19.01.2018 - 15:47 Uhr
Deutschland & Welt

Porträt der Band The Whiskey Foundation Blues gegen die Wehmut der Seele

Die Stimme des Sängers wirft den Hörer erst mal um. Ein wahrer Knockout. Man taumelt, man hyperventiliert, man fühlt sich sturzbetrunken, selbst wenn man keinen Tropfen Alkohol zu sich genommen hat. Die Stimme des Sängers gehört dem in Deutschland geborenen Türken Murat Kaydirmas.

Bild: Marko Panic
von Autor MFGProfil

München. Wie es scheint der beste Kumpel von Tom Waits, Joe Cocker oder John Lee Hooker. Versoffen, dramatisch, voll vom Leben auf der Nachtseite des Universums inspiriert, das er in sich aufgesogen haben muss. Kaydimas ist eine personifizierte Urgewalt, wenn er - egal ob im Studio oder auf der Bühne - stöhnt, röchelt und brüllt.

Seine Band nennt sich nicht umsonst The Whiskey Foundation, steht demnach für erdige Bodenständigkeit und abgrundtiefen Groll wie abgrundtiefe Melancholie. Das Leben, was für eine Unverschämtheit, was für ein von wem auch immer erfundener Irrsinn, wenn man sich das Dasein genauer anschaut und inspiziert. The Whiskey Foundation fabrizieren "Blues gegen die Wehmut der Seele", wie es Pianist Julian Frohwein ausdrückt, nur oberflächlich lässig gemeint. Klingt pathetisch, ist aber nicht so gemeint. Diese Definition bringt das Klangbild des Quintetts auf den Punkt, schonungslos. Und das, obwohl der Fünfer weder aus dem Blues-infizierten Mississippi-Delta stammt noch aus tiefschwarzen Nachfahren ehemaliger Sklaven besteht, wie man es aufgrund seines Sounds vermuten würde. Tatsächlich sind die Burschen zwischen Mitte bis Ende 20 allesamt im eher beschaulichen München und dessen Umland zu Hause.

Authentisch klingen

"Blues & Bliss" nennt sich folgerichtig das aktuelle dritte Album der Formation. "Herzschmerz und Glückseligkeit" also, wenn man den Titel frei ins Deutsche übersetzt. "Aus diesen zwei Extremen besteht die menschliche Existenz, wenn man sich wie wir voll darauf einlässt", ist Frohwein überzeugt. "Genau diese Erkenntnis bringen wir in unsere Musik ein. Wir wollen authentisch klingen. Sind tief verbunden mit Ikonen wie Bo Diddley oder Otis Redding. Wir blicken beim Komponieren nach vorne, indem wir zurück schauen. Wir sind glaubwürdig, indem wir zeitlos rüber kommen."

Gegründet wurde die Gruppe 2011, das Debütwerk kam zwei Jahre später in den Handel. 2015 gab es einen Nachfolger. "Und zwischendrin haben wir ausschließlich getourt, wir hätten unsere Betten auch auf Bühnen stellen können", lacht Frohwein vergnügt. "Wenn man sich dem Leben des Blues-Mannes verschrieben hat, ist man ständig unterwegs, wie auf der Flucht. Nur mit diesem radikalen "Way of Life" gibt unsere Existenz einen Sinn."

Die Combo macht keinerlei Hehl daraus, dass sie angefixt sind von Classic Rock-Koryphäen wie The Doors, Vanilla Fudge oder Iron Butterfly. Schwere bis schwermütige Kost, Tasteninstrumente spielen die zentrale Rolle, alles kommt energisch-elektrisierend daher. "Klar ist Murat im Zentrum des Geschehens, mit seinem außergewöhnlichen Sangesorgan", bekennt Frohwein. "Andererseits haben wir den Kerl gut im Griff, damit er nicht zu übermütig wird. Er mag eine Rampensau sein, der - vor allem bei Konzerten - im Vordergrund steht. Aber Murat weiß, dass er ohne uns ein Nichts wäre. The Whiskey Foundation ist eine urdemokratische Truppe. Keiner kann ohne den anderen." The Doors und Konsorten - die altehrwürdige Pionier Rock-Generation demnach - sind laut Frohwein "unsere ewigen Heroen. Ohne Frage wird man an die erinnert, wenn man sich unseren Stoff anhört. Wobei wir auf der anderen Seite nicht stehen geblieben sind, was Einflüsse und Inspirationsquellen betrifft. Auch junge, wilde Bands wie Kadavar, Blues Pills oder die Black Keys sind definitiv nicht spurlos an uns vorüber gezogen."

Riesiger Auftrieb

Frohwein sieht seine Combo in erster Linie als "Live-Explosion, nur auf der Bühne entfaltet sich voll und ganz unsere rudimentäre Originalität", ist der Keyboarder überzeugt. "Ich bin froh, dass wir etliche Konzerte vor gerade mal ein paar Dutzend Zuschauern gespielt haben. Und gleichzeitig im Vorprogramm von AC/DC oder Deep Purple Zehntausende erreichen konnten. So ein riesiger Auftrieb beeindruckt selbstverständlich. Doch nicht dermaßen, dass wir etwas abkupfern wollen. Wir sind The Whiskey Foundation. Gut genug, um dem Rock-Business unseren ganz eigenen Stempel aufzudrücken."

The Whiskey Foundation spielen am Samstag, 27. Januar (20 Uhr), im "Salute-Club" in Weiden/Rothenstadt. Karten: www.salute-club.de

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