Demografische Entwicklungen als Herausforderungen für Unternehmen und Gesellschaft
Arbeitsmarkt vor dem Umbruch

Die Entwicklung einer neuen Unternehmenskultur wird elementar.
Lokales
Bayern
17.04.2013
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Der demografische Wandel macht auch nicht vor den Nordoberpfälzer Werks- und Firmentoren Halt: Die sinkenden Bevölkerungszahlen und die Veränderungen in der Altersstruktur wirken sich direkt und indirekt auf den Arbeitsmarkt aus. Der Wandel wird oft als Bedrohung oder Gefahr gesehen. "Firmen und Gesellschaft sollten aber die Herausforderungen annehmen und schon heute die richtigen Weichen stellen", rät Professor Dr. Lothar Koppers.

Der Demografie-Experte kann dabei auf Erfahrungswerte aus Ostdeutschland zurückgreifen, wo der Wandel schon weiter fortgeschritten ist. Er lehrt an Hochschule Anhalt in Dessau. Zudem ist er Direktor des Instituts für angewandte Geoinformatik und Raumanalysen (Agira) mit Sitz in Dessau und Waldsassen.

"Wir werden ein Abbild der demografischen Entwicklung auf dem Arbeitsmarkt erkennen können", erklärt Koppers. Eine sinkende Bevölkerungszahl sei gleichzusetzen mit weniger Arbeitskräften. Zudem könnten die Veränderungen in der Alterspyramide auf den Arbeitsmarkt projiziert werden: mehr ältere und weniger junge Leute.

Weniger Auszubildende, eine geringere Anzahl an Fachkräften und eine Zunahme der Gruppe der älteren Arbeitnehmer seien die offensichtlichsten Auswirkungen. Die demografischen Verschiebungen wirken sich für die Betriebe allerdings nicht nur im personellen Bereich aus. Sie beeinflussen auch die Kundenseite im Hinblick auf die Produktentwicklung. Ältere Kunden haben auch andere Bedürfnisse.

Ältere als Potenzial

Firmen bekämen schon bald Schwierigkeiten bei der Gewinnung von Nachwuchs, so Koppers. Daher sei es fatal, die älteren Arbeitnehmer zu vernachlässigen. Eine Nichtberücksichtigung gehe mit Erfahrungs- und Know-how-Verlust einher.

Zukünftig werde daher der Ersatzbedarf an Fachkräften höher und die Anforderungen für die Betriebe steigen. "Die Entwicklung einer neuen Unternehmenskultur wird daher elementar."

Ansatzpunkte seien die verstärkte Qualifizierung älterer Mitarbeiter, flexible Arbeitszeitmodelle, mehr Nachwuchsförderung, betriebliche Weiterbildungen, Kinderbetreuungsangebote und Gesundheitsprävention. Auch rücke immer mehr der Wissenstransfer von älteren an jüngere Mitarbeiter in den Mittelpunkt.

Koppers verweist außerdem auf die Konsequenzen in indirekten Bereichen. Eine davon sei die Betriebsnachfolge, da es immer weniger geeignete Nachfolger gebe. "Viele setzen sich mit diesem Thema nicht ausreichend oder zu spät auseinander." Bei der Zusammenführung der Themen Demografie und Arbeitsmarkt dürften auch nicht die zukünftig geringe Kaufkraft und sinkende Immobilienwerte vernachlässigt werden.
Zudem erwartet der Experte ein stärkeres Auseinanderdriften zwischen den Bildungsabschlüssen und Arbeitsangeboten. Das heißt: "Gerade für höhere Bildungsabschlüsse gibt es im Bereich der verlängerten Werkbänke der Region und im Handwerk noch zu wenig Stellen." Dabei hätten die Unternehmen eine große Chance, den Nachwuchs vor Ort zu binden, wenn sich in diesem Punkt etwas ändere.

Neue Firmenausrichtung

Einen weiteren Ansatzpunkt für Betriebe sieht Koppers in der Gruppe der jungen Frauen. "Trotz ihrer besseren Schulabschlüsse sehen sie sich in der Berufswelt noch vielen Vorurteilen ausgesetzt", verweist er auf nicht genutztes Potenzial. Neben den älteren Arbeitnehmern rücke diese Gruppe immer mehr in den Fokus der Firmen.
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