21.11.2005 - 00:00 Uhr
Deutschland & Welt

Rolf Kauka schlug einst fürstliches Angebot Walt Disneys aus - Seine Witwe Alexandra lässt die ... Die Rückkehr von Fix & Foxi

Längst volljährig ist Micky Maus, als das Brüderpaar Fix & Foxi 1953 das Licht der Welt erblickt. Mehr als 20 Jahre lang hat der Mäuserich fast nur in Amerika sein "Unwesen" getrieben. Jetzt, Anfang der Fünfziger, setzt in Deutschland der Wirtschaftsboom ein und Walt Disney, Schöpfer der Micky Maus, macht mobil. Die ersten US-Comics überschwemmen den Markt und Disneys Charaktere haben die Nase ganz weit vorn. Aber auch der Leipziger Rolf Kauka schläft nicht. Er wittert seine Chance.

Einige der Kauka-Stars (von links): Bussi Bär und Pauli, Lupo und Professor Knox, Fix und Foxi, Diabolino und Lupinchen und ein (noch) namenloses Hündchen. (Bilder: Kunz)
von Autor UHProfil

Kauka beginnt seine eigenen Comicfiguren zu entwickeln, gründet 1951 den Kauka Verlag in München und wirbt erfahrene Illustratoren aus Jugoslawien, Italien und Spanien an. Denn in der jungen Bundesrepublik fehlt es an geeigneten Comic-Zeichnern. 1952 erscheint Kaukas erstes, noch von ihm selbst gezeichnetes Comic-Heft. Er möchte seine Geschichten nicht amerikanisieren, möchte sich eher als Nachfolger Wilhelm Buschs verstanden wissen. Kauka verfolgt die Tradition der deutschen Fabeln, Märchen und Volksbücher.

"Till Eulenspiegel"

Seine Hefte erscheinen unter dem Titel "Till Eulenspiegel". Aber der durchschlagende Erfolg bei deutschen Lesern bleibt aus. Bis das Heft Nummer sechs in den Läden auftaucht. Lässt Kauka in Nummer fünf noch getreu der Fabel Reinecke Fuchs den Isegrim in die Falle locken, starten in der folgenden Ausgabe zwei seiner Zaungäste durch. Dem Wolf steht ab sofort ein Fuchs-Brüder-Paar gegenüber: die Geburtsstunde von Fix & Foxi. Die schlauen Brüder sind also Ableger aus deutschem Kulturgut. Sie werden noch ein paar Mal verändert, werden immer besser und bekommen menschliche Züge. Es dauert noch vier Ausgaben, dann sind die beiden Titelhelden.

Ein Stück von Rolf Kauka

Am 13. September 2000 starb der "Vater der Füchse" im Alter von 83 Jahren auf der Chinaquapin-Plantage in Thomasville/Georgia, wohin er sich 1982 aus gesundheitlichen Gründen zurückgezogen hatte. Seine Witwe Alexandra Kauka beschreibt ihren verstorbenen Mann als "sehr intelligent". "Er hatte einen schillernden Humor. Ich würde sagen: zwischen Slapstick und Satire", vertraut sie in München unserer Zeitung an. Und sie geht noch weiter. "Die ganze Fix & Foxi-Geschichte trägt die Handschrift meines Mannes. In ihr ist etwas von ihm selbst verborgen."

Als die in Kärnten geborene Österreicherin, die in München aufwuchs und dort später eine Kunst-Galerie betrieb, ihren späteren Ehemann Rolf Kauka bei einem Abendessen mit Geschäftsleuten kennen lernte, war er längst "der" erfolgreiche Comic-Schöpfer. Und als solcher wurde er von der jungen Galeristin bewundert. Das hatte natürlich einen Hintergrund. "Ich bin mit Fix & Foxi groß geworden. Ich habe die Hefte schon als Kind gelesen. Warum? Weil sie meine besten Freunde waren."

Ihr Lieblingscharakter war Lupo, "weil er ein dufter Typ war und all das machen durfte, was ich nicht machen durfte." Das war damals. Heute favorisiert sie die Rolle von Lupos vorlauter Cousine Lupinchen. "Ich finde, wir Frauen müssen zusammenhalten." Auch Rolf Kauka hatte seine Lieblingsfigur, erzählt uns seine Witwe. "Es war Oma Eusebia." Und das hatte einen persönlichen Hintergrund.

"Mein Mann hatte sich immer so eine Oma gewünscht. Eine mit Haaren auf den Zähnen zwar. Aber eine mit großem Humor. Eine, die immer präsent war und hilfreich." Im wirklichen Leben von Rolf Kauka habe es diese Großmutter nie gegeben. Er konnte mit keiner Oma kommunizieren. "So hat er sich halt seine eigene Oma geschaffen." Und bei einigen anderen Charakteren dürften wohl Freunde und Bekannte die eine oder andere Rolle gespielt haben, schmunzelt sie.

Rolf Kauka war ein Selfmademan. 1917 wird er in Leipzig geboren. Bereits als Gymnasiast bessert er sein Taschengeld mit Cartoons für die Zeitungen "Leipziger Neueste Nachrichten" und "Weissenfelser Tageblatt" auf. Nach dem Abitur beginnt er ein Betriebswirtschaftsstudium, wird aber schon bald als Soldat in den Zweiten Weltkrieg eingezogen. 1945 findet sich der Sachse mit finnischen Vorfahren in München wieder. Sein Startkapital fürs Zivilleben: ein waches Auge für das, was den Menschen im Nachkriegsdeutschland fehlt.

