Wegen Renovierungsarbeiten: Dresdner Meisterwerke zu Gast in der Münchner Hypo-Kunsthalle
Reinste Quellen der Kunst

Kultur BY
Bayern
30.08.2014
4
0
Renovierungsarbeiten in der Dresdner Gemäldegalerie machen es möglich. 100 Meisterwerke sind bis 23. November in der Münchner Hypo-Kunsthalle zu sehen. Unter dem Titel "Rembrandt Tizian Bellotto" durften die Bilder auf "Dienstreise" gehen und sollen nun im Süden Deutschlands den Geist und Glanz der Epoche von August dem Starken (1670-1733) vermitteln. Er und sein Sohn August III. (1696-1763) waren begeisterte Kunstsammler, die im 18. Jahrhundert ihre Schätze zusammentrugen. Sie verpflichteten Maler wie den Franzosen Louis de Silvestre oder den Italiener Bernardo Bellotto als Hofkünstler.

Gemälde dürfen wirken

So teilen sich nun die Venedig-Bilder von Canaletto, der eigentlich Antonio Canal hieß, gemeinsam eine große Wand. Während in Dresden die Tradition der engen barocken Hängung in Zweier- und Dreierreihen gepflegt wird, dürfen die Gemälde in München für sich wirken. Für die "Sixtinische Madonna" von Raffael galt jedoch ein Transportverbot. Die Muttergottes, zu deren Seiten Papst Sixtus II. und die heilige Barbara knien, musste daheimbleiben. Genauso wie die zum Gemälde gehörenden zwei melancholischen Engel, die längst selbst zu bekannten Werbeträgern gewordenen sind.

Die Besucher können sich aber ersatzweise an einer Videoarbeit des zeitgenössischen Künstlers Christoph Brech erfreuen. Er hat für seine Arbeit die regulären Reinigungsarbeiten im Museum künstlerisch begleitet. Herausgekommen ist ein 3:31 Minuten dauerndes Video. Es zeigt, wie einige Meter vor Raffaels Original die Glasscheibe eines anderen Gemäldes gereinigt wird.

In diesem Verwirrspiel wird das Glas mit einem Putzmittel eingesprüht, so dass die Madonna dahinter verschwindet. Zwei Wischlappen sorgen dafür, dass der Blick auf die Madonna mit Kind wieder frei wird.

Vor allem aus Repräsentationsgründen fing der sächsisch-polnische Königshof an, eine gehaltvolle Kunstsammlung aufzubauen. Ein Netzwerk von fachkundigen Diplomaten sorgte dafür, dass Werke aus Italien, Frankreich und den Niederlanden an die Elbe gelangten. Dazu gehören etwa Rembrandts "Ganymed in den Fängen des Adlers" oder Carraccis "Der Genius des Ruhms". Verkaufsverhandlungen konnten bis zu zwei Jahren dauern, erzählt Bernhard Maaz, Direktor der Dresdner Gemäldegalerie.

Große Namen

Schon damals waren es große Namen, die die Herrscher ihr Eigen nennen wollten. Dabei konnte es passieren, dass ein Michelangelo sich später als ein Rubens herausstellte, der die "Leda mit dem Schwan" von seinem Vorbild kopiert hatte. Stillleben, Landschaften und Porträts gehörten zu den Sujets der Maler. Auch biblische Motive waren natürlich vertreten, etwa der heilige Hieronymus von Anthonis van Dyck, aber auch von Guido Reni und Luca Giordano. Sie laden den Betrachter zum "vergleichenden Sehen" ein, wie Maaz betont.

Beeindruckt ist auch De Silvestres "Christus am Kreuz aus Wolken gebildet". Die Anregung erhielt er aus einer "göttlichen Wolkenvision", die er und andere am 19. Mai 1734 beobachtet haben wollen. Als Schmuck des königlichen Schlafgemachs diente ursprünglich Anton Kerns grausames Bild vom Kindermord in Bethlehem, bevor es dann doch in die Gemäldegalerie wanderte. Viel lieblicher ist die "Heilige Nacht" von Carlo Maratta. Der kopierte sein altes Fresko "Anbetung der Hirten" in der römischen Kirche Sant'Isidoro". Inmitten des in dunklen Farben gehaltenen Werks fällt der Lichtspot auf Maria mit dem Kind im Arm. Ihr über die Schulter gucken derweil neugierig drei kleine Engel.

Hoffnung auf Anstellung

Der Kunsthistoriker Johann Joachim Winckelmann gehörte zu den häufigen Besuchern der Galerie. Hier fand er die "reinsten Quellen" der Kunst, wie er schrieb. "Glücklich ist, wer sie findet und schmeckt." Ob er dabei auch an Pierre Subleyras Darstellung von Christus, der sich als Gast bei einem opulenten Mal des Pharisäer Simon aufhält, dachte? Der Maler schickte das Gemälde an Kurprinz Friedrich, in der Hoffnung auf eine Anstellung. Doch daraus wurde nichts. Friedrich hatte sich über Subleyras geärgert, weil er sich auf einem Porträt von ihm zu dick dargestellt fand.

___

Weitere Informationen im Internet:

http://www.kunsthalle-muc.de
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.