässt, kann sich prächtig amüsieren. "Das war gestern irgendwie besser", heißt es im Stück an einigen Stellen. Blöd, dass wir das verpasst haben. Hatten keine Zeit.

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Die nächsten Aufführungen: 2., 8. und9. August, jeweils um 20 Uhr im Fichtelgebirgsmuseum.

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