Gespräch mit MHT-Betriebsratsvorsitzendem Andreas Bauer
"Keiner wird alleingelassen!"

MHT-Betriebsratsvorsitzender Andreas Bauer hat an den sozialen Regelungen der Firma entscheidenden Anteil.
Lokales
Bayern
17.04.2013
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Herr Bauer, Arbeitnehmerüberlassung, auch Zeitarbeit genannt, hat einen schlechten Ruf bei der Bezahlung. Wie läuft das bei MHT?

Die Firma schickt in Spitzenzeiten bis zu 70 Mitarbeiter ins benachbarte Rohrwerk, allerdings nur zur Flexibilisierung des Arbeitseinsatzes. Um es vorweg zu nehmen: Das, was die Kollegen dort verdienen, unterscheidet sich nur sehr wenig von der Bezahlung eines Rohrwerk-Stamm-Mitarbeiters.

Welches Modell liegt zugrunde?

Jedes MHT-Gehalt besteht aus Grundlohnsicherung, Erfolgsbeteiligung (ab einem Jahr Betriebszugehörigkeit voller Satz), zentrale Versorgungskasse als betriebliche Altersversorgung und Unterstützungskasse. Daraus ergibt sich ein Bruttogehalt, das in etwa dem eines Rohrwerkers entspricht. Es gelten die in Nordrhein-Westfalen vereinbarten "Equal-pay"-Regeln für Zeitarbeiter. Die MHT ihrerseits stellt dem Rohrwerk eine Rechnung. Die Ersparnis beim Auftraggeber liegt auch darin, dass keine Krankheits- oder Urlaubstage zur Bezahlung anfallen. Auch die Verwaltung liegt komplett bei uns.
Wie läuft das bei der MHT mit dem Urlaubs- und Weihnachtsgeld?

Wir standen vor sieben, acht Jahren vor der Lage, dass die Leistungen abgeschafft werden sollten. Wir haben uns aber gesagt: Lieber monatlich ein bisschen was als am Ende gar nichts. Wenn der Arbeitgeber uns entgegenkommt, bewegen wir uns auch, das war einhellige Meinung des Betriebsrates. Jetzt wird nach ausgeklügeltem Schlüssel jeden Monat Erfolgsbeteiligung gezahlt. Liegt sie bei 63 Prozent, befinden wir uns auf dem Niveau einer früheren Weihnachtsgeld-/Urlaubsgeld-Zahlung.

Wie ist das festgeschrieben?

Es gibt hier eine Betriebsvereinbarung zwischen Arbeitgeber und Betriebsrat, an der auch IG Bau-Steine-Erden beratend mitgewirkt hat.

Sie sind nicht bei der IG Metall?

Nein, aus unserer Schlacken- Zeit her gehören wir zum Bau-Gewerbe. Wir arbeiten hervorragend mit dieser Gewerkschaft zusammen. Das ist wichtig, weil auf unser enorm breites Arbeitsfeld kein General-Tarif draufpasst. Es gelten in Absprache mit der IGBSE angelehnte Tarife.
Sie tun viel für die Mitarbeiter?

Richtig, alles, was möglich ist. Das geht von der Stellung hochwertiger Arbeitsschuhe über Berufskleidung bis zur Unterstützungskasse, in die der Arbeitgeber steuerbegünstigt einzahlt. Wer Probleme hat, wird bei uns nicht alleingelassen. Diese Strategie hat sich bewährt!

Das Verhältnis zum Rohrwerk?

Die Belegschaften verstehen sich schon immer gut. Die Zusammenarbeit mit der IG Metall und dem dortigen Betriebsrat gestaltet sich aber eher schwierig. (ge)
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