Schub durch HAW?

Lokales
Bayern
17.04.2013
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(Fortsetzung von Seite 16)

Je mehr Arbeitsplätze für Hochqualifizierte, desto geringer der Abwanderungsdruck bei Abiturienten. Und bei diesen Arbeitsplätzen gibt es in der nördlichen Hälfte der Oberpfalz enormen Nachholbedarf. Nur ganz allmählich sind die positiven Auswirkungen der Hochschule Amberg-Weiden zu spüren, trotz ihrer hohen Einmündungsquoten in die Region.



Aber ohne die HAW wäre der Abstand zu Gesamtbayern noch viel größer. In Zahlen ausgedrückt: Zwischen Schwandorf und Tirschenreuth stieg diese "Akademikerquote" zwischen 2000 und 2011 - neuere Zahlen liegen nicht vor - lediglich von 3,4 auf 4,8 Prozent, in Bayern dagegen von 8,2 auf 10,8 Prozent.

Dieser Unterschied ist eigentlich nicht überraschend. Denn die Arbeitsplatzstrukturen in der Region sind nunmal weniger auf Hochqualifizierte und Führungspersonal ausgerichtet. Und so etwas kann sich nicht von heute auf morgen ändern. So gibt es im Handels- und Dienstleistungszentrum Weiden etwa viel kaufmännisches und Verkaufspersonal, im Industriezentrum Amberg viele Arbeitskräfte in der Produktion. Letzteres gilt auch für Industriestandorte der Region wie zum Beispiel Weiherhammer, Wackersdorf, Kemnath oder Tirschenreuth.
Die mittlere und nördliche Oberpfalz ist traditionell produktionsorientiert, ohne dass sich hier die vielen wissenschaftlichen Institute, Firmen- und Finanzzentralen einer Großstadt finden. Vielleicht schaffen sich eines Tages die HAW-Absolventen ihre eigene Beschäftigungsstruktur durch Neugründungen und Innovationen.

Risiken für die Entwicklung des Arbeitsmarkts in der Region liegen im vergleichsweise hohen Beschäftigten-Anteil von Arbeitnehmern ohne abgeschlossene Berufsausbildung. Bei ihnen ist die Gefahr, arbeitslos zu werden, hoch. Während hier der Anteil der "Ungelernten" an allen Beschäftigten zwischen 2000 und 2011 von 23,7 auf 17,7 Prozent sank, verzeichnete Bayern insgesamt einen Rückgang von 20,7 auf 14,9 Prozent. Prägend für das Bild der Beschäftigung in der Region sind aber auch die beiden Städte Amberg und Weiden in ihrer Funktion als Einpendler-Zentrum. 63,1 Prozent aller Beschäftigten kommen in Amberg aus dem Umland, in Weiden sind es sogar 64,3 Prozent. An diesen Werten hat sich seit der Jahrtausendwende kaum etwas verändert.
Die Konsequenz war, dass Beschäftigungsgewinne meist nicht den Einwohnern dieser Städte zugutekamen, sondern den Menschen aus der Umgebung. Es wäre eine wissenschaftliche Untersuchung wert, zu klären, warum Arbeitgeber häufiger den Mitarbeiter aus dem Umland als den aus der eigenen Stadt einstellen.

Höhere Quote in Städten

Beobachtungen dieser Art macht der Arbeitgeber-Service der Arbeitsagentur Weiden seit Jahren regelmäßig. Die Folge dieser Situation ist, dass der Begriff "Arbeiten am Wohnort" unter Berücksichtigung der Auspendler nur für rund 8900 Amberger und 9200 Weidener Gültigkeit hat. Und deshalb sind auch die Arbeitslosen-Quoten in den Stadtgebieten höher als im Umland, bekanntlich besonders bei der Stadt Weiden mit einer der landesweit höchsten Hartz-IV-Quoten unter den Arbeitslosen.

Der Autor war bis 2012 Chef der Arbeitsagentur Weiden. Seit seinem Eintritt in den Ruhestand schreibt er regelmäßig für das Medienhaus "Der neue Tag".
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