23.02.2018 - 11:28 Uhr
Deutschland & Welt

Ruhe, Liebe, Begeisterung - "Der Hundeflüsterer" besucht Bayern "Pack-Walk" mit Cesar Millan

Er ist der Mann, dem Hollywood-Stars wie Vin Diesel und Scarlett Johansson ihre Vierbeiner anvertrauen: Cesar Millan. Sein besonderes Gespür entdeckte er schon als Jugendlicher auf der Farm seines Großvaters in Mexiko - heute ist er weltberühmt, seine Lektionen bei Hundebesitzern heiß begehrt. Andere kritisieren, er quäle die Hunde. Was steckt hinter dem Phänomen Millan?

Locker lassen und eins werden mit dem Rudel. Cesar Millan (links) ist überzeugt, dass das jedem gelingt. Das demonstriert er beim gemeinsamen "Pack-Walk" in Garmisch-Partenkirchen. Bild: Kai-Heimberg
von Julia Hammer Kontakt Profil

Ruhe, Selbstsicherheit, Liebe und Begeisterung - "das ist das simple Erfolgsrezept im Umgang mit Hunden, und zwar in dieser Reihenfolge". Ein Satz, den die Teilnehmer des Seminars, zu dem US-Star, Hundetrainer und Buchautor Cesar Millan nach Garmisch-Partenkirchen geladen hatte, in den Bergen an diesem sonnigen Nachmittag immer wieder hören. Ihn umgibt eine beruhigende Aura, die sowohl die Hunde als auch ihre Herrchen spüren. Und das setzt der 48-Jährige gekonnt ein.

"Egal, wie alt der Hund ist, ob er als Problemfall gilt oder nicht, man kann jedem Vierbeiner etwas beibringen. Dabei muss man aber immer bei der Einstellung des Besitzers anfangen", ist sich der gebürtige Mexikaner, der mit 21 Jahren illegal und ohne Englischkenntnisse in die USA einwanderte, sicher. Das Erfolgsrezept? Disziplin.

"Keine Berührung, kein Ansprechen, kein Augenkontakt. Man muss eine Rangordnung etablieren und den Hunden zu verstehen geben, dass sie sich so verhalten sollen, wie der Chef im Rudel - in dem Fall der Mensch - es möchte. Dabei ist es am wichtigsten, dass der Mensch dem Vierbeiner gegenüber ruhig auftritt."

Doch wegen seiner oftmals "rabiaten" und "veralteten" Methoden, Vierbeinern diese Disziplin beizubringen, steht Millan auch immer wieder in der Kritik von Tierschutzverbänden. Peta etwa prangert Millans Einsatz von Elektroschock- und Würgehalsbändern an, um Hunde schnell gefügig zu machen. "Millan terrorisiert ihm anvertraute Hunde oftmals gezielt mittels psychischer und oft sogar körperlicher Gewalt. Die Tiere gehorchen schließlich, weil sie schlichtweg Angst vor ihrem Peiniger haben", heißt es in einer Stellungnahme der Tierschutzorganisation. Kritik, die der Hundecoach nicht allzu Ernst nimmt.

"Ich glaube, dass man mich und meine Strategie falsch versteht. Mir liegt vor allem das Wohl der Tiere am Herzen", betont der gebürtige Mexikaner, die bereits zahlreiche Projekte zum Schutz von Hunden ins Leben gerufen hat. Oft stehen zu Beginn seiner Verhaltenstherapie nicht die Hunde, sondern ihre menschlichen Begleiter im Mittelpunkt. "Ich widme mich in erster Linie den Besitzern. Sie steuern mit ihren Gefühlen das Verhalten ihres Tieres."

Eine Lektion, die auch Millan selbst erst lernen musste. Der heute 48-Jährige verbrachte in seiner Kindheit viel Zeit auf dem Hof seines Großvaters in Mexiko, wo er sich mit Hunden und deren Verhaltensweisen beschäftigte, lernte, worauf sie reagieren und wie er ihnen etwas beibringen kann.

Eine Frage der Energie

"Mit 13 war ich in meiner Heimat bei allen als ,El Perrero' (Deutsch: Der Hundejunge) bekannt." Doch kann sich ein Mensch in ein Rudel Hunde integrieren, einer von ihnen werden? "Aber natürlich, alles eine Frage der richtigen Energie", betont Millan und demonstriert das bei einem "Pack-Walk" auch in der Praxis. Auf einer Wiese in der malerischen Bergszenerie von Garmisch-Partenkirchen erwartet die Workshop-Teilnehmer ein Rudel Hunde. "Denkt daran, bleibt gelassen, spürt die positive Energie. Aber: Keine Berührung, kein Ansprechen, kein Augenkontakt. Das werten die Hunde als Belohnung. Und dafür gibt es bisher keinen Grund, weil sie noch nichts gemacht haben."