Zum Beispiel Lehrbücher für Studenten an Behelfsuniversitäten. Er schreibt mit seinem Freund Dr. Norbert Pohl die "Elemente der Rechtswissenschaft", eine Kurzlehrbuchreihe für Jurastudenten. Aus dem Autor wird wenig später ein Verleger, als er Heinz Ullstein und Harry Schulze-Wilde kennen lernt. Gemeinsam gründen sie 1949 den Heinz-Ullstein-Verlag. Die eigentliche Wiege seiner späteren Comic-Helden ist aber der 1951 gegründete Kauka Verlag in München.

Fix & Foxi nur der Anfang

"Über 80 Comic-Figuren schuf mein Mann." Schnell entwickelt sich die Heftserie zum auflagenstärksten Comic-Heft in Deutschland. Wöchentliche Auflagen von bis zu 500 000 Heften veranlassen Walt Disney, den geistigen Vater der Fuchsbücher in die USA zu holen. Disney bietet seinem Konkurrenten die damals astronomische Jahresgage von 80 000 US-Dollar. Aber Kauka lehnt ab - und schreibt deutsche Comic-Geschichte, baut an einem europäisches Gegengewicht zum Disney-Imperium. Sein Ergebnis kann sich sehen lassen. In 40 Jahren werden über 750 Millionen Fix & Foxi-Hefte verkauft. Nebeneinander gelegt ließe sich so dreimal die Erde umspannen.

Ein weiterer Geniestreich ist das erste und bis heute erfolgreichste Vorschulmagazin "Bussi Bär", das in zehn Sprachen erscheint und allein hierzulande monatlich 300 000-mal gedruckt wird. Neben seinen eigenen Geschöpfen finden bei Kauka auch eine Reihe anderer prominenter Comic-Figuren wie Asterix und Obelix, Lucky Luke, Spirou und Gaston die Bühne für ihren ersten Auftritt auf dem deutschen Markt.

Rückkehr nach Verkauf

1973 verkauft der Verleger sein Unternehmen an die englische IPC und die niederländische Verlagsgruppe VNU. Er gründet in München die erste Comic-Akademie Deutschlands. Als das Verlagskonsortium Ende der 70er auseinander fällt, übernimmt Rolf Kauka noch einmal das Ruder und bringt Fix & Foxi zurück auf Erfolgskurs.

1982 raten Ärzte dem Pionier des deutschen Comics, sich angesichts einer schlimmen Arthritis auf seine Plantage in Georgia zurückzuziehen. 1994 übernimmt der Träger des Verdienstordens erster Klasse der Bundesrepublik Deutschland noch ein letztes Mal die Geschicke seines Imperiums. Er bündelt nun endgültig alle Aktivitäten in der Kauka Promedia um die Fix & Foxi-Fernsehserie zu realisieren, die in 30 Ländern ausgestrahlt wird. Im Frühjahr 2000 wird in Ravensburg-Meckenbeuren das Fix & Foxi-Abenteuerland eröffnet.

Vermächtnis fortführen

Ein Jahr vor seinem Tod übergibt er die Geschäftsführung an seine Gattin Alexandra. Im Jahr 2000 wird die Reihe mit einer Auflage von 165 000 Heften eingestellt. Aber Alexandra Kauka verspricht ihrem Mann auf dem Sterbebett, sein Vermächtnis fortzuführen.

Seit wenigen Wochen liegen die Fix & Foxi-Hefte für die Enkel-Generation wieder in den Verkaufsregalen. Neu überarbeitet, modernisiert und mit einem informativen Innenteil. "Wir nehmen die Pisa-Studie überaus ernst", vertraut uns die Herausgeberin an. Denn: "Auch meinem Mann ist es immer um Wissens- und Informationsvermittlung gegangen."

Heute sei es an der Zeit, wieder einmal in den alten Heften zu blättern, sagte sie. Denn: "Ehrlich, ich sollte es jetzt schon aus Ehrfurcht wieder einmal tun. Das neue Heft lesen und dann ein altes herausholen und das so richtig auf mich wirken lassen."

"Sind eine Weltmacht"

Alexandra Kauka ist eine würdige Nachfolgerin ihres Mannes. Ein bedeutender Mäzen der Metropolitan Opera in New York, einem Engagement, das Rolf Kauka gründete. Seit ihrem schweren Unfall, den sie vor zehn Jahren auf einer Benefiz-Gala erlitt - sie stürzte zwei Stockwerke tief in einen Aufzugschacht und war Jahre an den Rollstuhl gefesselt - unterstützt sie Kulturzentren und Krankenhäuser: "Ich habe mich mit diesem Problem intensiv auseinandersetzen müssen, wusste nicht, ob ich jemals wieder werde gehen können. Aber ich habe nie aufgegeben. Ich hatte aber auch einen Menschen an meiner Seite - und das war eben Rolf Kauka - der sagte, wir zwei, wir schaffen das zusammen."

Zusammen seien sie eine "Weltmacht" gewesen. "Das hat mir so geholfen, ich glaube, ich bin nur meinem Mann zuliebe wieder gesund geworden." Um begabte Comic-Zeichner zu fördern, gründete sie die Rolf-Kauka-Stiftung und rief den Rolf-Kauka-Preis ins Leben, der mit 30 000 Euro die höchst dotierte Auszeichnung für Comic-Schaffende in Deutschland ist. Alexandra Kauka lebt heute auf der Chinquapin-Plantage in Georgia, München und New York.

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