13.08.2005 - 00:00 Uhr
Deutschland & Welt

Wiener Operettenbühne gastiert mit Karl Millöckers "Bettelstudent" auf der Felsenbühne der ... Liebe siegt über Gaunerei und Politik

von Rudolf BarroisProfil

Ein beleidigter Offizier, schöne selbstbewusste Frauen, couragierte junge Männer, prächtige Kostüme und eine Story, die alles bietet, was das Herz eines Freundes der gehobenen Unterhaltungsmusik höher schlagen lässt: Karl Millöckers Operette "Der Bettelstudent" erfüllt von Hause aus alle diese Voraussetzungen. Wenn sie noch gut gespielt und schön gesungen wird, wie auf der Luisenburg, ist es das reinste Vergnügen.

Spielfreude, Temperament und Musik vom Feinsten erlebten die Zuschauer, die die Ränge der Felsenbühne bei der Premiere bis beinahe auf den letzten Platz füllten. Wie Perlen reihten sich die Juwelen bekannter Melodien aneinander, eingeleitet von dem beleidigten Obersten Ollendorf, seines Zeichens sächsischer Gouverneur in Krakau. Der nämlich war von einer jungen Dame, die er auf die Schulter geküsst hatte, mit dem Fächer geschlagen worden. Zudem war ihm ein Brief in die Hände gefallen, in dem die Mutter der schlagkräftigen jungen Dame, eine verarmte Gräfin, die Sachsen als ungehobelte und hochgestochene Soldateska bezeichnet.

Diese Schmähung seiner Person und seiner Truppe will Ollendorf rächen, indem er der Dame einen Schwiegersohn weit unter Stand unterjubelt. Der ist rasch im Gefängnis in Person des jungen Symon gefunden. Mit 10 000 Talern ausgestattet und in Begleitung seines Kumpans Jan, der in Wirklichkeit ein gesuchter rebellischer Adeliger ist, erobert Bettelstudent Symon im Gewand eines Grafen das Herz der Schönen, während sich Jan der hübschen Schwester zuwendet.

Die Liebe erzeugt aber nun Reue beim Bräutigam. Und obwohl der allgegenwärtige Ollendorf eine Aufdeckung zunächst verhindern kann, fliegt alles auf. Die polnischen Rebellen dominieren über die Sachsen, die Paare sind glücklich und Ollendorf ist am Ende der Gefoppte.

Die Operettenbühne Wien, seit Jahren schon Garant flotter Unterhaltung in der ausklingenden Festspielzeit auf der Luisenburg, hat auch diesmal nicht enttäuscht: Alois Walchshofer ist ein robuster, amüsanter Ollendorf, voller Spielfreude und Temperament, ist auch stimmlich beeindruckend. Heidi Hofer spielt die veramte Gräfin Nowalska mit Verve und Charme. Temperamentvoll und liebenswert Laura, dargestellt von Theresa Gartner, und ihre Schwester Bronislawa (verkörpert von Petra Halper). Die drei Damen glänzen mit strahlendem Sopran.

Alois Haselbacher singt den Bettelstudenten mit tenoraler Leichtigkeit, während Laszlo Maleczky als Jan durchaus einen temperamentvollen Helden abgibt, darstellerisch und sängerisch. Spielfreude und stimmliche Präsenz zeigen auch Michael Popas, Klaus Marten und Martina Stuber als Ordonanz des Obersten. Ein Kömödiant erster Ordnung ist Walter Jennewein in der Rolle des Gefängnisdirektors Jennewein.

Das Orchester, umsichtig geleitet von Wichmann, zeigte präzise Präsenz, Bühnenbild und Kostüme sind prächtig, geben einen lebensfrohen Rahmen ab für ein Ensemble, das eine musikalische Perle nach der anderen ins Publikum wirft. Heinz Hellberg, Leiter und Motor der Wiener Operettenbühne, setzte auch diesmal auf traditionelle Inszenierung. Der tosende Beifall eines begeisterten Publikums gab ihm Recht.

Weitere Aufführungen der Operette sind am 13. bis 17 August, jeweils um 20 Uhr. Am 13. und 14. August gibt es um 15 Uhr eine Nachmittagsvorstellung.

Weitere Bilder:

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