Konzeptstudie: Nicht die Energiewende, sondern die fossilen Energieträger werden teuer
Auslaufmodell Öl, Kohle und Atom

Professor Stefan Beer von der HAW setzt auf den Ausbau regenerativer Energien: Im Vergleich der bayerischen Regionen liegt die Oberpfalz im BayernDurchschnitt. Bei der Wasserkraft sind vor allem Niederbayern (Donau) und Oberbayern stark. Biomasse dagegen ist eine Domäne der Oberpfalz. Bild: Herda
Lokales
Bayern
17.04.2013
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300 bis 500 Millionen Euro können pro Jahr an Wertschöpfung durch erneuerbare Energien in den Planungsregionen Oberfranken-Ost und Oberpfalz-Nord generiert werden, wenn der Umstieg auf erneuerbare Energien gelingt.

Zu diesem Ergebnis gelangt die Konzeptstudie "Aufschwung durch die Energiewende", die die Arbeitsgemeinschaft Energiewende Nordostbayern, ein Zusammenschluss von Wissenschaftlern und Energieexperten der Universität Bayreuth unter Mitwirkung des IFE-Institut der HAW Amberg-Weiden unter Prof. Markus Brautsch, im Herbst 2012 vorstellte.

Ganz anders als in der hysterisch geführten, öffentlichen Debatte über steigende Strompreise blickt die Studie in die nicht mehr ferne Zukunft: "Langfristig wird es auf jeden Fall günstiger", sagt Professor Manfred Miosga, "Sonne und Wind schicken keine Rechnungen." Ganz im Gegenteil, die Studie schwärmt von der größten wirtschaftlichen Chance seit dem Bau der Eisenbahn, von einem der wichtigsten Strukturförderprogramme aller Zeiten.

Energiewende zerredet

"Ich schaue mir solche Podiumsdiskussionen gar nicht mehr an", stöhnt Professor Stefan Beer, Energie- und Umwelttechniker an der Hochschule für angewandte Wissenschaften in Amberg-Weiden, "die zerreden die Energiewende aus Ignoranz oder weil sie Lobbyinteressen vertreten."
Dabei müsse man nur einen Blick zurück werfen, wie es überhaupt zu diesem politischen Projekt gekommen sei: "Die Studien von Professor Jürgen Schmid, Leiter des Instituts für Solarenergieforschung (ISET) in Kassel, sagten bereits in den 1990er Jahren voraus, dass uns ab 2020 die Preise für die konventionelle Stromerzeugung davonlaufen."

Dabei ist der gebürtige Oberviechtacher keineswegs ein Hardcore-Alternativer. "Ich war früher beim Bayernwerk, heute Eon, für die konventionelle Kraftwerks-Planung, also vor allem Kohle und Gas, zuständig. Ich kenne diese Perspektive und bin überzeugt, dass wir die Konzerne brauchen, um auch langfristig einen vertretbaren Strompreis hinzubekommen." Aber gerade deswegen fordert der Wissenschaftler einen forcierten Umstieg auf regenerative Energien: "Die Zeche für das Auslaufmodell Öl, Kohle und Atom zahlen ansonsten die Verbraucher."

Auch andere Institute, wie das Forum Ökologisch-Soziale Marktwirtschaft (FÖS) prognostizierten bereits vor 20 Jahren, dass es möglich sei, bis 2020 etwa 80 bis 90 Prozent der Energieversorgung aus erneuerbaren Energien zu gewinnen: "Hauptquelle dabei sind Sonne, Wind - on- und offshore", sagt Beer, "Wasser dagegen ist zumindest in Bayern kaum mehr ausbaubar."

Effizienz und Einsparung

Dazu kämen als wichtige Säule Investitionen in die Energieeffizienz und -einsparung. "Das ist das Szenario und der Grund, warum die Regierung in die Energiewende eingestiegen ist." Um das ehrgeizige Ziel zu erreichen, bräuchte Deutschland allerdings leistungsfähige Trassen, mehr Speicherkapazität und eine verlässliche gesetzliche Grundlage.
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