Spannendes Hörspiel aus der Feder von Wolfsmehl mit Karlheinz Böhm und Elisabeth Trissenaar
Pikante Liebesbriefe von Ludwig und Lola

Lokales
Bayern
05.04.2007
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Die leidenschaftliche Affäre Ludwig I. mit Lola Montez war im bayerischen Königreich ein Skandal, füllte aber auch weltweit die Klatschpresse. Kein Wunder, löste sie doch die Abdankung Ludwig I. aus. Die Liebesbriefe, die von der bayerischen Regierung lange Zeit unterdrückt wurden, nahm der Autor Wolfsmehl als Grundlage für sein psychologisch tiefes Hörspiel "Lola Montez".

Im Prinzregententheater gab es jetzt eine hervorragende Lesung mit Elisabeth Trissenaar und Karlheinz Böhm, wobei die Hälfte des Erlöses an Kalheinz Böhms Stiftung "Menschen für Menschen" ging. Mit den beiden renommierten Schauspielern fand man eine ideale Besetzung: Karlheinz Böhm wurde neben Romy Schneider in den "Sissi"-Filmen berühmt. Seit 1981 engagiert er sich in der von ihm gegründeten Hilfsorganisation "Menschen für Menschen".

Für dieses Projekt war er nach eigenen Angaben sofort zu gewinnen. Auch Elisabeth Trissenaar, die große Frauenrollen wie "Fräulein Julie", "Nora", "Lulu und die Martha in "Wer hat Angst vor Virginia Woolf" spielte, war begeistert. Für die Rolle der Lola Montez ist sie wie geschaffen.

Wer war Lola Montez?

Wolfsmehl hob in seiner kurzen Einführung in München die Leistung der Übersetzung der spanisch geschriebenen Briefe hervor. Denn weder Lola Montez noch Ludwig beherrschten diese Sprache. Der aus der Oberpfalz stammende Wolfsmehl alias Michael Kumeth erzählt nach der Life-Lesung, "dass ihn der Briefwechsel interessierte, und dass er zusammen mit dem Hessischen Rundfunk das Hörspiel produzierte".

Als Femme fatale der Biedermeierzeit, Spionin, Schauspielerin, gefeierte "spanische Tänzerin" und Weltenbummlerin kommt Lola Montez 1846 nach München und "verzaubert" den bayerischen König. Die 1823 geborene Tochter eines schottischen Offiziers und einer irischen Landadeligen wächst in Indien, England und Schottland auf. Mit 39 Jahren stirbt sie verarmt, enttäuscht, wenn nicht gar verbittert in New York, wo sie am Ende ihrer Flucht aus München landete. Wolfsmehl entdeckte bei seinen Recherchen einen bis dahin nicht bekannten Aspekt ihrer Persönlichkeit, die lebenslange Suche nach dem geliebten Vater. Sie ist der Motor für ihren Freiheitsdrangs, ihren permanenten Ortswechsel und für die zahllosen Liebschaften auf der ganzen Welt. In dem 35 Jahre älteren Ludwig scheint Lola den Mann zu finden, der ihrem Ideal des Vaters am nächsten kommt.

Wolfsmehl komponierte das Hörspiel als Rückblick der einsamen Frau. Verarmt erzählt Lola Montez einem Zeitungsjungen, den sie pikanterweise um sein Geld prellt, ihr abenteuerliches Leben. Wolfsmehl, der zusammen mit dem populären Hörspielmacher Konrad Halver Regie führte, lässt sie derb, vulgär, abgefeimt sprechen. Ihre prekäre Lebenslage klingt unüberhörbar in dem Leitmotiv "Ich brauche dringend Geld!" durch. Sie, die jeden Mann betrogen hat, auch Ludwig geht von einem Verrat ihrer Liebe aus, ist selbst maßlos enttäuscht über Ludwigs Abkehr.

Staatsaffäre ausgelöst

Eine Frau, die den König "die Freiheit gelehrt hat", die als Mätresse eine Staatsaffäre ausgelöst, die bayerischen "Deppen", die einflussreichen Jesuiten und Minister provoziert hat, wird am Ende einsam und arm mit 39 Jahren sterben. Vor dieser Kulisse geben die erstklassigen Sprecher im Wechsel die Briefe von Ludwig und Lola wieder. Am Ende als Lolas Zuhörer, der Zeitungsjunge, sie eine Lügnerin nennt, ruft sie in ihrer Verzweiflung nach ihrem nie gefundenen Daddy.

Wolfsmehl: "Lola Montez", Hörspiel, 1 CD, 69 Minuten, Radioropa Hörbuch, ISBN 9783-8666-77012, ca. 8,80 Euro. Eine Produktion des Hessischen Rundfunks.