Die Kammern sind mit der Entwicklung der vergangenen Jahre zufrieden - und blicken optimistisch ...
"Die Oberpfalz ist Aufstiegsregion"

Rückblick positiv - Ausblick positiv: Johann Schmalzl (links), Amberger IHK-Chef, und Hans Stark, Präsident der Handwerkskammer Niederbayern-Oberpfalz, haben derzeit wenig Grund zu klagen. Archivbilder: Hartl, Huber
Lokales
Bayern
17.04.2013
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Ein Unternehmer, der nicht jammert, ist nicht gesund? Wenn das stimmt, muss man sich ernste Sorgen um die Wirtschaft in der Oberpfalz machen. Von brummenden Geschäften spricht Hans Stark, Präsident der Handwerkskammer Niederbayern-Oberpfalz. Von "Konsolidierung auf hohem Niveau" nach "drei sehr guten Jahren" berichtet Johann Schmalzl, Leiter der Amberger Geschäftsstelle der Industrie- und Handelskammer. Grund zur Klage gibt es bei den Oberpfälzer Unternehmen derzeit kaum.

Beispiel Handwerk: "Die Stimmung ist gut", sagt Stark, die Auftragspolster seien prall. Das belege auch die jüngste Umfrage unter den Mitgliedern vom vierten Quartal 2012. Zufrieden äußerten sich diese, so Stark - wobei er einschränkt, das Gesamtbild sei "verhalten positiv".

Verhalten deshalb, weil einige Betriebe saisonbedingt weniger zu tun haben. Bei anderen mag auch die Sorge vor der Schuldenkrise eine Rolle gespielt haben. Unterm Strich aber, so Stark, gebe es zumindest nicht viel Negatives zu vermelden.

Positive Krise

Was auch mit der Krise zusammenhängt. Die Zinsen sind niedrig, deshalb investierten viele ihr Geld lieber in die energetische Sanierung ihrer Häuser - oder finanzierten gleich günstig einen Neubau. Die Angst vor hohen Strompreisen tue ihr Übriges, um die Auftragsbücher von Heizungsbauern, Dachdeckern und anderen Handwerkern zu füllen, erläutert Stark.

Eine latente Gefahr für die gute Stimmung gebe es allerdings doch: Der "größte Stolperstein" sei der Fachkräftemangel, der sich besonders im Norden der Oberpfalz bemerkbar mache. Allerdings, auch das sagt Stark, hätten die Betriebe das Problem mittlerweile erkannt. "Da findet ein Bewusstseinswandel statt."
Wichtig sei, potenziellen Mitarbeitern gute und interessante Arbeit zu bieten, vielleicht die Löhne etwas anheben und andere "kleine Zuckerl" anzubieten. Und: "sie menschlich zu behandeln."

Daran habe es bei dem ein oder anderen tatsächlich manchmal gehapert. Dabei sei genau das ja das Plus, mit dem das Handwerk beim Wettbewerb um Fachkräfte punkten könne. Denn "die großen Konzerne können mehr zahlen, aber nicht so menschlich sein". Im Handwerk kenne der Chef seine Mitarbeiter und deren private Situation, könne darauf eingehen. "Und er hält seine Mitarbeiter auch, wenn's mal nicht so gut läuft."

Argumente fürs Handwerk

Mit solchen Argumenten werde das Handwerk auch weiter Nachwuchs gewinnen. Zwar "gibt es noch immer Betriebe, die das nicht kapiert haben und dann jammern, dass ihnen die Leute weglaufen". Die anderen seien aber gut aufgestellt. Und überhaupt, appelliert Stark: Trotz solcher Probleme "sollten die Oberpfälzer nicht immer klagen". Vielmehr "müssten sie stolz sein. Wir sind die Aufstiegsregion."
Dieser Satz könnte auch von IHK-Mann Johann Schmalzl stammen. In der jüngsten Vergangenheit habe es sehr viele positive Entwicklungen gegeben, sagt er. Zwar stelle die IHK in der nördlichen Oberpfalz seit Herbst eine Wachstumspause fest. Eine Pause allerdings, die nach drei sehr guten Jahren folge, erklärt Schmalzl.

