Woodstock-Legenden: Rockband Ten Years After brilliert bei den 22. Rother Bluestagen - Junger ...
Unverwüstliche Klassiker in absoluter Hochform

Kultur BY
Bayern
18.04.2013
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Es sind nicht zehn, sondern mindestens 30 oder 35 Jahre "danach" für die meisten Fans vergangen. Jetzt ist die Band wieder da, und um es kurz zu machen: Sie ist saugut! Ten Years After, Woodstock-Legenden, Rockmusik-Ikonen der siebziger Jahre, touren wieder, Jahrzehnte nach der Ära Alvin Lee. Bei den Bluestagen in Roth füllen sie den Saal mühelos mit Fan-Oldies aus ihrer Zeit, und dann geht es auch schon los - schließlich ist es 20 Uhr, man ist pünktlich in dieser Generation.

Senioren in Spiellaune

Leo Lyons hängt sich seinen uralten Fender-Bass um: "Bass-Centre Woodstock" steht auf dem abgewetzten Teil, und der weißhaarige, fast 70-jährige Musiker, Produzent und Songwriter legt glücklich grinsend eine geradezu infernalische Spielfreude an den Tag. Er hat einen komplett eigenen Stil entwickelt, der sich eng an die Sologitarre anlehnt. Hinter den Drums thront Ric Lee, fast 68 Jahre und fit auf den Punkt. Sein Standard-Solo "The Hobbit" fasziniert noch immer. Organist Chick Churchill, 67, mit dem Habitus eines pensionierten Musiklehrers, bedient die Tasten klassisch wie eh und je. Die Gründungsmitglieder von Ten Years After wirken wie ein zwar alter, aber gut geölter, perfekt eingefahrener Acht-Zylinder-Diesel. Sie haben Bluesrock gelernt, Jahrzehnte dominiert und beweisen das auch auf der Bühne in Roth - ein echter Glücksgriff der Veranstalter.

Die guten alten Zeiten

Dass auf der Bühne alles so gut funktioniert, verdanken die drei Senioren aber einem im Vergleich zu ihnen blutjungen Bandmitglied: Joe Gooch an der Leadgitarre hat mit seinen 35 Jahren die Aufgabe übernommen, Alvin Lee zu ersetzen - und was soll man sagen, er hat es drauf! Selbstbewusst übernimmt der Junge Gesang und Soli, er spielt wie aus einem Guss, wird im Verlauf des Abends immer schneller und lässt am Ende keinen Zweifel daran - er ist der legitime Nachfolger des (übrigens am 6. März verstorbenen) Ex-Gitarristen.

Diesem widmen die drei Altgenossen ein Lied: "Love like a man". Joe Gooch setzt seinem Vorgänger einen musikalischen Nachruf, den er dann bei "I can't keep from crying sometimes" individualisiert: Er zitiert im Verein mit Leo Lyons fast alle großen Riffs der Rockgeschichte bis hin zu "Smoke on the water". Applaus für den "Jungspund", der mit allen Fingern virtuos auf seiner Stratocaster-Custom tanzt. Hier kommt einer der ganz Großen.

Aber auch die anderen Drei bekommen ihre Chance auf ein Solo - sie nutzen sie professionell, die sympathischen Oldies mit dem mächtigen Wumms. Fast zwei Stunden lassen sie die alten Zeiten wieder aufleben: Gut, dass es sie noch gibt. Diesen Stil bringt von den Jungen keiner mehr zuwege. Joe Gooch natürlich ausgenommen.
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