Wachsende Bedeutung der Schwellenländer für Ausfuhr bayerischer Unternehmen - China verdrängt ...
Export in schwachen Euro-Raum auffangen

"Wir sind in allen Ländern, in denen es blitzt und donnert", sagt Thomas Dehn, Geschäftsführender Gesellschafter von Dehn + Söhne. Auf dem spektakulären Foto jagen Oberflächenblitze im Forschungslabor Neumarkt über eine zentimeterdicke Glasscheibe. Auch nach 250 Jahren Blitzforschung sind die Ingenieure noch immer Tag für Tag auf der Suche nach neuen und besseren Blitzschutz-Lösungen für Wohnhäuser, Unternehmen und Elektrogeräte. Archivbild: dpa
Lokales
Bayern
17.04.2013
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15 Milliarden Euro exportierten Oberpfälzer Unternehmen im vergangenen Jahr. Das Gros der Ausfuhren entfällt auf die Metall- und Elektroindustrie, die mehr als 60 Prozent ihres Umsatzes im Ausland erwirtschaftet. Immer stärker gewinnen die Schwellenländer an Bedeutung.

Flossen im Jahr 2000 erst gut 5 Prozent der bayerischen Exporte in die sogenannten Briics-Staaten (Brasilien, Russland, Indien, Indonesien, China und Südafrika), sind es heute 15 Prozent der Ausfuhren. "Damit hat sich der Anteil der bayerischen Exporte in diese Länder in den vergangenen 12 Jahren fast verdreifacht", erklärt Dr. Stefan Klumpp, Bezirksvorsitzender des Unternehmerverbands bayme vbm.

China sticht dabei besonders heraus: 2011 entfielen allein 12,4 Prozent aller Ausfuhren der Metall- und Elektroindustrie in Bayern auf das Reich der Mitte, das damit die USA (11,9 Prozent) verdrängt hat.

Europa weiterhin schwach

Dr. Klumpp: "Wir stellen fest, dass sich schon seit mehreren Jahren die Gewichte beim Export immer mehr von Europa hin zu den Schwellenländern wegbewegen." Der Vorstand des Straßenwalzen-Herstellers Hamm AG (Tirschenreuth) geht davon aus, dass die wirtschaftliche Dynamik in Europa weiterhin schwach bleibt. Besonders gravierend sei diese Entwicklung in den Krisenstaaten Südeuropas, die schmerzhafte Anpassungsmaßnahmen zur Wiederherstellung ihrer Wettbewerbsfähigkeit durchführen müssten.
Noch immer geht fast die Hälfte der bayerischen Exporte nach Westeuropa. "Es ist für die bayerische Exportwirtschaft wichtig, weiter auf Internationalisierung zu setzen", betont Dr. Klumpp.

In 70 Länder exportiert das 103 Jahre alte Familienunternehmen Dehn + Söhne aus Neumarkt. Der Exportanteil macht rund 40 Prozent des Umsatzes aus. Dehn produziert mit weltweit über 1500 Mitarbeitern (davon 1300 am Standort Deutschland) hochwertige Blitzschutz-Systeme. Innovative Nischen liegen vor allem bei den regenerativen Energien, der Kommunikations-, Verkehrs-, Prozess- und Sicherheitstechnik. "Diese Marktsegmente bedienen wir mit speziellen Lösungen", sagt Thomas Dehn, Geschäftsführender Gesellschafter von Dehn + Söhne. Zu diesen spezifischen Anwendungsfeldern gehört z. B. der Schutz von Wechsel-richtern bei Fotovoltaik-Anlagen. "Wir haben den Blitzableiter zeitgemäß weiterentwickelt."

Im lokalen Wettbewerb

Nachdem das Geschäft in Deutschland "schwächelt" - der Auftragseingang sank um 14 Prozent - setzt Dehn um so mehr auf den Export qualitativ hochwertiger Produkte bei Überspannungs-, Blitz- und Arbeitsschutz. "Denn gerade die osteuropäischen Länder haben sich auf diesem Feld technologisch fortentwickelt." Während nach der "Wende" 1989/1990 in Tschechien, Slowenien oder Polen an Überspannungsschutz-Systemen "nichts dagewesen" sei, "übernehmen heute lokale Unternehmen als Wettbewerber die Basistechnologie in recht ordentlicher Qualität". Dehn: "Bei Feld-, Wald- und Wiesenprojekten tut es auch ein einheimisches Produkt." Die Firma Dehn + Söhne fokussierte sich deshalb auf alle Risiken des elektrischen Stroms. Allein 120 Mitarbeiter sind im Bereich Entwicklung, Konstruktions- und Qualitätssicherung tätig.

Der Jahresumsatz des "verschwiegenen" Familienunternehmens liegt dem Vernehmen nach bei deutlich mehr als 200 Millionen Euro.
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