Pressather Bauunternehmer Otto Pravida trägt zur Sicherheit von Flugzeugen und Autos bei
Röntgenraum für Airbus & Co.

Die Nachfrage nach Endkontrolle ist gestiegen, weil die Kunden die Qualitätskontrolle immer stärker einfordern.
Lokales
Bayern
17.04.2013
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Nordbayerns umtriebiger Bauunternehmer hat wieder ein neues Geschäftsfeld eröffnet: Jetzt baut Otto Pravida Strahlenschutzbauten für die Endkontrolle von ganzen Flugzeugen, Kraftfahrzeugen und anderen hoch belastbaren Maschinen.

"Wir ruhen uns nicht auf unseren Lorbeeren aus", sagt Otto Pravida, Geschäftsführer der Pravida GmbH, "sondern suchen immer nach neuen Nischen." Das Oberpfälzer Unternehmen hat sich in Kooperation mit dem Ingolstädter Ingenieurbüro Jan Forster intensiv mit Strahlenschutz im medizinischen Bereich beschäftigt: "Jedem unserer Strahlenschutzbauten liegt eine genaue Strahlenschutzberechnung von Prof. Dr. Müller vom Lehrstuhl für medizinische Strahlenkunde der Universität Erlangen zugrunde", erklärt Pravida das aufwendige Verfahren.

"In der konventionellen Bauweise sind meterdicke, stark armierte und kostenintensive Stahlbetonwände erforderlich", fährt er fort. "Mit Hilfe von dünnen Doppelwand-Halbfertigteilen mit Ortbetonkern und einer Mineralstofffüllung erreichen wir den gleichen Strahlenschutz wesentlich kostengünstiger."

Impuls aus der Forschung

Was dem medizinischen Sektor billig ist, ist der Industrie willkommen: Auch der Strahlenschutz für die zerstörungsfreie Materialkontrolle im hochenergetischen Bereich setzte bisher vor allem auf massive Wände. Der Auftrag des Fraunhofer-Instituts gab den Impuls für die Anwendung des bewährten Systems auf einer anderen High-Tech-Baustelle: "Wir haben 2009/10 in Fürth einen großen Strahlenschutzbunker gebaut, in dem dieses renommierte Institut ganze Flugzeugtriebwerke röntgt."
Die Wissenschaftler versuchen dort die Endkontrolle von großen Konstruktionsteilen zu verbessern: "Es geht darum, Fehler in den zusammengefügten Bauteilen zu entdecken", erläutert Pravida. "Zwar wurden die einzelnen Teile natürlich auch bisher getestet, aber Fehler bei der Montage oder den Schweißnähten konnten unbemerkt bleiben." Das Anwendungsgebiet erstreckt sich auf die gesamte metallverarbeitende Industrie: "Auch bei Rohren oder Druckbehältern müssen die Schweißnähte geprüft werden." Dafür seien etwas kleinere Kabinen und nicht ganz so hohe Energien wie in Erlangen erforderlich.

Weil in Deutschland die Qualitätskontrolle an oberster Stelle steht und sie in ganz Europa immer wichtiger wird, sei dies "ein neues Betätigungsfeld mit hohem Potenzial". Teilweise trete der TÜV als Endkontrolleur auf den Plan, teilweise übernähmen dies große Unternehmen im eigenen Werk. In Anlehnung an das patentierte Forster-Sandwichsystem könne man die Testkabinen rasch aus Halbfertigteilen vor Ort auf der Baustelle montieren: "Wir haben einen hohen Vorfertigungsgrad, die Bauzeit auf der Baustelle wird dadurch deutlich verkürzt und die Kunden sind begeistert", sagt Pravida. In vier Wochen sei so ein Projekt abgeschlossen.
Zu den Referenzkunden auf diesem Gebiet gehört neben der Landesgewerbeanstalt das französische Unternehmen Cryolor in Metz. "Wir sind gerade dabei, den Vertrag zu unterschreiben", freut sich Pravida über den Auftrag aus Lothringen. "Die sind auf uns zugekommen." Für den nach eigenen Angaben modernsten Produzenten von Druckbehältern - spezialisiert auf den Niedrigtemperaturbereich (griechisch kryogen bedeutet Frost erzeugend) - baut das Oberpfälzer Bauunternehmen eine Prüfkabine in eine bestehende Halle. "Der Kontrollraum ist 17 Meter lang, vier Meter hoch und vier Meter breit", beschreibt Pravida das Projekt, "und besteht aus speziell geformten Betonfertigteilen, die es zulassen, das Ganze ohne durchgehende Fugen zu bauen und auch eine planbare Demontage ermöglichen."

Kunden fordern Kontrolle

"Die Anfragen häuften sich aufgrund der Aktivitäten in den letzten Monaten sehr", registriert der Pressather zufrieden. "Die Nachfrage nach Endkontrolle ist gestiegen, weil die Kunden die Qualitätskontrolle immer stärker einfordern." Bisher sei diese nur im Pipelinebau verbindlich. "Selbst im Flugzeugbau war das nicht selbstverständlich", wundert sich Pravida. "Das Fraunhofer-Institut arbeitet daran, die Kontrolle und damit auch die Verkehrssicherheit beim Fahrzeugbau zu verbessern.
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