Die Oberpfalz und ihre Vorzüge in hellem Licht: Florian Schläger legt Entwürfe für eine ...
Wo Kultur und Natur auf neue Ideen treffen

Hollywood? Nein, die Region ist reich an kulturell-bodenständigen Veranstaltungen mit eigenen Akteuren, Regisseuren und Autoren.
Lokales
Bayern
17.04.2013
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Der Schock sitzt immer noch ziemlich tief. Als eine Kölner Beratungsfirma das Profil des Regierungsbezirks erstellte und bundesweit 1300 Leute befragte, was ihnen denn spontan zur Oberpfalz einfiele, antworteten 56 Prozent außerhalb Bayerns: Nichts.

Die Erhebung der Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Beratungsgesellschaft Econ-Consult mit Sitz in Köln förderte auch noch weitere unerfreuliche Umstände zutage. Unter anderem die oft kolportierte Assoziation mit Wein (7,6 Prozent). Offenbar lag hier eine Verwechslung mit der Pfalz vor. Lediglich 3 Prozent brachten die Region mit Bayern in Verbindung. Dieses niederschmetternde Ergebnis stammt aus dem Jahr 2004. Ob sich Entscheidendes am Erscheinungsbild geändert hat, könnte nur eine zweite Erhebung belegen. Konsequenzen gab und gibt es. Das Regionalmarketing Oberpfalz mit seinen über 270 Mitgliedsfirmen poliert nach Kräften am Image des Bezirks. Der Oberpfalzrat, dem alle Landräte und Oberbürgermeister unter dem Vorsitz von Staatsministerin Emilia Müller angehören, gibt Denkanstöße.

Einer der Ansätze: Bevor wir nach außen gehen, müssen wir die Oberpfälzer erst einmal selber von den Vorzügen ihrer Heimat überzeugen. Das Grenzland-Denken und der Glaube, die Politik in München oder Bonn/Berlin werde es schon richten, steckt anscheinend selbst 20 Jahre nach dem Fall des Eisernen Vorhanges noch in den Köpfen. Anläufe gab es. Schließlich hatten es auch die Baden-Württemberger mit ihrer Kampagne "Wir können alles außer Hochdeutsch" geschafft, deutschlandweit Aufmerksamkeit zu erzielen. Aber die Kosten einer solchen Werbeaktion quer durch alle Medien klettern schnell in Millionenhöhe, sind also illusorisch.
Nun hat ein kreativer Kopf aus der Nähe Weidens dem Regionalmarketing drei Entwürfe präsentiert, die es verdient haben, sie sich näher anzuschauen. Florian Schläger hat seine Entwürfe "unverbindliches Vorkonzept" genannt und seine Motivation angefügt: Ihm, in Weiden geboren, in Schirmitz aufgewachsen und dort Inhaber einer Werbeagentur, lägen die "Heimatregion und deren Entwicklung sehr am Herzen". Wer mit dem 29-Jährigen spricht, der spürt, dass hier kein Profi-Texter mit Worthülsen um sich wirft. Das klingt nach Überzeugung und überzeugt, wenn er von dem "inspirierenden Umfeld" spricht, von Natur und Umwelt, die "nicht einengen, sondern ein weites Feld lassen für Ideen".

Florian Schläger hat sich also hingesetzt und sich seine Gedanken gemacht, wie denn eine Kampagne für seine Heimat aussehen könnte. Herausgekommen sind drei Vorschläge, die er in einer Präsentationsmappe zusammengefasst hat - ohne offiziellen Auftrag, auch ohne einen Gedanken an baldige und breit gestreute Umsetzung.

Drei "Claims" abgesteckt

"Leitbilder" hat er seine drei "Anwendungsbeispiele" genannt, die hier kurz umrissen sind:

Erstens: "Oberpfalz - Servus aus dem Herzen Europas". Grundgedanke dabei: Die Region ist weit offener, als wir selbst es glauben wollen. Sie spannt erfolgreich einen Bogen über Kultur, Tradition und Handwerk bis zu modernsten Unternehmen. Das Ganze gekoppelt mit dem althergebrachten, aber außer Mode gekommenen Gruß "Servus". Also verbindet er Bildmotive wie den Pfingstritt plakativ mit der Botschaft "Servus Tradition" oder das Foto einer Burgruine mit "Servus Kultur".

