Dr. Wolfgang Schafhauser informiert über Behandlung bei Nierensteinleiden
Mit Laser und Stoßwellen

Lokales
Bayern
22.04.2013
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Über Nierensteinleiden referierte Privatdozent Dr. Wolfgang Schafhauser, Chefarzt der Klinik für Urologie und Kinderurologie, in den beiden Häusern des Klinikums Fichtelgebirge. Sein Fazit: Die Fallzahlen steigen zwar weltweit, aber auch die Therapiemöglichkeiten werden immer weiter verfeinert.

Dr. Wolfgang Schafhauser, der seit 2001 die Urologische Abteilung des Klinikums Fichtelgebirge leitet, sprach von einer Volkskrankheit: Mit circa 1,2 Millionen Erkrankungen pro Jahr, einer Zahl, die sich in den zurückliegenden 25 Jahren verdreifacht habe, komme man allmählich in Größenordnungen wie Diabetes oder Gicht. Auch die Ursachen ähnelten sich: Eiweiß- und kochsalzreiche sowie fette Ernährung, Bewegungsmangel und Übergewicht hätten zum großen Teil Schuld an den vielen Neuerkrankungen, die laut Statistik vor allem Männer zwischen dem 40. und 60. Lebensjahr betreffen. 55 Prozent der Steine seien Nierensteine, so der Referent, der Rest teile sich auf in Nierenkelch-, Harnleiter- und Blasensteine.
Behandelt werden müsse natürlich bei einer akuten Kolik. Schafhauser: "Aber auch bei geringen Schmerzen kann ein Stein unbehandelt zu Harnwegsinfekten, einer Schrumpfniere oder zur Einschränkung der Nierenfunktion führen."

Große Fortschritte

Eine Zäsur in der Steintherapie sah Dr. Schafhauser in den Innovationen der 80er Jahre. Vorher habe man oft lange auf spontane Steinabgänge gewartet, mit der sogenannten "Zeiss'schen Schlinge" gearbeitet oder schließlich als letzten Ausweg eine offene Nierensteinoperation vorgenommen, was bei mehreren Eingriffen manchmal zum Verlust einer Niere geführt habe. Mit der "Extrakorporalen Stoßwellenlithotripsie" (ESWL) habe man erstmals Steine berührungsfrei zertrümmern können, deren Fragmente dann vom Körper selbst ausgespült werden. Dieser narkosefreie Eingriff sei mittlerweile längst Standard; auch im Klinikum Fichtelgebirge habe man damit bereits mehr als 1800 Patienten erfolgreich von ihren Steinen befreit. Noch besser sei jedoch die Lithotripsie mittels eines Lasers, der mechanisch, nicht thermisch wirkt. Bei dessen erstmaligem Einsatz in der Universitätsklinik Erlangen hatte Dr. Schafhauser federführend mitgewirkt, wie ein Fernsehbericht von 2001 belegt. Von Anfang an war auch das Klinikum Fichtelgebirge mit einem solchen Lasergerät ausgerüstet und hat bis jetzt insgesamt rund 1300 Patienten damit behandelt.
Besonders stolz war der Chefarzt auf das "Uroskop Omnia", Röntgengerät und OP-Tisch in einem, der erste multifunktionale Urologie-Arbeitsplatz auf dem europäischen Markt, von dem es deutschlandweit nur 50 gibt. Ein solches Gerät steht seit Mai 2012 im Haus Marktredwitz des Klinikums Fichtelgebirge.

"Trinkprophylaxe"

Zu guter Letzt hatte Chefarzt Dr. Schafhauser noch Ratschläge für das richtige Verhalten nach einem Steineingriff dabei: Je nach Zusammensetzung der Steine sei die Rezidivrate unterschiedlich hoch; der behandelnde Arzt werde sicherlich bei Kindern und Jugendlichen, bei Einzelnieren oder familiärer Belastung besonders engmaschig kontrollieren; der Patient selber müsse eine Art "Trinkprophylaxe" durchhalten, das heißt mindestens 2,5 Liter harnneutrale Flüssigkeit pro Tag zu sich nehmen und außerdem auf ausgewogene Ernährung (nur einmal pro Woche Fleisch) achten. Zum Trinken empfehle er Leitungswasser - Mineralwasser enthalte oft zu viel Natrium und Kalzium - oder Früchtetee. Wobei ihm schon klar sei, so Schafhauser, "dass ein Bayer zwei Liter Bier leichter runterkriegen würde als zwei Liter Früchtetee".
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