Zahlen, die eine solch optimistische Sichtweise zulassen, findet Schmalzl zuhauf. So sei beispielsweise der Umsatz in Amberg im verarbeitenden Gewerbe seit 2009 um stattliche 92 Prozent gewachsen. Auch die Landkreise in der nördlichen Oberpfalz meldeten 20 bis 40 Prozent Zuwachs. Einzig Weiden bilde eine Ausnahme, da hier Dienstleistungen im Vordergrund stünden.


"Grundlage für diese Erfolge war die Internationalisierung", erklärt Schmalzl. Die Unternehmen bemühten sich mehr um Exporte, hätten aber auch beim Einkauf ihren Fokus erweitert und sich in Märkten weltweit umgesehen. Ebenso wichtig für die Erfolge seien außerdem die immer besser qualifizierten Mitarbeiter und die "hohe Innovationskraft" der Unternehmen, durch die Oberpfälzer regelmäßig einen Vorsprung vor der globalen Konkurrenz hätten.

Ein gutes Beispiel dafür ist laut Schmalzl der Amberger Maschinenbauer Baumann. Das Unternehmen habe Fertigungstechnik für Photovoltaikanlagen entwickelt - "so effizient und gut, dass selbst die chinesische Industrie bei ihnen eingekauft hat".

Von solchen Entwicklungen profitieren laut Schmalzl auch die Arbeitnehmer. "Der Aufschwung ist auch bei den Menschen in der Region angekommen." Die Arbeitslosigkeit sinke, es sei leichter, einen Ausbildungsplatz zu bekommen. Hinzu kämen deutliche Lohnsteigerungen in einigen Branchen. "Generell haben die Menschen bessere Perspektiven."
Gerade in der Industrie dürften sich diese Perspektiven auch in Zukunft nicht verschlechtern, sagt Schmalzl. Hier seien die Unternehmen "zufrieden, und mit Blick auf die nächsten Monate wächst der Optimismus". Ausnahmen seien hier nur die gebeutelte Solarbranche und der Automotive-Bereich.

Etwas anders sehe es in der Bauwirtschaft aus. "Gespalten" seien hier die Aussichten. Während die Menschen ständig neue Häuser bauen, habe der Tiefbau damit zu kämpfen, dass die öffentlichen Ausgaben im Zuge der Sparanstrengungen sinken.

Ebenso uneinheitlich ist Schmalzl zufolge das Bild beim Handel. Zwar stiegen die Umsätze insgesamt leicht an. Allerdings "hat der stationäre Handel davon nicht stark profitieren können". Das Wachstum käme stattdessen vor allem dem Online-Handel zugute. "Durchaus optimistisch" sind dagegen die Unternehmen im Dienstleistungssektor, weiß Schmalzl aus einer Umfrage. Überhaupt gebe es gerade hier noch großes Potenzial für die Region, wo bislang nur Weiden den Wandel zum Dienstleistungsstandort hinter sich gebracht habe. An anderen Orten, sagt Schmalzl, gebe es hier durchaus "noch Wachstumsperspektiven".
Auch der Ausblick fällt also für die Oberpfälzer Wirtschaft weitestgehend positiv aus. Wenngleich Schmalzl einräumt, dass es durchaus auch Unwägbarkeiten gibt. Auch er nennt in diesem Zusammenhang natürlich die demografische Entwicklung. "Da müssen wir dringend gegensteuern, sonst droht uns ab 2020 ein ganz massiver Fachkräftemangel."

Abhängig vom Export

Ein weiterer Stolperstein ist Schmalzl zufolge die Abhängigkeit vieler Unternehmen von der Automobilindustrie im Besonderen und von den Exporten allgemein. Allerdings: Eine weltweite Wirtschaftskrise "zeichnet sich nicht ab". Außerdem "haben die Unternehmen gelernt" aus der jüngsten Krise. Sie haben ihre internationalen Abhängigkeiten laut Schmalzl auf verschiedene Branchen, verschiedene Regionen und Abnehmer verteilt. Wie es aussieht, hält die gute Stimmung also noch eine ganze Weile an.
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