"Nicht verkrampfen"

Zwei Helfer drücken den Teilnehmern abwechselnd Leinen in die Hand, an denen sieben kleine und große Hunde aufgeregt herumwuseln. Jetzt heißt es: Ordnung ins Chaos bringen und einer von ihnen werden. "Loslassen, nicht so verkrampft. Sonst überträgt sich die Anspannung auf die Tiere. Genießt die wunderschöne Landschaft, lasst die Arme fallen und lauft los. Werdet einer von ihnen", animiert der Hundecoach - und es funktioniert. Die Vierbeiner beruhigen sich, laufen geordnet ein Stück hinter dem neuen Rudelmitglied. "Wenn ihr sieben Hunde führen könnt, könnt ich auch einen führen. Jeder Vierbeiner kann das, nur die wenigsten üben das mit ihnen."

Am Ende hat er noch einen Geheimtipp parat: "Wenn ihr wollt, dass euer Hund schon als Welpe sozialisiert wird, lasst ihn mit anderen Hunden zusammen, geht mit ihnen gemeinsam spazieren. So etwas lernen sie nicht im Hundepark, sondern nur in engem Kontakt mit anderen." Und dabei sollten die "wichtigsten vier Worte" niemals vergessen werden: Ruhe, Selbstsicherheit, Liebe und Begeisterung.

Tour-Daten 2018

Der "Hundeflüsterer" Cesar Millan kommt in diesem Jahr mit seinem neuen Programm "Once Upon A Dog" zurück in die Arenen Deutschlands - und macht dabei auch einen Abstecher in Bayern: Am Mittwoch, 4. April, tritt der weltberühmte Hundecoach und Motivationstalent um 20 Uhr in der Olympiahalle in München auf. Der 48-jährige Millan geht in seinem Programm existenziellen Fragen des Zusammenlebens zwischen Hund und Herrchen nach:

Wie gestaltet sich eine gelungene Beziehung zu meinem vierbeinigen Freund und was trägt dazu bei, dass sie misslingt? Was mache ich für einen ersten Eindruck auf meinen Hund und wie reagiert er darauf? Wie überträgt sich meine Energie auf den Hund und wie kann ich meine Energie so lenken, dass mein schwanzwedelnder Begleiter auch ohne Hilfsmittel folgt?

Anhand echter Geschichten, persönlicher Erinnerungen und mittels Live-Demonstrationen entwickelt der US-Star eine emotionale Geschichte der Auf und Abs im Leben mit den Vierbeinern und gibt Aufschluss darüber, wie Mensch und Tier zu einer gemeinsamen glücklichen Beziehung gelangen können. Durch die Show führt TV-Moderator Jan Köppen. (juh)

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Karten beim NT/AZ/SRZ-Ticketservice unter % 0961/85-550, 09621/306-230 oder 09661/8729-0

Cesar Millan - Leben und Kritik

Er ist "Der Hundeflüsterer" - der 48-jährige Cesar Millan. Vor allem die gleichnamige Fernsehsendung, die bei "Sixx" ausgestrahlt wird, machte den Hundetrainer und Buchautor in Deutschland bekannt. Der gebürtige Mexikaner wanderte mit 21 Jahren ohne Englischkenntnisse illegal in die USA ein, wo er anfangs als Hundefriseur und später als Tierarzthelfer und Hundepfleger arbeitete.

Unterstützt von Jada Pinkett Smith, Ehefrau von Hollywoodstar Will Smith, gründete er die "Pacific Point Canine Academy" und einige Jahre später das "Dog Psychology Center", eine 8100 Quadratmeter große Anlage in Los Angeles. Am 13. September 2004 wurde seine Fernsehsendung "Der Hundeflüsterer" (Originaltitel "Dog Whisperer") zum ersten Mal ausgestrahlt. Millan lebt in Santa Clarita. Millans Methoden im Umgang mit den Hunden stoßen immer wieder auf Kritik. Zahlreiche auf das Verhalten von Tieren spezialisierte Tierärzte, so die European Society of Veterinary Clinical Ethology (ESVCE) und die American Veterinary Society of Animal Behavior (AVSAB), kritisierten im Jahr 2009, dass Cesar Millan mit "aversiven Trainingsmethoden" arbeite, um so ein entsprechendes Verhalten bei den Tieren zu erzwingen.

2012 forderte der Berufsverband der "Hundeerzieher und Verhaltensberater" vom Sender Sixx, die Sendung "Der Hundeflüsterer" einzustellen. "Millan arbeite mit Strafe, die therapierten Hunde seien keineswegs resozialisiert und stellten eine Gefahr für die Halter dar, da ihre Reaktionen absolut unberechenbar seien", hieß es in der Begründung. Kritisiert wird auch, dass der Hundetrainer immer wieder Stachelhalsbänder einsetzt, um den gewünschten Erfolg bei den Hunden zu erzielen. (juh)

Egal, wie alt der Hund ist, ob er als Problemfall gilt oder nicht, man kann jedem Vierbeiner etwas beibringen.Cesar Millan, Star der TV-Serie "Der Hundeflüsterer"
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