Zweitens: "Oberpfalz - die Schöne". Hier knüpft er an die ereignisreiche Geschichte an, die alten Handelsstraßen und die wiedergewonnene Rolle in der Mitte Europas. Die Plakatentwürfe zielen auch darauf ab, Fremde anzulocken und Alteingesessene von den Vorzügen zu überzeugen. Die großen Lettern lesen sich einprägsam wie "Unser neues Zuhause" und verweisen in kleinerer Schrift auf günstiges Bauen. Sie benennen "Die Schöne" als "Zukunftswerkstatt" und führen die Hochschule für angewandte Wissenschaften in Amberg-Weiden an.
Drittens und ganz besonders gelungen wegen der "Claims". So nennt der Werbetexter seine in Schlagworte gepressten Aussagen. Drei dieser Beispiele sind auf dieser und der nächsten Seite veröffentlicht. Unter dem rautenförmigen Bayern-Heimat-Logo ist zu lesen "Keine Anonymität. Gemeinschaft". Als Bildmotiv dient eine Gruppe junger Männer beim Hochstemmen des Maibaums mit Schwalben. Über das großformatige Bild des KTB-Bohrturms bei Windischeschenbach läuft die Schriftzeile "Keine Ölfelder. Forschung". Oder, über das Bild einer Freilicht-Aufführung: "Kein Hollywood. Festspiele". Besser lässt er sich kaum umsetzen, dieser Eindruck, den der Schläger-Kopf mit sich herumträgt und nun zu Papier gebracht hat.

Ein paar weitere dieser "Claims" lassen sich in der Mappe auch noch finden. Eine kleine Auswahl; "Oberpfalz - Ursprünglich. Ehrlich. Echt." Oder "Oberpfalz - Wo Kultur und Natur auf neue Ideen treffen".

Kreativität hat sich in der noch jungen Familie Schläger glücklich getroffen. Florian, der Werbefachwirt und Diplomkommunikationswirt, ist seit September 2012 mit Silvia verheiratet. Sie arbeitete lange als Bürokauffrau und verbucht seit wenigen Monaten respektable Erfolge mit ihrem Zoiglbier-Dressing, beliefert Feinkostläden mit ihrer Mixtur aus Gewürzen, Malz und Zoigl. Den Gebrauchsmusterschutz für ihre Rezeptur zur Verfeinerung von Salaten hat sie sich gesichert. Seit der Consumenta, der Verbrauchermesse in Nürnberg, zählt ihr Produkt zu den Top-Adressen in der Region.

Ehemann Florian steuerte zum Erfolg bei, entwarf Etiketten für die Flaschen und ein Logo. Hier kam ihm die fundierte Ausbildung zugute, die ihn zuletzt an die Bayerische Akademie für Werbung und Marketing (BAW) mit den Standorten in München und Nürnberg geführt hatte. Über 25 000 Absolventen erwarben sich seit 1949 hier ihr Rüstzeug nach dem Motto "So viel Theorie wie nötig, so viel Praxis wie möglich".

Man spricht oberpfälzisch

Schlägers junges Team aus freien Fotografen, Programmierern und Textern versteht sich als Dienstleister und Partner des Mittelstandes, den er als "Rückgrat" unserer Wirtschaft sieht. Handwerk, Handel und Industrie seien trotz weltweiter Exporterfolge doch absolut bodenständig geblieben. Man spricht dieselbe Sprache. Und bei Schläger hat sich der Eindruck verfestigt, dass auch die heranwachsende Generation mehr und mehr stolz ist auf die Heimat, gerne hier lebt und die eigene Zukunft in die Hand nimmt.
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