"Schicksals-Akkord" mit der Musikbühne Mannheim
Merkwürdiges Bühnenstück

Kultur BY
Bayern
23.04.2013
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Auf der einen Seite ein weißes Sofa und ein Stuhl, auf der anderen Seite ein Flügel, und auf einem Sockel thront die Büste Wagners. Eigenartig, ja etwas grotesk mutete diese Kulisse an, die die Musikbühne Mannheim für ihr Schauspiel "Schicksals-Akkord" am Freitagabend auf der Bühne der Bayreuther Stadthalle aufgebaut hatte. Denn eben im Anblick jener Büste spielte sich das Geschehen um die Dreiecksbeziehung zwischen Richard Wagner, Hans von Bülow, dem Freund und Diener des großen Meisters, und seiner Frau Cosima ab.

Licht aus, Licht an

Alles stand im Zeichen der Proben für die Uraufführung von "Tristan und Isolde". Gerade arbeitete Bülow noch an einem spielbaren Klavierauszug zu Tristan und musste miterleben, wie der von ihm bewunderte Komponist ihm seine Frau Cosima ausspannt - sehr zum Leidwesen ihres Vaters Franz Liszt. So wurde der berühmte leitmotivisch gebrauchte Tristan-Akkord, der sich bis heute einer allgemein akzeptierten Deutung entzieht, zu einem dramatischen Schicksalsakkord.
Doch ebenso undurchsichtig wie die Harmonik jenes Akkordes war auch der Handlungsstrang des musikalischen Bühnenstückes von Eberhard Streul. Zugegeben, der Regisseur setzte eben nicht auf eine fortlaufende Handlung, sondern auf eine Vielzahl von Szenen, die das komplizierte Beziehungsgeflecht der drei Protagonisten darstellen sollten. Doch musste dazu wirklich nach jeder Szene das Licht auf der Bühne ausgehen?

Perfekte Besetzung

Etwas anderes hingegen gelang ganz vorzüglich, nämlich die Besetzung der Rollen. Dirk Mühlbach brillierte als von seinen Gefühlen gebeutelter Hans von Bülow, Ilona Schulz mimte wunderbar die teils verzweifelte Cosima und Johannes-Paul Kindler überzeugte als Genie Richard Wagner. Michael Schneider gab einen ausdrucksstarken Franz Liszt, Ingo Wackenhut als König Ludwig II. einen guten Gönner Wagners, und Daniela Grundmann war mit ihrer schönen Sopranstimme eine perfekte Malwina Schnorr von Carolsfeld.

Das Stück war so facettenreich wie die bizarre Dreiecksbeziehung. Dabei wurde Wagner immer als der große Meister geschildert, der Ruhm und Anerkennung braucht wie die Luft zum Atmen: "Schönheit, Glanz und Ehre muss ich haben. Ich kann nicht leben auf einer Organistenstelle wie euer Meister Bach." Als der Vorhang fiel, blieben die Zuschauer etwas ratlos zurück. Offen blieb nicht nur die Frage nach einem klaren Handlungsstrang, sondern auch der merkwürdige Schluss.
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