03.07.2004 - 00:00 Uhr
Deutschland & Welt

"Annäherungen" heißt die gemeinsame Ausstellung von Gerhard Wagner und Matthias Nürnberger Alltag - verwischt, unscharf und in Plastikfolie

von Josef Maier Kontakt Profil

Malerei und Fotografie berühren sich. "Annäherungen" heißt das gemeinsame Projekt von Gerhard Wagner und Matthias Nürnberger, das zur Zeit in einer Sonderausstellung im Wunsiedler Fichtelgebirgsmuseum zu sehen ist.

Die Gemälde und Objekte des Kunsterziehers am Wunsiedler Luisenburg Gymnasium, Gerhard Wagner, und die großformatigen, am Computer bearbeiteten Fotografien des Grundschullehrers Matthias Nürnberger aus Arzberg treffen in der Schau aufeinander. Sie verfolgen ein gemeinsames Konzept, nähern sich an und verschmelzen zum Teil miteinander.

Wagner macht Kunst aus Plastikfolien aus dem Baumarkt, die er mit dem Brenner bearbeitet. Das Material schmilzt, Löcher werden eingebrannt und das Ganze zu einer Plastik geformt. Oder die bemalten und geschmolzenen Streifen hängen von der Decke. Seine blutigen "Selbsthäutungen" lassen in das Leibesinnere blicken, sie erinnern an die "Körperwelten" von Gunther von Hagen.

Großformatige Bilder, die er mit der Digitalkamera in der Region eingefangen hat, zeigt Nürnberger. Mit Hilfe des Computers verarbeitet er die Fotos weiter. Mehrere Bilder werden verbunden, Teile ausgeschnitten, kopiert und an anderer Stelle wieder eingesetzt. Eine reale Zuordnung von Ort und Zeit ist nur noch fragmentarisch möglich. Alles verwischt, wird unscharf. Schaufenster werden zum Bildmotiv. Darin spiegelt sich wie auf einer Riesenleinwand das alltägliche Leben.

Die Bilder einer verfallenen Industrieruine sind besonders beeindruckend. Sie spiegeln die Empfindungen wieder, die den Fotografen bewegten: düster, marode, kalt und zugleich doch faszinierend. Hier beginnt auch die Annäherung an die Malerei von Gerhard Wagner. Der Ort ist vielschichtig, die beiden Künstler haben ihn gemeinsam entdeckt und ihre Eindrücke umgesetzt: "Ist es eine Kathedrale oder eine Fabrik?", so fragen sie. "Abgelaufen" ist der Titel eines Folienbildes von Wagner, das einen Blick in die Industrieruine und damit auch in die wirtschaftlich angeschlagene Region zeigt. Die Ausstellung zeigt Dunkles, Kaputtes, Liegengebliebenes, Verwirrendes und wirft einen flüchtigen Blick auf Alltägliches. Den Betrachter fordert sie auf, nicht die Augen vor den zur Gewohnheit gewordenen Katastrophen zu verschließen.

Bis zum 8. August ist sie noch im Fichtelgebirgsmuseum zu sehen, dienstags bis sonntags von 10 bis 17 Uhr.

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