Ängste überwinden

Der Bamberger Erzbischof Ludwig Schick. Bild: dpa
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Bayern
29.12.2016
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Der Bamberger Erzbischof spricht sich deutlich gegen extreme Politik aus. Deshalb muss er gerade im Netz viel ertragen. Doch er bleibt bei seiner Haltung - auch gegenüber der CSU.

Bamberg. Ludwig Schick (67) hat die CSU an ihr "C" im Namen und an die Verfassung erinnert. Dafür setzt er sich in den sozialen Medien immer wieder dem Hass aus. Im Interview der Deutschen Presse-Agentur sagt er, wie nah ihm die Angriffe tatsächlich gehen - und wie die Kirche mit unterschiedlichen Meinungen in den eigenen Reihen umgeht.

Sie bekommen sogar Todesdrohungen. Haben Sie Angst, dass Ihnen wirklich jemand etwas antut?

Das lässt mich nicht kalt. Aber mein Verstand und Pflichtgefühl sind stärker. Sie sagen mir, dass ich mich nicht beugen und nicht kleinkriegen lassen darf, sondern Widerstand leisten muss. Diese Verunglimpfungen gegen mich richten sich immer auch gegen andere, für die ich mich einsetzen möchte. Da geht es allgemein gegen "die Muslime", gegen "die Flüchtlinge", "die Politiker", gegen "die Pfarrer und Bischöfe", die übelst beleidigt werden. Ich möchte auch für die ohne Lobby da sein, Sozialhilfeempfänger, Geringverdiener, kinderreiche Familien. Dafür überwinde ich meine Ängste.

Nun sprechen sich prominente Kirchenmänner wie Sie gegen die AfD aus. Aber es gibt auch AfD-Anhänger in ihren eigenen Reihen.

Die Kirche ist Anwalt von Vernunft und Glauben und hilft so, Parteiprogramme zu analysieren. Sie muss sagen, was das Evangelium fordert: Liebe Gott und deinen Nächsten wie dich selbst. Sie richtet sich dabei zuerst an die eigenen Leute. Wir müssen den Christen, allen Menschen deutlich sagen, dass ihre Ängste kein Grund sind, rechtspopulistische oder extreme rechte und linke Parteien zu wählen. Sie können mit ihren Sorgen bei anderen Parteien Gehör finden.

Bei der CSU?

Wir müssen allen Parteien gegenüber unsere Grundsätze hochhalten und einfordern!

Sie sagen, im neuen CSU-Programm stünden erfreuliche Ansätze. Ist die Obergrenze für Sie ein guter Ansatz?

Hier muss man genau hinsehen und unterscheiden. Wir dürfen uns nicht von Schlagworten in den Medien leiten lassen. Für die Aufnahme von Flüchtlingen kann es keine Obergrenze geben; das Grundgesetz und die Genfer Flüchtlingskonvention lassen sie nicht zu. Für die Integrationsmöglichkeiten einer Gesellschaft kann es eine Obergrenze geben. Die Herausforderung ist, beides miteinander abzustimmen. Im CSU-Programm sind gute Ansätze, aber ich habe auch Fragen. Das ist normal, Parteiprogramme sind keine Dogmen. Beim bayerischen Integrationsgesetz habe ich Zweifel, ob das alles so funktionieren kann.

Eine Herausforderung scheint auch das Hirtenwort der Bischöfe zum Papstschreiben "Amoris Laetitia" - wann kommt es?

Es wird daran gearbeitet. Wann es veröffentlicht wird, weiß ich nicht.

Heißt die Verzögerung nicht, dass Sie sich nicht einig werden?

Die Stärkung von Ehe und Familie ist ein wichtiges Thema. Dass sich die Bischöfe Zeit nehmen, damit ein gutes Hirtenwort dabei herauskommt, ist verständlich und wichtig. Wir haben ein gutes Schreiben des Papstes, das auch lesbar und verständlich ist, es braucht keine Interpretation. Deshalb sehe ich keine große Dringlichkeit, das Hirtenwort schnell zu veröffentlichen.

Wenn es so gut verständlich ist, warum werden Sie sich nicht einig?

Die deutschen Bischöfe sind sich nicht uneinig, sondern versuchen, ein gutes Wort zu verfassen, das Wert und Bedeutung des päpstlichen Schreibens unterstreicht. Bei unseren Überlegungen geht es zunächst um die Form, ob es ein kurzer Aufruf sein soll oder eine ausführliche Arbeitshilfe. Die Ernsthaftigkeit des Themas macht die Mühe des Ringens verständlich.

Ist das Thema Ehe und Familie ein Streitpunkt?

Der Papst hat gesagt, dass die Situation der Menschen in Ehe und Familie genau betrachtet und jedem Einzelnen geholfen werden soll, gut leben zu können. Auch wenn eine Ehe geschieden und eine neue begründet wurde, so soll er in der Kirche mitleben können, so steht es in "Amoris Laetitia". Mehr, glaube ich, wird von den deutschen Bischöfen dazu nicht gesagt werden.
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