Schönheit im Staatstheater Nürnberg
Mit Jungfernblut in faltenfreie Zukunft

Gräfin Erzsébet Báthory (Nicola Lembach) hat ihre eigenen Mittel, um dem Geliebten Akos (Frederik Bott) zu gefallen: Mit dem Blut von Jungfrauen kämpft sie gegen das Verblassen der Schönheit. Foto: Marion Bührle
Kultur BY
Bayern
23.12.2016
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Die ungarische Gräfin Erzsébet Báthory in Nino Haratischwilis Stück "Schönheit" könnte glücklich sein. Die Kinder sind aus dem Haus. Finanziell hat sie ausgesorgt. Nach dem Tod ihres Mannes regiert sie das Land - weise und besonnen. Trotzdem fühlt sie sich einsam.

Nürnberg. Zwar beweist ihr Ratsherr Horvat Drugeth (Stefan Lorch) mit seinen Schmeicheleien, dass sie durchaus noch begehrenswert ist. Aber machthungrige Männer gieren nach ihrem Geld und Einfluss. Intrigen werden geschmiedet. Und ihr Blick in den Spiegel zeigt, dass auch Schönheit ein vergängliches Gut ist. "Schönheit", heißt das aktuelle Werk der 33-jährigen Erfolgsautorin Nino Haratischwili, die bereits 20 Theatertexte verfasst und elf Förderpreise gewonnen hat.

Einsamkeit der Mächtigen

Die Legende von der machtbesessenen Gräfin hat sie kurzerhand in eine aktuelle Geschichte umgestrickt, deren Titel so lautet: von der Einsamkeit der Mächtigen und vom Schlankheitswahn der Schmächtigen. Schwierig gestaltet sich bei Haratischwili aber die Brücke von der eitlen Gräfin des 17. Jahrhunderts, die Jungfrauen abschlachtete, um sich mit deren Blut zu verjüngen, ins Jetzt. Statt zum roten Lebenssaft greifen Frauen (und auch Männer) doch heute eher zu anderen "Lebenselixieren": Diäten, Sport, Skalpell.

Auch Petra Luisa Meyer, die das Stück für das Nürnberger Staatstheater aufgepeppt hat, lässt solche Themen links liegen. Sie setzt auf den Eros des jungen Akos, der im Schloss der Gräfin ein Fest für das Volk organisiert. Erzsébet zeigt ihm, wie der Hase beziehungsweise Hund läuft: Völlig nackt muss Akos (mutig und beeindruckend: Frederik Bott) vor ihr auf allen Vieren kriechen, bellen wie ein erbärmlicher Köter und untertänig ihre Hände schlecken. Erst aus der Erniedrigung der Männer, die sonst nur auf ihre Macht aus sind, entsteht eine Liebe, die sie nicht mehr loslässt. Man sieht: Auch Frauen beherrschen das knechtende Spiel mit Menschen, um der inneren Leere Herr zu werden.

Während die Inszenierung an manchen Stellen zu sehr ins Groteske und Übertriebene abdriftet, gibt es zwei Punkte, die den Besuch der "Schönheit" dennoch lohnen. Einmal ist es das Bühnenbild von Stefan Brandtmayr. Eine große Plastikscheibe trennt Innen- und Außenwelt voneinander ab. An ihr drücken sich Bedienstete und Rivalen die Nase platt, wenn sie neidische Blicke auf den Reichtum der Gräfin werfen. Zweitens die durchgehend überzeugende Leistung der Schauspieler.

Gnadenlose Herrscherin

Herausragend ist an dieser Stelle Nicola Lembach in der Hauptrolle der Gräfin Báthory. Wandlungsreich schlüpft sie in die unterschiedlichen Charaktere dieser gnadenlosen Regentin. Von der Domina über die sanfte und lebenslustige Liebhaberin bis hin zur kommandierenden Herrscherin entfaltet sie alle Facetten schauspielerischen Könnens.

Und dann ist da noch ihr zweites Talent, das Zeichnen: Einfach klasse, wenn sie auf einem großen Spiegel fingerfertig und flink ihren geliebten Akos ins Bild rückt. Auch die riesigen fleischfressenden Pflanzen an den Wänden hat sie sich ausgedacht. Letztlich ist es Nicola Lembach, die dem textlich armen Stück reichlich "Schönheit" verleiht .
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