Das deutsche Stromnetz ist Spielwiese privater Investoren: Experteninterview zur Energiewende, ...
Die Netzbetreiber als Preistreiber

Die stellvertretende Grünen-Fraktionschefin Bärbel Höhn hat die Energiekonzerne aufgefordert, die gefallenen Einkaufspreise an der Strombörse an die Kunden weiterzugeben. Bild: dpa
Lokales
Bayern
17.04.2013
1
0

"Bei den Netzen geht's um wahnsinnige Renditen", deutet Siegfried Schröpf an, wo das Geld der Verbraucher hinwandert. Im Experteninterview diskutieren der Solarunternehmer und HAW-Professor Stefan Beer die Energiewende.

Steigende Preise spiegeln nicht die wahren Kosten wider, sagt Energieökonomin Claudia Kemfert. Warum kommen die gesunkenen Preise nicht beim Verbraucher an?

Beer: Die Strompreise in Leipzig stagnieren bei sechs Cent/kWh, aber es kommen noch etliche Kosten dazu. Schröpf: Die reinen Produktionskosteliegen liegen bei 20 Prozent. Beer: Die Netze gehören einer holländischen Firma mit Garantierendite von neun Prozent. Das ostdeutsche Netz ist in der Hand der belgischen Elia, das ehemalige RWE-Netz in der von Amprion, einer Tochter der Commerz Real. Dazu kommen die Steuern. Die Kommunen verlangen eine Konzessionsabgabe von sieben Prozent nur dafür, dass der Strom über ihr Gebiet verläuft. Schröpf: Bei den Netzen geht's um wahnsinnige Renditen. Beer: Die Gewinne der Energiekonzerne sind geschrumpft, die Börsenzahlen im Keller. Schröpf: Sorgen machen würde ich mir jetzt aber um die Konzerne nicht. Auch die zehn Milliarden Euro Jahresgewinn, den die vier großen Konzerne noch kürzlich auswiesen, wurden von Hartz-IV-Empfängern mitbezahlt. Beer: Das ist schon richtig, sie kommen von einem hohen Level. Aber nur 30 Prozent des Preises wird von den Energieversorgern geprägt.
Wird der Strom billiger, wenn wir die Akw weiterlaufen lassen?

Beer: Kurz- bis mittelfristig ja, weil es abgeschriebene Anlagen sind. Aber auch deren Brennstoff ist knapp und wird deshalb immer teurer. Schröpf: Der rot-grüne Ausstiegsbeschluss war gut, weil er sich an Laufzeiten orientierte. Diese Panik nach Fukushima hat den Strom verteuert. Beer: Die Politik ist zu hektisch, gerade in der Solarbranche. Man fährt die Vergütung entlang einer planbaren Rampe langsam runter, das ist handwerklich schlecht gemacht.

Die Genossenschaft "BürgerEnergie Berlin" will künftig ein eigenes Stromnetz in Berlin betreiben. Ein Modell auch für die Oberpfalz?

Beer: Das kann man machen, aber volkswirtschaftlich bringt's nichts. Sie können die Rendite runterfahren, aber sie haben die gleichen Probleme, müssen ausregeln, für den Verbraucher ändert sich nichts. Schröpf: Ich wäre da nicht so pessimistisch. Könnte es nicht funktionieren, eine Region wie die Oberpfalz mit Solar-, Wind-, Wasserenergie plus Gas- und Blockheizkraftwerken autark zu managen? Beer: Das sieht sexy aus, aber wir haben außen herum einen Markt, müssen Fachleute vorhalten, blähen einen Wasserkopf auf, müssen betriebswirtschaftlich kalkulieren - können wir das in der Region günstiger als ein Großer? Genau das machen die Stadtwerke, die machen die Kundenabrechnung, das ist ein Riesenaufwand, der Geld kostet. Schröpf: Wir brauchen die Vernetzung, da stimme ich zu, aber auch eine Dezentralisierung. Ich möchte, dass so ein hochmodernes Werk wie in Ingolstadt mit verträglichem Tarif für Eon kommt.

___

Die Langversion des Interviews lesen Sie auf www.oberpfalznetz.de/wirtschaftskraft
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.