Vorteile einer Technischen Hochschule - Interview mit Präsident Bauer
Mehr als nur ein Titel

Die Wirtschaft der Region wird davon profitieren, dass Amberg-Weiden und Regensburg künftig eine Technische Hochschule bilden. Davon zeigt sich HAW-Präsident Professor Dr. Erich Bauer überzeugt. Archivbild: Hartl
Lokales
Bayern
17.04.2013
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Es gibt viel zu tun zurzeit. Gerade hat Professor Dr. Erich Bauer, Präsident der Hochschule Amberg-Weiden (HAW), ein Gespräch mit seinem Kollegen Professor Dr. Wolfgang Baier von der Hochschule Regensburg (HS.R) geführt. Überhaupt, sagt Bauer, jage momentan ein Termin den nächsten.

Aber das sei halb so schlimm, wenn die Arbeit solche Resultate bringe. Resultate wie jüngst die Eröffnung des Weidener Technologie-Campus. Und natürlich die Aufwertung der HS.R und der HAW zu Technischen Hochschulen. Zusammen hatten sich Regensburg und Amberg-Weiden um den Titel bemüht. Am 19. März bewilligte das bayerische Kabinett den gemeinsamen Antrag.

Technische Hochschule - das klingt gut. Aber viel mehr als Prestige scheint der Titel auf den ersten Blick nicht zu bringen.

Prof. Bauer: Er bringt uns neue Möglichkeiten, etwa in der Lehre, der Forschung. Und wir arbeiten ja schon länger mit Regensburg zusammen. Wir wissen, dass es viele Synergien gibt, die wir weiter nutzen wollen. Um uns besser abzustimmen, werden wir je ein Mitglied des Leitungsgremiums in den Hochschulrat der jeweils anderen Hochschule senden. Außerdem haben wir zum Beispiel geplant, die Studiengänge noch enger aufeinander abzustimmen, mit sehr positiven Erfahrungen aus unserem gemeinsamen Master-Studiengang Human Resource Management.
Bedeutet das, dass doppelte Studiengänge wegfallen?

Prof. Bauer: Nein. Aber wir kooperieren momentan bei neun Master-Studiengängen mit anderen Hochschulen. Künftig wird bei solchen Kooperationen Regensburg sozusagen unser Premium-Partner sein. Und wir werden gemeinsam besprechen, wer welche zusätzlichen Master geplant hat und dabei nach Möglichkeit kooperieren. Außerdem werden wir unsere Zusammenarbeit bei der Weiterbildung ausbauen.

Gibt es da schon konkrete Pläne für neue Master?

Prof. Bauer: Ja, aber welche - da will ich nicht vorgreifen.

Trotzdem: Zusammenarbeit gab es auch so schon. Welchen Mehrwert hat dann der Titel Technische Hochschule?

Prof. Bauer: Er ändert die Art, wie wir wahrgenommen werden - in Bayern, in Deutschland und darüber hinaus. Als Technische Hochschule werden auch Universitäten und Forschungseinrichtungen eher mit uns zusammenarbeiten. Außerdem glaube ich, dass das zusätzliche Prestige dazu beitragen wird, dass - wenn in einigen Jahren die Zahl der Studierenden im Zuge des demografischen Wandels sinken wird - der Schwund bei uns geringer als angenommen sein wird.
Das bayerische Kabinett hat nicht nur Ihnen den Titel verliehen, sondern auch noch drei weiteren Technischen Hochschulen zugestimmt. Das Geld, das für jede einzelne TH übrig bleibt, ist damit geringer geworden. Hat die Staatsregierung zu salomonisch entschieden?

Prof. Bauer: Nein. Mehr Geld ist natürlich immer besser als weniger. Aber es geht nicht darum, dass wir die Rechnung aufstellen: Das kostet eine Technische Hochschule. Wir haben ohnehin genug Erfahrung damit, selbst Mittel einzuwerben. Wir sehen die zusätzlichen Mittel als Startkapital. Sie ermöglichen uns, gemeinsam größere Forschungsanträge zu stellen und damit weitere Mittel zu bekommen.

Wieviel Geld gibt es denn konkret zusätzlich?

Prof. Bauer: Jetzt gilt die Regel, dass jede TH pro Jahr eine Million Euro bekommt. Es kann aber im nächsten Doppelhaushalt mehr werden.

Was passiert damit?

Prof. Bauer: Damit können wir bestehende Forschungsprofessuren langfristig sichern und neue hinzubekommen. Und wir können unsere gemeinsamen Leitthemen ausbauen: Energie und Mobilität, Information und Kommunikation, Lebenswissenschaften und Ethik, Produktion und Systeme, Gebäude und Infrastruktur. Außerdem können wir Mitarbeiterstellen schaffen, was die Professoren bei der Forschung entlasten würde. Und wir könnten uns in zwei, drei Jahren einmal mit den anderen Technischen Hochschulen besprechen, mit dem gemeinsamen Ziel, etwa das Thema der kooperativen Promotionen deutlich auszubauen.
Als Amberg-Weiden den Titel bekam, war der Jubel in der Region groß. Aber inwiefern profitieren eigentlich auch die Menschen, die Wirtschaft außerhalb des Campus?

Prof. Bauer: Dass wir den Titel bekommen, war ja auch Wunsch der Wirtschaft, weil sie bestens ausgebildete Kräfte braucht. Hinzu kommt, dass wir für Studierende von außerhalb attraktiver werden. Das sind potenzielle Mitarbeiter für die regionalen Unternehmen, die mit ihnen über Praktika oder bei Abschluss-Arbeiten in Kontakt treten können. Und es hilft der Wirtschaft bei der Werbung, wenn sie sagen kann: In unserer Region gibt es eine Technische Hochschule.

Haben Sie als TH die Möglichkeit, auf zusätzliche Wünsche der Wirtschaft einzugehen?

Prof. Bauer: Wir haben in den letzten drei Jahren die Zahl der dual Studierenden versiebenfacht. Das war ein Wunsch der Unternehmen, da können wir jetzt sicher noch mehr machen. Und wir werden auch gemeinsam mit Regensburg überlegen, welche berufsbegleitenden Studiengänge es noch geben könnte. Da wird sich wohl auch noch etwas tun.
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